Kirchheimer Umland

ICE-Strom fließt nach Nabern

Deutsche Bahn erläutert Bürgern ihre Pläne für die Stromversorgung der Neubaustrecke

Die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm benötigt jede Menge Strom. Deshalb möchte die Deutsche Bahn die bestehende Stromtrasse zwischen Hattenhofen und Nabern abschnittsweise umbauen.

ICE-Strom fließt nach Nabern
ICE-Strom fließt nach Nabern

Kirchheim. „Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen“, stellte Thomas Türk, Projektingenieur beim Bahnprojekt Stuttgart–Ulm bei der Vorstellung des Vorhabens in der Jesinger Gemeindehalle klar. „Wir sind hier, weil wir die Bürger der betroffenen Städte und Gemeinden frühzeitig über die einzelnen Projektschritte informieren wollen.“ Die Eigentümer der Flächen, die von dem Vorhaben betroffen sind, wurden von der Bahn vorab angeschrieben und persönlich in die Gemeindehalle Jesingen eingeladen. Entsprechend groß war das Interesse an der Veranstaltung, wie die Bürgermeister von Kirchheim und Ohmden, Günter Riemer und Martin Funk, zufrieden feststellten.

„Ziel ist es, die Neubaustrecke so umweltschonend wie möglich mit Bahnstrom zu versorgen“, erläuterte Projektleiter Kai Müller. Um dies zu gewährleisten, soll die bestehende Stromleitung der Netze-BW im Albvorland zwischen Hattenhofen und Nabern so umgebaut werden, dass die Masten neben den bisherigen Stromkabeln auch die Kabel für den Bahnstrom aufnehmen können. Über eine rund neun Kilometer lange 110-Kilovolt-Leitung wird das geplante Unterwerk „Nabern“ so an das bestehende Bahnstromnetz angeschlossen. Dort wird die zugeführte Energie dann auf die für die Strecke benötigte Traktionsspannung von 15  Kilovolt transformiert.

Hierzu sind der Abriss der alten Strommasten und der Neubau angepasster und deutlich höherer Masten notwendig. Diese stehen meist an der gleichen Stelle, müssen aber teilweise etwas versetzt werden – außerdem fällt deren Fundament mit bis zu 14  mal 14 Metern größer aus als bisher. Für die Arbeiten an den Strommasten werden die Leitungen mit provisorischen Masten abgestützt und mit entsprechenden Schutzgerüsten gesichert. Die Zufahrten sollen über Baustraßen geregelt, die Eingriffe in Natur und Umwelt minimal ausfallen. „Insgesamt können wir fünf Masten einsparen, müssen aber auf einer kurzen Strecke zwei Stück neu bauen“, erklärte Müller. Außerdem wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Bedenken bezüglich der elektromagnetischen Strahlung ausräumen soll.

Auch die weiteren Planungsschritte des Vorhabens wurden erläutert: Der Antrag auf Planfeststellung ist von der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH derzeit für September 2015 vorgesehen. Die Prüfung durch die zuständige Genehmigungsbehörde, das Eisenbahnbundesamt, erfolgt voraussichtlich bis Anfang 2016. „Wir rechnen damit, dass das Regierungspräsidium dann auch das Beteiligungsverfahren einleitet“, kündigte Projektingenieur Thomas Türk an. Das bedeutet, das die Antragsunterlagen vier Wochen lang in allen betroffenen Städten und Gemeinden sowie im Internet einsehbar sein werden, und für die Öffentlichkeit die Möglichkeit besteht, Einwendungen zu erheben. Der Baubeginn soll dann Ende 2016 erfolgen.

Der Projektleiter Kai Müller, Thomas Türk und Achim Saßmannshausen von der Projektgruppe der Deutschen Bahn und Gottfried Auwärter von der Firma Omexom, die die technische Planung ausführt, stellten sich anschließend den kritischen Fragen des Publikums. Einige Sorgen konnten entkräftet werden – so verläuft die Stromtrasse über Wohnbebauung durch die neuen Türme deutlich höher als bisher, eine Gefahr für die Anwohner bestehe nicht. Auch die notwendigen Eingriffe in die Natur werden angemessen ausgeglichen, dazu ist die Bahn als Bauherr verpflichtet.

„Das in Nabern ein Unterwerk gebaut werden muss, war vielen nicht klar“, stellte ein Bürger fest. Kritisiert wurde das Fehlen konkreter Informationen darüber, welche Grundstücke von der Versetzung der Masten betroffen sind und welche Masten wegfallen werden. „Wenn sie ihr Flurstück kennen, können wir nach der Veranstaltung einen Blick auf die Papierpläne werfen“, versprach Türk. Maststandorte können selbstverständlich abgelehnt werden. „Wir wären dann gezwungen, nach geeigneten Alternativen zu suchen.“

Sollte nach Prüfung sämtlicher Ausweichmöglichkeiten jedoch kein anderer Standort infrage kommen, könne es dazu kommen, das der Eigentümer keine andere Wahl hat, als den Standort zu akzeptieren. „Das ist aber natürlich mit Entschädigungen verbunden“, betonte Türk.

Mitglieder der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH und der Omexom Hochspannung GmbH stellten in der Jesinger Gemeindehalle den Bürgern
Mitglieder der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH und der Omexom Hochspannung GmbH stellten in der Jesinger Gemeindehalle den Bürgern ihre Pläne für den Umbau der Stromleitung zur Versorgung der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm im Albvorland vor.Foto: Markus Brändli/Grafik: Bahnprojekt Stuttgart-Ulm
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