Kirchheimer Umland

„Ich bin jeden Tag gerne zur Schule gegangen“

Verabschiedung Nach 20 Jahren als Schulleiter der Alleenschule geht Uwe Häfele in den Ruhestand. Kommissarischer Nachfolger wird Volker Blankenhorn. Von Andreas Volz

In jeder Hinsicht herzlich ging es beim Abschied von Rektor Uwe Häfele an der Kirchheimer Alleenschule zu. Das Bild zeigt den ne
In jeder Hinsicht herzlich ging es beim Abschied von Rektor Uwe Häfele an der Kirchheimer Alleenschule zu. Das Bild zeigt den neuen Ruheständler im Gespräch mit Kirchheims Geschäftsführendem Schulleiter Clemens Großmann (rechts). Foto: Carsten Riedl

Wenn sich nach 44 Dienstjahren - 20 davon als Schulleiter - die Gäste der Verabschiedungsfeier an zwei Händen abzählen lassen, kann etwas nicht stimmen. Aber in diesem Fall lag es an den Corona-Bestimmungen und nicht am Neu-Ruheständler, dass er vor handverlesenem Publikum „Servus“ sagen musste: Die Herzlichkeit der Verabschiedung verhielt sich umgekehrt proportional zum Besucherandrang.

Hartnäckig hat Uwe Häfele 20 Jahre lang für die Belange der Kirchheimer Alleenschule und ihrer Schüler gekämpft. Das machten alle Redner deutlich - allen voran Oberbürgermeister Pascal Bader, der den scheidenden Rektor erst am Vorabend bei der Schulleiterrunde persönlich kennengelernt hatte. Gleichwohl war er gut informiert: „Anstrengend“ sei Uwe Häfele gewesen, habe man ihm gesagt, „furchtbar anstrengend.“ Für Pascal Bader steht fest: „Das ist doch ein richtiges Lob. Sie geben nicht auf und haben viel gestritten - aber immer zum Wohl der Kinder an Ihrer Schule.“

Mit einer biblischen Anspielung brachte es Schuldekanin Dorothee Moser auf den nämlichen Punkt: „Sie haben Ihr Licht nicht unter den Scheffel gestellt, sondern es brennen lassen für diese Schule. Deswegen feiern wir auch nicht, dass Sie gehen, sondern dass Sie als leidenschaftlicher Pädagoge und umsichtiger Schulleiter künftig ihren Ruhestand genießen.“

Clemens Großmann, Kirchheims Geschäftsführender Schulleiter, lässt sich mit dem eigenen Ruhestand noch ein Jahr Zeit, obwohl er in seiner launigen Rede Gemeinsamkeiten herausarbeitete: „Wir brennen beide für unseren Beruf, wir sind beide der gleiche Jahrgang, und wir sind beide Hörgeräteträger. Wir können also auch mal abschalten.“ Als Maß aller Dinge schenkte er dem Kollegen zum Abschied einen Meterstab, „mit dem wir Schulleiter jetzt überall an unseren Schulen Abstände von 1,50 Meter gemessen haben“. Zum Maßhalten stellte Clemens Großmann fest: „In der Schulleiterrunde fiel es dir manchmal schwer, das richtige Maß für deine Redebeiträge zu finden. Jetzt, wo du es gelernt hast, hörst du auf.“ Trotzdem gelte für die 20 Jahre als Rektor der Alleenschule: „Du hast Maßstäbe gesetzt.“

Beim Abschied von Rektor Uwe Häfele an der Kirchheimer Alleenschule war auch Kirchheims OB Pascal Bader (links)  dabei. Foto: Ca
Beim Abschied von Rektor Uwe Häfele an der Kirchheimer Alleenschule war auch Kirchheims OB Pascal Bader (links)  dabei. Foto: Carsten Riedl

Einen dieser Maßstäbe stellte die Elternbeiratsvorsitzende Stephanie Rau in den Mittelpunkt: „An Ihrer offenen Tür können die Schüler jederzeit anklopfen. So etwas kannte ich nicht von meiner Schule.“ Auf die bunte Vielfalt der Schüler anspielend, überreichte sie als Abschiedsgeschenk eine UN-Flagge, auf die in allen möglichen Sprachen das Wort „Danke“ geschrieben war - „weil die Alleenschule das Hauptquartier der United Nations in Kirchheim ist“.

Wecken für die Schüler

Eine andere Besonderheit erwähnte Peter Kudzius, der als Ehemaliger für das Kollegium sprach: „Mein Schulleiter hat schon vor halb sieben Wecken gekauft, damit die Schüler was zum Frühstücken hatten. Das hat mich jedes Mal beglückt.“ Ähnlich beglückt zeigte er sich darüber, dass er auch im Ruhestand noch mit Schülern arbeiten konnte: in der Drechselwerkstatt. „Da durfte ich lernen, wie hypnotisierend eine Drechselbank auf zappelnde Schüler wirkt.“

Das aktive Kollegium war regelmäßig durch Videoclips vertreten und grüßte Uwe Häfele auf diese Weise auch musikalisch. Alle fragten sich, „warum der überhaupt geht“, und waren sicher, ihn schon bald als Krankheitsvertretung begrüßen zu können.

Der Rektor selbst stellte zu seiner Lehrerschaft fest: „Am Ende werde ich 55 Kolleginnen und Kollegen der Alleenschule in den Ruhestand verabschiedet haben. Es gab so gut wie keine Versetzungen.“ Das sei ein Zeichen für den guten Geist an dieser Schule. „Ich bin jeden Tag gerne zur Schule gegangen“, gestand Uwe Häfele. Ein Grund dafür war auch die Zusammenarbeit mit seinem Konrektor Volker Blankenhorn.

Letzterer sprach von einem „guten Lehrmeister, in dessen Fußstapfen ich jetzt wenigstens kommissarisch trete“. Er überreichte seinem Chef ein „Abschlusszeugnis“, das gespickt war mit allerbesten Noten. Deshalb wohl musste sich Volker Blankenhorn seinen größten Wunsch versagen: „Bei den Bemerkungen hätte ich gerne geschrieben: ,Nicht versetzt‘!“

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