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Hospiz: Einen guten Umgang mit der Trauer finden

Sterben Der Förderverein Hospiz Esslingen finanziert Kurse zur Trauerbegleitung für Mitarbeitende in den Städtischen Pflegeheimen Esslingen.

Jennifer Papst, Jasmina Hasan und Claudia Landenberger (von links) vor dem Hospiz Esslingen. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Esslingen. Abschied, Verlust und Trauer sind täglich präsent in den Pflegeeinrichtungen: Menschen müssen sich beim Umzug ins Heim von ihrem vertrauten Zuhause verabschieden, liebgewonnene Gewohnheiten aufgeben und miterleben, wenn Bewohnerinnen und Bewohner sterben. Das fordert das Personal. Mit dem Projekt „Beziehungsweise: Hospiz. konkret.“ will der Förderverein Hospiz Esslingen die von der Stadt Esslingen getragenen Pflegeheime dabei unterstützen, Sterbende möglichst gut zu begleiten. Aus diesem Projekt entstanden ist der Wunsch nach Kursen zur Trauerbegleitung. Diese finanziert der Förderverein über fünf Jahre mit insgesamt 17 500 Euro.

„Wir sind überzeugt, dass alle davon profitieren, wenn die Mitarbeitenden besser mit Themen wie Verlust, Sterben und Tod umgehen können“, sagt Marianne Hertle, Vorsitzende des Fördervereins. Sie weiß, dass sich die meisten Menschen wünschen, zu Hause zu sterben. Doch gut ein Drittel stirbt im Pflegeheim, 47 Prozent im Krankenhaus. Der erste zweitägige Kurs sei für die elf Teilnehmenden aus den städtischen Pflegeheimen ein Erfolg gewesen. Im November wird der Kurs fortgesetzt.

Geleitet wird die Schulung von Claudia Landenberger, die als Trauerbegleiterin Erfahrung mit der Qualifizierung von Haupt- und Ehrenamtlichen hat. „Es geht darum, eine gute Sterbekultur sowohl für Bewohner und Angehörige als auch für Mitarbeitende zu etablieren. Ich erlebe, dass das Thema oft weggedrückt wird, weil man keinen Weg findet, damit umzugehen“, sagt sie und vermittelt, dass Trauer individuell ist. Es gelte, Strategien für einen Umgang mit der eigenen Trauer und der anderer zu finden. Das bedeute auch, zu erkennen, dass man nach einem schweren Verlust wieder glücklich sein könne, wenn auch anders als zuvor.

Trauer zeige sich an vielen Stellen, deshalb sei die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln wichtig. Wenn Menschen ins Heim zögen, müssten sie sich von vielem verabschieden. Auch dies sei eine Form der Trauer. Nicht schönreden, sondern die Situation anerkennen und zu schauen, was die Betroffenen brauchen, rät Landenberger. „Es ist wichtig, sich mit der trauernden Person zu beschäftigen, sie wahrzunehmen und auch in Kontakt zu bleiben“, sagt Jennifer Papst, Sozialarbeiterin im Pflegeheim Berkheim. Gar nicht so einfach, wenn im hektischen Alltag kaum Zeit bleibt. Dann sei es wichtig, zu signalisieren, dass man zwar gerade keine Zeit habe, den Menschen in seiner Trauer aber sehr wohl wahrnehme.

Gelernt, das Herz mitzunehmen

Der Kurs habe auch ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es auf die Qualität der Begegnung und nicht auf die Länge ankommt. Ist ein Mensch gestorben, helfen Rituale wie Abschiedsrunden, in denen Angehörige, Mitbewohner und Personal gemeinsam des Verstorbenen gedenken. Der Kurs war für die Teilnehmenden aber keine leichte Kost: „Es kam auch viel Schweres hoch“, sagt Claudia Landenberger.

Zugleich berichteten die Kursteilnehmer, dass es gut und befreiend war, sich damit zu beschäftigen. „Die Teilnehmer konnten viel aufarbeiten und viel für sich und ihre Arbeit mitnehmen. Ich habe gelernt, mein Herz mitzunehmen, mich berühren zu lassen, mitzufühlen, ohne mich aufzuopfern“, sagt Jasmina Hasan, Beraterin für gesundheitliche Versorgungsplanung. Auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden waren Teil des Kurses. Diese leiden oft darunter, dass sie letzte Wünsche nicht mehr erfüllen können. „Dann brauchen sie Strategien, mit diesem Gefühl umzugehen“, sagt Landenberger. Ulrike Rapp-Hirrlinger

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