Kirchheimer Umland

Im Biergarten hängt jetzt der Besen

Gastronomie Im Stadl seines Kirchheimer „Hirschgarten“ betreibt Reinhard Segatz mit seiner Familie bis zum 17. November eine Besenwirtschaft. Von Thomas Zapp

Reinhard Segatz (vorne in der Mitte), Tochter Marie, Ehefrau Barbara und das Team erwarten die Besucher des Besens im Stadl. „Re
Reinhard Segatz (vorne in der Mitte), Tochter Marie, Ehefrau Barbara und das Team erwarten die Besucher des Besens im Stadl. „Reservierungen sind nicht nötig“, sagt Segatz. Foto: Markus Brändli

Ursprünglich stammt Reinhard Segatz aus dem westfälischen Dorsten. Gastronomisch hat sich der Wahl-Kirchheimer und passionierte Jäger aber voll und ganz auf die Traditionen Süddeutschlands eingeschossen. In der Teckstadt hat er vor 16 Jahren mit dem „Hirschgarten“ nicht nur den größten Biergarten mit heute 350 Plätzen errichtet. Seit Donnerstag verdankt Kirchheim dem groß gewachsenen Vollblut-Gastronom auch die erste Besenwirtschaft. „So etwas gab es hier noch nicht“, sagt Segatz.

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Bis zum 17. November kehrt der „Besen“ im urigen Stadl auf dem Biergartengelände an der Dettinger Straße, immer von Donnerstag bis Samstag ab 19.30 Uhr. Am heutigen Samstag findet allerdings eine Hochzeit statt, weiter geht es dann wieder am 25. Oktober. Die begrenzte Öffnungszeit ist eine Voraussetzung, um eine Besenwirtschaft zu betreiben. „Ursprünglich war das eine Sondergenehmigung“, sagt der Gastronom. Damit wurde es Weinbauern ermöglicht, ihren eigenen Wein ohne Abgaben unter die Leute zu bringen. Auch wo der Begriff Besenwirtschaft überhaupt herkommt, weiß Segatz. „Wenn früher die Weinbauern die Reste des Fasses leerten, benutzten sie dazu einen Reisigbesen“, erklärt er.

Charakteristisch für einen Besen ist auch eine einfache Karte mit deftigen Gerichten. Bei Familie Segatz ist das die besentypische Schlachtplatte, Kesselfleisch, Spanferkel oder Maultauschen in der Brühe, dazu gibt es Wein oder Bier. Wer es authentisch mag, sollte einen jungen Wein nehmen, den Segatz aus dem Remstal bezieht. Die Besonderheit: Der Wein hat keinen Korken, bekommt daher Sauerstoff und baut Alkohol auf. Je später man ihn trinkt, umso mehr „Umdrehungen“ hat er. Trollinger, Weißherbst und Riesling aus der Gegend hat er auch im Angebot, ebenso wie schwäbischen Apfelmost.

Dass die Produkte aus der Region kommen, ist dem Gastwirt wichtig. So hat er lange gesucht, um das richtige Griebenschmalz zu bekommen - schließlich ist er in Waiblingen fündig geworden. „Das schmeckt so, wie es sein muss, nicht zu fettig“, sagt Segatz.

Die Dekoration im urigen Stadl, das normalerweise nur für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder Gruppenfeiern geöffnet wird, ist ganz auf Besen ausgerichtet. Reinhard Segatz, seine Frau Barbara und Tochter Marie haben die Gaststube mit Platz für 150 Gäste mit alten Weinfässern gestaltet und auf ein paar besondere Details geachtet. So steht auf den Holztischen während der Besenzeit die „Kellerratte“, ein typischer Kerzenhalter aus französischen Weinkellern. Den Namen verdankt das Metallgestellt seinem „Rattenschwanz“, mit dem man den Kerzenhalter an einem Weinfass befestigen kann. Für ein weiteres Elemente hat der Gastwirt höchstpersönlich gesorgt: Der ausgestopften Hirschkopf aus Weißrussland und die Wildschweinfelle sind allesamt Ergebnisse der Jagd.