Kirchheimer Umland

„Ich habe das nicht gelernt!“

Interview Ballettlehrerin Dagmar Lincke erklärt, wie sie ein Stück erarbeitet und die Rollen dafür gerecht verteilt.

Wie beginnt so ein Projekt?

Dagmar Lincke: Ich lese viele, viele Märchen, und wenn eine Geschichte meine Fantasie weckt, vertiefe ich mich in den Text. Wichtig ist aber auch, dass ich mein ‚Personal‘ unterbringe: Es gibt wunderschöne Märchen, aber sie brächten nur wenige Kinder auf die Bühne. Wenn ich mich für ein Märchen entschieden habe, dann formuliere ich es um, dann mache ich meine Geschichte daraus. Nachdem ich die Rollen für Solisten und Gruppen bestimmt habe, schreibe ich das Libretto.

Wo lernt man so was?

Lincke: Das habe ich nicht gelernt! Diese Arbeit macht eigentlich ein Theater und hat dafür viel Personal: Dramaturgen, Musikregisseure, Choreografen. Ich habe an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und anschließend an der Royal Academy of Dance in London Ballettpädagogik studiert.

Wie entwickeln Sie die Choreografie?

Diesmal habe ich ja das Glück, dass Bertram Schattel die Musik schon komponiert hatte und ich keine passende Musik mehr aussuchen musste! Ich nehme mir das Libretto vor, entscheide, ob ich eine Gruppe oder einen Solisten brauche, schaue mir die Handlung und das Thema an und dann probiere ich die Schritte aus. Zu Hause lege ich auch die einzelnen Tänzer mit Geldstücken oder Schachfiguren auf dem Tisch nach. Wenn ich aber anfange, mit den Kinder zu proben, passe ich die Choreografien noch nach Bedarf an. Es gibt vieles zu bedenken, manche Schritte sehen dann doch nicht so gut aus, oder es gibt Einschränkungen durch die Bühne: In der Stadthalle kann ich zum Beispiel keine Diagonale stellen.

Wie läuft die Rollenvergabe ab?

Das ist sehr schwierig, denn man kann leider nicht allen gerecht werden. Ich versuche immer, jemanden zu suchen, zu dem die Rolle passt: Technische Fähigkeiten und Ausdruck wechseln sich manchmal ab. Die Jüngeren gehen oft unbedacht und mit viel Spielfreude ans Werk, verfügen aber noch nicht über ein umfassendes Schrittrepertoire. Bei der „Goldenen Gans“ bot sich eine Doppelbesetzung der Solistenrollen an, sodass ich 24 Kinder beglücken konnte. sw

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