Kirchheimer Umland

Im Albverein wandern Experten

Vorträge In Kirchheim hat am Rande des Landesfests auch die Hauptversammlung des Albvereins stattgefunden. Besonders das neue Datenschutzgesetz bereitet dem Verein Sorgen. Von Andrea Barner

Sie schwenken die Fahne ihrer Heimat: Der Schwäbische Albverein hat rund 100¿000 Mitglieder. Daher unterhält er eine eigene Date
Sie schwenken die Fahne ihrer Heimat: Der Schwäbische Albverein hat rund 100¿000 Mitglieder. Daher unterhält er eine eigene Datenschutzbeauftragte. Kleinere Vereine können das nicht.Foto: Carsten Riedl

Der Schwäbische Albverein präsentiert sich beim Landesfest als moderne Organisation mit attraktiver Jugendarbeit und zeitgemäßem Gesamtprogramm. Die Internetpräsenz kann sich sehen lassen, auch in den sozialen Medien sind der Landesverband und die Ortsgruppen professionell zugange. Traditionen werden dennoch gepflegt. Ein Meer von bunten Fahnen und Wimpeln schmückt die Stadthallenbühne ringsum, jeder Ortsverband hat seine eigene aufgestellt.

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Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß aus Plochingen legt den Mitgliedern seinen umfangreichen Jahresbericht vor. Thema Nummer eins natürlich: das Wandern. „Engagierte Wanderführer haben spannende, sportliche, kulinarische, naturkundliche oder kulturelle Wanderungen in nah und fern geleitet.“ Damit auch externe Gruppen in den Genuss eines „Top-Guides“ kommen, hat der Albverein einen Wanderführer-Pool gebildet. Auch Firmen oder Kegelklubs können hier einen voll ausgebildeten Wanderexperten für eine passende Tour buchen.

Die Gestaltung und Unterhaltung der Wanderwege sind nach wie vor eine Kernaufgabe des Albvereins, die noch professioneller werden soll. Drei Arbeitsgruppen haben sich mit dem Thema intensiv beschäftigt und Leitlinien entwickelt. Im Fokus: die Schulung von Wegewarten und Gauwegmeistern. Auf Gauebene sollen außerdem Pflegeteams eingerichtet und möglicherweise ein hauptamtlicher Pflegetrupp eingestellt werden.

„Die Bürokratie hat zugenommen“, beklagt der Präsident allerdings die rigorose Vorgehensweise des Europaparlaments, das „Non-Profit-Organisationen“ mit der Datenschutzgrundverordnung unangemessen hart trifft. Rauchfuß fordert deshalb das Europaparlament und die Bundesregierung auf, „für die ehrenamtlichen Vereine in Europa praktikablere Lösungen für die Anwendung des Datenschutzes zu erlassen“. Eine entsprechende Resolution ist in Vorbereitung. Beim Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder liest Rauchfuß erstmals keine Namen vor, was allgemein für Kopfschütteln sorgt. Schon am Vortag hat er bei der Siegerehrung eines Schülerwettbewerbs darauf verzichtet, Namen zu nennen. Der Schwäbische Albverein mit 100 000 Mitgliedern leistet sich eine eigene Datenschutzbeauftragte, viele kleinere Vereine haben allerdings Probleme, sich im Nebel der neuen Rechtslage zurechtzufinden.

Die Festansprache hält Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Landesministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. „Wandern ist eine der beliebtesten Outdoor-Aktivitäten“ - so bringt die CDU-Politikerin den Zweck von Europas größtem Wanderverein auf den Punkt. Der Albverein ist ihrer Ansicht nach „eine der wertvollsten Konstanten fürs Wegenetz“, und sie lobt die Verlässlichkeit und Professionalität der Institution. Sie empfiehlt den Albverein auch als Ansprechpartner in Sicherheitsfragen, wenn es um das Reizthema Wolf geht. Falsche Romantik sei bei zunehmender Population nicht angebracht.

Die Stadt Kirchheim und der Albverein sind schon immer eng miteinander verbunden, erklärt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Einerseits wegen der Burg Teck, die dem Albverein gehört, andererseits gibt es gemeinsame Ziele, etwa in den Bereichen Umwelt, Naturschutz, Kultur und Tourismus. Ein dickes Lob von Landrat Heinz Eininger über das unermüdliche Engagement des Albvereins: „Wir schätzen besonders die Pflege, die Sie zum Beispiel im Biosphärengebiet oder in den Wacholderheiden leisten.“

Auch der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbands Dr. Gerhard Bronner würdigt den Schwäbischen Albverein als „einen der engagiertesten Verbände im Naturschutz“.

Informationen über den Schwäbischen Albverein und den Jahresbericht von Hans-Ulrich Rauchfuß gibt es im Netz unter www.albverein.net.