Kirchheimer Umland

Hundert Prozent Kirchheim

Kirchheimer Rathaus Nudeln von Miriam Pasquini / Pasta Fresca
Kirchheimer Rathaus Nudeln von Miriam Pasquini / Pasta Fresca

In Kirchheim gibt es kaum echte Kirchheim-Produkte. Das beklagt Mirijam Pasquini von der Nudelmanufaktur „Pasta Fresca“. Das sogenannte Branding geht ihr auf die Nerven: Schokoladentafeln

zum Beispiel würden einfach woanders gekauft und mit Rathausbildchen bedruckt. Diesem unhaltbaren Zustand möchte sie nun endgültig ein Ende setzen – mit Nudeln.

Hundert Prozent Kirchheim sollen sie sein: Die Zutaten von Zulieferern aus der Umgebung werden im eigenen Hause im Herzen der Stadt von einer gebürtigen Kirchheimerin zu winzigen Rathäusern aus Hartweizengrieß, Ei und Wasser fabriziert. Was will man mehr?

Hinter den scheinbar einfachen Esswaren steckt ein komplizierter und langwieriger Prozess. „Von der ersten Skizze bis zur fertigen Rathaussuppennudel sind mittlerweile acht Monate vergangen“, erzählt Mirijam Pasquini. In der Zeit hat sie Bilder des Kirchheimer Rathauses akkurat abgemessen, PC-Zeichnungen erstellt, die Proportionen richtig kalkuliert, Modelle per 3D-Drucker erstellt und schließlich die Metallproduktion für die Herstellung angeleiert. „Das ist nichts, was man mal g‘schwind so nebenher macht“, stellt sie fest.

Außerdem ist Nudel nicht gleich Nudel: Jede Kreation hat ihre eigene Rezeptur. Je nach Größe und Verwendung variieren die Ansprüche an das Teigprodukt und so auch die Zusammenstellung. Bis dann endlich die richtige Mischung gefunden ist, können schon mal ein paar Wochen vergehen. Die Rathausnudeln zum Beispiel würden sich dadurch auszeichnen, dass sie besonders viel Ei enthielten: So gehen sie schön auf, bleiben aber elastisch und zerbrechen nicht, erklärt Mirijam Pasquini. Die ideale Suppennudel also. Dann braucht es noch fast 50 Stunden Trockenzeit bis die losen Zutaten zur Nudel werden.

Ob sich der Aufwand finanziell lohnt, weiß die Nudelspezialistin nicht. „Mir geht es nicht darum, den großen Reibach zu machen. Es ist eher eine charmante Idee, die ich umsetzen wollte. Vielleicht bin ich da etwas idealistisch.“ Die Nudeln sollen als Image-Gag für Kirchheim, aber auch für ihren eigenen Laden dienen: „Damit haben wir die Chance zu sagen: Hey, wir sind hier und wir sind Kirchheim!“.

Vor sieben Jahren hat Mirijam Pasquini Pasta Fresca gegründet. Im Haus in der Alleenstraße bietet sie verschiedene Sachen an: Einerseits wird hier die eigene Pasta produziert und im Laden zusammen mit selbst gemachtem Pesto und Co. verkauft, andererseits hat sie im Hinterraum ein kleines Restaurant eingerichtet, in dem vorwiegend Mittagstisch serviert wird. Manchmal veranstaltet sie auch Kochkurse. Der Betrieb braucht viele Standbeine, um am Laufen zu bleiben: „Fachbetriebe wie wir haben es in Zeiten des Internets immer schwerer“, sagt Pasquini. Ihre Kundschaft aber bleibt ihr treu. „Sie sind der einzige legale Drogendealer in Kirchheim“, hätte neulich ein Gast scherzhaft zu ihr gesagt. Fotos: Deniz Calagan

Kirchheimer Rathaus Nudeln von Miriam Pasquini / Pasta Fresca
Kirchheimer Rathaus Nudeln von Miriam Pasquini / Pasta Fresca
Kirchheimer Rathaus Nudeln von Miriam Pasquini / Pasta Fresca
Kirchheimer Rathaus Nudeln von Miriam Pasquini / Pasta Fresca
Anzeige