Kirchheimer Umland

„Ich will graben, wühlen, entdecken“

Lesestoff Die Kirchheimer Autorin Petra Durst-Benning stellt ihr neues Werk vor und verrät das Geheimnis ihres Erfolgs sowie die Parallelen zwischen ihr und Woody Allen. Von Dieter Oßwald

Durst-Benning bei einer Lesung im September in der Göppinger Buchhandlung Osiander.Foto: Carlucci
Durst-Benning bei einer Lesung im September in der Göppinger Buchhandlung Osiander.Foto: Carlucci

Mehr als 2,5 Millionen Romane hat sie verkauft, die Kirchheimer Erfolgsautorin Petra Durst-Benning. Historische Themen stehen im Mittelpunkt ihrer mittlerweile 20 Bücher. In ihrer jüngsten Saga „Die Fotografin“ schildert die 1965 geborene Schriftstellerin das Leben einer Fotografin um die Jahrhundertwende. Der zweite Band erscheint am 8. April, begleitet von einer umfangreichen Leserreise.

Frau Durst-Benning, Sie haben über 2,5 Millionen Bücher verkauft. Geben Sie Ihre Erfolgsformel preis?

Petra Durst-Benning: Ich bemühe mich, meine Leser gut und spannend zu unterhalten, aber ihnen immer auch etwas mit auf ihren Weg zu geben. Das schätzen meine Leser seit über zwanzig Jahren. Ich glaube an das, was ich tue und würde niemals um des Erfolges willen etwas schreiben, was mich persönlich nicht fesselt und bewegt.

Wer sind die typischen Leser?

Durst-Benning: Kluge, empathische Menschen, die Lust haben, beim Lesen in neue Welten einzutauchen und zwischen den Zeilen zu lesen. Meine Leser erkennen und schätzen Qualität und freuen sich deshalb auf jede Neuerscheinung von mir.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Wie wir alle - in der Schule. Ich habe nur nicht mehr damit aufgehört.

Was ist das Schwierigste, was das Schönste in Ihrem Beruf?

Die Selbstbestimmung - beides in einem.

Was ist die wichtigste Qualität in Ihrem Beruf?

Eine eigene Melodie beim Schreiben zu entwickeln, einen Stil, der nur einem selbst gehört. Klone von Klonen von Klonen gibt’s schon genug. In dieser wenig originellen Flut aus Nachahmungen nicht unterzugehen, sondern dafür zu sorgen, dass das eigene Buchunikat weiterhin entdeckt wird - das ist zur zweitwichtigsten Qualität geworden.

Woher bekommen Sie Ihre Ideen?

Ideen habe ich täglich, aber nur ganz selten reicht es für einen Roman. Oftmals stoße ich durch Zeitungsartikel, TV, Gespräche auf ein interessantes Thema. Wenn ich dann bei der Erst-Recherche gleich auf zig Seiten im Internet stoße, ist die Idee für mich sofort wieder gestorben. Ich möchte es beim Recherchieren nicht „einfach“ haben, ich will graben, wühlen, entdecken! Denn nur dann kann ich meinen Lesern etwas Neues bieten. Mit dem Thema „Leinenweberei“ hat sich seit Gerhard Hauptmanns Zeiten kein Schriftsteller mehr beschäftigt. Nun habe ich es in meinem aktuellen Roman „Am Anfang des Weges“ aufgegriffen. Viele Ideen trage ich Jahre mit mir herum, bis ich irgendwann spüre: Jetzt ist die Zeit reif dafür und: Jetzt bin ich reif dafür. So wie bei meiner fünfteiligen Fotografinnen-Saga.

Was macht vergangene Zeiten so faszinierend für Sie?

Ich mag das Wort „Vergangenheit“ nicht. Wenn wir uns als Teil eines Prozesses begreifen, dann ist die emotionale und intellektuelle Verbindung zu dem, was vor uns da war, unwillkürlich gegeben und nichts ist je vorbei, sondern lediglich stetig in einem Wandel begriffen.

Wie umfangreich fallen die Recherchen aus?

Da ich nur über Themen und Hintergründe schreibe, die für mich völlig neu und frisch sind, fallen meine Recherchen entsprechend umfangreich aus. Für mich ist das keine Arbeit, sondern Vergnügen pur!

Von Woody Allen weiß man, dass er sich morgens um 8 Uhr an seine alte Schreibmaschine setzt und loslegt. Wie sieht Ihr Arbeitsprozess aus?

Dann haben wir den gleichen Tagesrhythmus. Ausnahme: Der Sonntag ist mir heilig.

Wie lange haben Sie benötigt für Ihr jüngstes Werk?

Heute heißt es in der Buchbranche: Schneller, schneller, schneller! Liefern auf Teufel komm‘ raus, ganz gleich, ob die Qualität leidet oder nicht. Dieser Druck kann schnell anstecken. Aber ich mag Schema F nicht. Und deshalb nehme ich mir weiterhin für einen sauber recherchierten, raffiniert konzipierten und mit Seele geschriebenen Roman ein Jahr Zeit.

Wie gefallen Ihnen die Verfilmungen von „Samenhändlerin“ und „Glasbläserin“?

Buch ist Buch und Film ist Film. In dem Augenblick, wo der Verlag oder ich die Filmrechte verkaufen, endet mein Mitspracherecht, ich mache mir auch keine Gedanken über Schauspieler und mehr. Ich finde beide bisherigen Verfilmungen gelungen.

Während der Buch-Markt schrumpft, boomen Hörbücher. Hat man beim Bügeln und Hören am meisten Vergnügen mit Ihren Büchern?

Das Schöne am heutigen Buchmarkt ist ja, dass jeder sich aussuchen kann, welche Art des „Lesens“ am besten zu ihm passt: Die einen lesen gern auf dem E-Reader, die nächsten lieben das gute alte Buch aus Papier und wieder andere lassen sich vorlesen. Die Hörbücher der Fotografinnen-Saga bekommen derzeit glühende Rezensionen, weil sie von Svenja Pages so gut gelesen werden.

Sie gehen aktuell auf Lese-Reise - welche Erfahrungen machen Sie?

Meine Lesungs-Erlebnisse würden ein ganzes Buch füllen! Für mich immer wieder faszinierend ist, welche Vertrautheit zwischen meinen Lesern und mir herrscht und mit welcher Treue und Zuneigung sie mir begegnen. Wir haben außerdem viel Spaß zusammen - was zu einem schönen Abend einfach dazu gehört!

Was lesen Sie selbst gerne? Was liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?

Ich lese gern spanische, italienische, englische und amerikanische Autoren. Zurzeit lese ich den vierten Roman von Robert Galbraith alias Joanne Rowling - sie kann einfach schreiben.

 

Termine Petra Durst-Benning stellt den zweiten Band von „Die Fotografin“ am Montag, 8. April, um 20 Uhr bei Thalia-Wittwer in Stuttgart vor. Im Landkreis Esslingen ist sie am Dienstag, 7. Mai, um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Filderstadt. Am Freitag, 12. April, liest sie in der Stadtbücherei von Wangen bei Göppingen, und zwar um 19.30 Uhr.

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