Kirchheimer Umland

Im Osten viel Neues

Kirche Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Kirchheim lernt vom Kirchenkreis Naumburg-Zeitz.

Ingrid Sobottka-WermkeFoto: pr
Ingrid Sobottka-WermkeFoto: pr

Dettingen. Eine geheizte Kirche? Am Montag? Ingrid Sobottka-Wermke, Superintendentin im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz, war in Dettingen sehr erstaunt. Von den 185 Kirchen in ihrem Kirchenkreis sind nur die wenigsten beheizbar. Auch sonst ist im Osten vieles anders. Doch lässt sich von den dortigen Veränderungen viel lernen. Die Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Kirchheim nahm sich dafür viel Zeit.

Seit vielen Jahren begleitet Wilfried Veeser, Pfarrer in Dettingen, die Veränderungen im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz. Längst sind ihm die unterschiedlichen Begriffe geläufig: Was bei uns Dekanin heißt, ist in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland eine Superintendentin. Ingrid Sobottka-Wermke ist dies seit 2017 im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz, davor war sie in Niedersachsen. Zu ihrem Kirchenkreis zählen 23 000 Mitglieder in 67 Kirchengemeinden und Gemeindeverbänden. Da sind 185 Kirchengebäude eine große Aufgabe. Verkauft wurde bisher keine Kirche, das soll auch so bleiben - auch wenn es in mancher Kirche nur zu hohen Festtagen einen Gottesdienst gibt. Wie sollen auch im nördlichen Zeitz dreieinhalb Hauptamtliche gleichzeitig 34 Predigtstätten bedienen? Dekanin Renate Kath verglich das mit ihrem misslungenen Versuch eines Apfelstrudels mit viel zu wenig Teig: „Zu wenige Mitarbeiter, zu viele Aufgaben.“

Bisher keine Kirchen verkauft

Die Gemeinden feiern ihre Gottesdienste im nördlichen Zeitz nun gemeinsam an fünf, sechs wechselnden Orten. Im ganzen Kirchenkreis Naumburg-Zeitz heißt es nicht „der Gottesdienst in A-Dorf fällt nächsten Sonntag aus“, sondern „wir feiern alle gemeinsam in B-Dorf“. Die Konfirmanden lernen gemeinsam, die Chorarbeit ist regional organisiert, zweimal im Jahr tagt ein Regionalbeirat und es gibt eine Regionalkasse.

Ja, es gibt Trauer über Verluste. Doch Wilfried Veeser wurde Zeuge eines Wandels: Zuerst gab es Konflikte, wer wie viel oder wie wenig bekommt. Doch dann haben die Kirchengemeinden ihre „Perlen“ entdeckt. Sie haben erlebt, dass diese Projekte auch die Nachbarn interessieren, dass diese mit dafür eintreten. „Plötzlich merkt man, was für Schätze wir in der Region haben“, habe ein Gemeindemitglied gesagt.

Geld, das durch vorübergehend vakante Stellen frei wurde, hat der Kirchenkreis in befristete Regionalstellen investiert, von der Öffentlichkeitsarbeit bis zur Altenheimseelsorge und zum Familienzentrum. Eine Pfarrerin, die 14 Gemeinden zu betreuen hat, bietet reihum eine Andacht mit anschließender geistlicher Sprechstunde an, so ist sie überall präsent.

Regionales Handeln, räumte die Superintendentin ein, geschehe ein wenig im rechtsfreien Raum: So sei der Regionalbeirat ein informelles Gremium, das keine Beschlüsse fassen dürfe. Nun gehe es darum, das Erreichte zu evaluieren und rechtskonform zu machen.

Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold machte den Synodalen Mut, Neues zu wagen. Sie warnte auch vor einem Vorurteil: Bei Wiederbesetzungen denke manche Gemeinde, eine eigene 50-Prozent-Stelle sei für Bewerber attraktiver als eine Fusion mit einer Nachbargemeinde, um eine Vollzeitstelle zu erreichen. „Das halte ich nach Gesprächen mit jungen Kollegen für einen Irrtum.“

In einem hielt sich die Synode streng ans Prozedere: Jörg Stolz, künftiger Kirchenpfleger in Kirchheim, wurde mit 50 Ja-Stimmen und einer Enthaltung auch zum Kirchenbezirksrechner gewählt. Lange im kirchlichen Dienst, wechselte er als Verwaltungsleiter ins Landesgestüt Marbach. Nun kehrt er zurück: „Mein Heimathafen ist schon die Kirche.“ pm

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