Kirchheimer Umland

„Ich kann nicht sagen, wo die Reise enden wird . . .“

Premiere eines außergewöhnlichen Musikprojekts: Alleenschule Kirchheim zeigt gelungene Integration auf musikalischer Ebene

„Ich kann nicht sagen, wo die Reise enden wird . . .“
„Ich kann nicht sagen, wo die Reise enden wird . . .“

Kirchheim. „Don‘t worry“ – mit diesem Song eröffnete eine neue Form von „Schülerband“ der Alleenschule in der Aula ihre musikalische Premiere. In der Tat, Sorgen muss man

Hartmut Schallenmüller

sich bei dieser Gruppe nicht machen. Unterscheidet sie sich doch von traditionellen Schulbands in außergewöhnlichen Merkmalen. Ungewöhnlich ist die Anzahl der Schüler, die es mit jeder Big Band aufnimmt. Musizieren doch fast 30 Schüler aus annähernd 20 Nationen auf der Bühne. Außergewöhnlich ist auch, dass ausnahmslos alle Schüler am Anfang des Schuljahres keinen blassen Dunst von ihrem Instrument hatten.

Wie ist das möglich? Es ist das Ergebnis des Musikkooperationsprojekts „Kultur macht stark“, ein vom Bundesministerium für Bildung gefördertes Programm. Es hat das Ziel, bildungsbenachteiligte Jugendliche in ihrer Entwicklung zu unterstützen und Integration zu fördern. Für die finanzielle Förderung ist das Zusammenwirken von mindestens drei lokalen Bündnispartnern Voraussetzung. So stellt die örtliche Musikschule mit Leiter Hans-Peter Weyhmüller das Lehrerpersonal. Die Alleenschule sorgt für die Einbindung des Projekts innerhalb der Ganztagsschule. Koordinationslehrer seitens der Schule ist Raphael Lindeke. Der dritte Partner ist der Fachdienst Jugend-Bildung-Migration Nürtingen. Die finanziellen Mittel zur Aufstockung des Instrumentenarsenals stellte der Lionsclub Nürtingen-Kirchheim in Höhe von 4 000 Euro zur Verfügung. Auch der Förderverein der Alleenschule legte nochmals beträchtlich nach.

Die letzte außergewöhnliche Tatsache: In „Start a Band“ spielen fast ausschließlich Schüler mit Migrationshintergrund. Es sind Kinder aus der Orientierungsstufe der Vorbereitungsklassen. So stehen Masoud aus dem Iran und Daria aus Polen vor dem Mikrofon, singen die englischen Popsongs, und wenn es nicht mehr weitergeht, wird auf Persisch gerappt. Man spürt es, Musik verbindet über die Sprachgrenzen hinweg und führt zu einem kreativen Selbstwertgefühl. Methodisch ist diese Ensembleleistung nur möglich, weil die einzelnen Instrumentalisten ihren jeweiligen Part in ihrer Gruppe einüben. Die Musiklehrer berichten von der großen Begeisterung und dem Stolz der Schüler, ein Instrument erlernen zu dürfen. Die interkulturelle Zusammensetzung wird als spannende Herausforderung und als eine faszinierende Bereicherung erfahren.

Raphael Lindeke ist zuständig für die Koordination der Gruppen, aber auch für spielbares Notenmaterial. Dass die jungen Instrumentalisten nach nur wenigen Proben zu einem homogenen Klangkörper zusammenwachsen, ist ihm zu verdanken.

Martin Breuer, Pastpräsident des Lionsclubs und Hermann Kölle, Vorstand der Lions-Freunde, äußern sich begeistert. Faszinierend ist, mit welch geringen Grundkenntnissen die Schüler in der Lage sind, Musik auszuüben und gemeinsam zu gestalten. Vor sieben Jahren startete das Musikprojekt unter anderen Voraussetzungen. Über die Nachhaltigkeit lässt sich da einiges sagen. So berichtete Rektor Uwe Häfele von zwei Schülerinnen, die sich heute als aktive Sängerinnen in der Flüchtlingsband Wüstenblume engagieren.

Wenn am Schluss Masoud und Daria den Hit „Wake me up“ singen, begleitet von der Schülerband, wird der Text gleichsam zum Leitmotto eines Vorzeigebeispiels einer gelungenen Integrationskultur: „Ich kann nicht sagen, wo die Reise enden wird, aber ich weiß, wo sie beginnt.“

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