Kirchheimer Umland

Hundert Leute sollen „zelten“

Bis Weihnachten muss in Dettingen eine neue Unterkunft für Flüchtlinge bezugsfertig sein

Die Weihnachtswoche wird der Gemeinde Dettingen einen Bevölkerungszuwachs um hundert Personen bescheren. Ob alleinstehende Menschen oder Familien kommen, aus welchen Herkunftsländern sie stammen und wann genau sie eintreffen sollen, ist noch völlig unklar. Nur so viel ist klar: Auf dem Gelände in der Kelterstraße wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Auf diesem Gelände an der Dettinger Kelterstraße entsteht in den nächsten Tagen eine Zeltunterkunft für hundert Flüchtlinge.Foto
Auf diesem Gelände an der Dettinger Kelterstraße entsteht in den nächsten Tagen eine Zeltunterkunft für hundert Flüchtlinge.Foto: Jean-Luc Jacques

Dettingen. Eingeplant sei, dass die Belegung des neuen Zeltbaus in Dettingen in der 52. Kalenderwoche erfolge, sagte der Pressesprecher des Landratsamts Esslingen, Peter Keck, gestern auf telefonische Nachfrage. Zu Details konnte er nichts Genaueres berichten als der Kalender: „Das ist zwischen dem 21. und dem 27. Dezember.“ Dettingen ist beileibe nicht die einzige Baustelle, um die sich das Landratsamt zu kümmern hat: „Wir werden auch in der Woche 52, wie jede Woche, 270 Leute kriegen.“ Weil der Dezember fünf Wochen hat, kommen allein im letzten Monat des Jahres noch einmal 1 350 Personen in den Kreis. „Da haben wir einen brutalen Druck“, stellt Peter Keck fest und fügt lapidar hinzu: „Im Januar geht‘s weiter.“

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Zu den Personen, die bis Weihnachten in Dettingen ihr Zelt aufgeschlagen bekommen, kann Peter Keck keinerlei Auskünfte geben: „Wenn es gut geht, erfahren wir zwei, drei Tage vorher, wer woher kommt und ob es ausschließlich Männer oder auch Familien sind. Zwei bis drei Wochen im Voraus lässt sich da noch gar nichts sagen.“ Wenn es in den nächsten Tagen viel regne, könnten die Bauten in Dettingen nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Das spiele aber kaum eine große Rolle, denn: „Die Leute kommen trotzdem.“

Ulrich Muckenhaupt, als Architekt in Diensten des Landkreises beim Amt für Kreisschulen und Immobilien tätig, weist nämlich darauf hin, dass jeder Regentag die vorbereitenden Erdarbeiten auf dem Grundstück um einen Tag zurückwerfe und dass die hundert Personen eigentlich erst nach Dettingen kommen könnten, wenn alles fertig sei. Als weiteres Problem nennt er die Lieferengpässe, die bei Containern bestehen. Die Container sind für die „Nebengebäude“ wichtig. Es gibt welche für Küchen, Duschen, WCs und Waschmaschinen. Die eigentliche Unterbringung erfolgt in zwei Zelten – in einem für die Unterkunft und in einem weiteren für die Versorgung. Das Unterkunftszelt bietet Platz für hundert Menschen. Es besteht aus festen Seitenwänden und einem Zeltdach, ist winterfest und wird beheizt.

Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann bestätigt diese Angaben, weist aber darauf hin, dass er selbst erst Anfang dieser Woche, kurz vor der Gemeinderatssitzung, von den wenigen Details erfahren habe, die bereits bekannt sind. Über viele weitere Einzelheiten müsse jetzt erst einmal Klarheit geschaffen werden. Danach soll es in der Schlossberghalle eine Informationsveranstaltung geben, um die Dettinger Bürgerschaft umfassend zu informieren. Als Termin nennt er vorerst den 15. oder 16. Dezember, abends gegen 19 Uhr.

Der Gemeinde geht es mit den Informationen nicht besser als dem Landratsamt, eher noch schlechter: „Wir erfahren irgendwann, kurz bevor es konkret wird, dass es Verhandlungen gibt.“ Die Gemeinde habe in diesem Fall „null Einfluss“. Schließlich gehe es um einen Pachtvertrag, der zwischen einem Grundstückseigentümer und dem Landkreis geschlossen wird. Baurechtlich handle es sich bei einem solchen Zelt um einen sogenannten „fliegenden Bau“, der sich kurzfristig aufstellen lässt. Die Nutzung sei allerdings formell beim Baurechtsamt zu beantragen.

Dass man in der aktuellen Situation nur gemeinsam etwas erreichen kann und dass man zusammenarbeiten muss, steht für Bürgermeister Haußmann außer Frage: „Die Not ist groß im Landkreis.“ Allein in Dettingen geht es derzeit um insgesamt gut 220 Flüchtlinge, die „neuen“ eingerechnet. Diese gelte es zu versorgen und zu betreuen. Nur so könne Integ­ration gelingen, erst recht im Fall von Anschlussunterbringungen. Der Gemeinderat habe deshalb – unabhängig von den aktuellen Ereignissen – beschlossen, eine Hundert-Prozent-Stelle zu schaffen. Auch wenn die Gemeinde nicht dazu verpflichtet sei, werde sie dafür kommunales Geld in die Hand nehmen: „Das sind wir auch unseren tollen ehrenamtlichen Kräften schuldig, die an der Grenze der Belastbarkeit angekommen sind.“

Info

Außer in Dettingen entsteht derzeit auch in Leinfelden-Echterdingen eine Zeltunterkunft für Flüchtlinge. Die erste Behausung dieser Art im Landkreis gibt es in Neuhausen. Sie ist bereits bezogen.