Kirchheimer Umland

Immer der Sonne entgegen

Das Kirchheimer Rollschuhplatz-Open-Air stand unter einem guten und heißen Stern

Der Rollschuhplatz an der Bastion liegt wieder friedlich in der Sonne. Die großen Stufen sind leer und nichts erinnert daran, dass dort am Wochenende die Post abging. Auch dieses Jahr wurde beim vielfältigen Programm gewippt, getanzt, geschnippt, gelacht und gezappelt. Ein paar mehr Zuschauer hätten es aber sein dürfen.

Für gute Stimmung sorgten die Bands beim Rollschuhplatz-Open-Air in Kirchheim.Fotos: Deniz Calagan (3), Johannes Stortz (1)
Für gute Stimmung sorgten die Bands beim Rollschuhplatz-Open-Air in Kirchheim.Fotos: Deniz Calagan (3), Johannes Stortz (1)

Kirchheim. Über den Musikgeschmack des Wettergotts ist wenig bekannt. Aber offenbar umfasst er nicht bloß himmlische Harfentöne. Denn pünktlich zum Beginn des Rollschuhplatz-Open-Airs verzog sich der Regen und machte Platz für die Auftaktband „Soundition“.

Die junge Gruppe aus Weinheim verpasst ihrer Mischung aus Reggae und Ska deutsche Texte. Mit eingängigem Sound machten die sieben engagierten Musiker damit nicht nur sich, sondern auch den ersten Gästen so richtig gute Laune.

Während die ungarische Truppe „Paddy and the Rats“ aufspielte, füllte sich der Platz langsam. Beim Soundcheck führten schunkelseelige Akkordeon- und Fidelklänge auf die falsche Fährte. Nein, keine Volksmusik, sondern Irish Folk mit Punk Rock reinigte die Gehörgänge, derweil sich drohend dunkle Regenwolken über Kirchheim zusammenballten. Dann hüpften die ersten Pogotänzer auf die Tanzfläche, andere hockten noch etwas befangen auf den Stufen, wobei sie zunehmend mit den Füßen wippten. Keltische Klänge gepaart mit Punk und Balkan Beats gehen eben in die Beine und machen den Wolken ebensolche. Als das Mikrofon kurzzeitig ausfiel und die Band unplugged spielte, rückten die Leute einfach vor der Bühne zusammen. Und je ausgelassener die Stimmung wurde, desto mehr verschaffte sich die Abendsonne Platz. Das Festivalgefühl war angekommen.

Ebenso wie die Reggaefreaks, die nun mit jamaikafarbenen Shirts, Ketten und Schuhbändeln anrückten. „Sebastian Sturm & Exile Airline“ gaben den Abschluss des Abends. Bewährter Roots Reggae sorgte für eine entspannte Sommernachtsatmo­sphäre. Die war zwar etwas kühl geraten, aber mit Mond und Sternen am Himmel und der Möglichkeit, sich warmzutanzen.

Wer pünktlich um Mitternacht heimging, konnte dann am Sonntag um elf Uhr ausgeschlafen der bewährten Rockabilly-Musik des „Johnny Trouble Trios“ lauschen. Mit Weißwurst und herrlichem Sommerwetter gaben sich sogar Linedancer ein Stelldichein und das Ganze wurde zum Rock ‘n‘ Rollschuhplatz. Am frühen Nachmittag kamen dann die Eigengewächse der Kirchheimer Musikschule zum Zug (siehe Artikel links).

So langsam machte der heiße Sommertag schläfrig. Aber nichts da mit Rumhängen. Damit die Kinder wenigstens etwas Sonnenschutz bekommen, lupfte das Publikum den Pavillon von der Naturbühne he­runter vor die Bühne.

Mimi plapperte wie ein Wasserfall, als ihr Partner ihr den Flaschenkorken aus dem Mund zog. Das Clowns-Duo „Herbert und Mimi“ kämpfte auf dem Weg in die Sommerferien mit der Tücke der typischen Reise-Objekte. Klein und Groß, nun beschattet, waren begeistert. Der dreijährige Jona lachte vor allem über die Clownin Mimi, die einem Koffer entstieg. Zunächst steif wie eine Puppe, kam immer mehr Leben in sie. Als Mimi am Ende wieder in ihr anfängliches Geplapper verfiel, bediente sich Herbert kurzerhand wieder des Korkens. Wenn das bloß immer so einfach ginge.

Was den einen ins Bett treibt, bereitet dem anderen schlaflose Nächte: Die angekündigte Hip-Hop-Band „New Gene“ musste wegen eines Infektes ihres Sängers kurzfristig absagen. Da kam Joachim Barinka vom Bastionsteam ganz schön ins Schwitzen. „Die Band „Belphi“ sagte am Samstagnachmittag zu“, zeigte er sich nachträglich erleichtert. Deshalb wunderte sich so mancher, als statt des erwarteten Sprechgesangs die Bässe wummerten. Die junge Rockband mit dem Kirchheimer Bassisten Steffen Schellhaas füllte die entstandene Lücke. Der jubelte über die Chance und das Wetter: „Wir wollten immer schon mal in Südkalifornien spielen. Immer gegen die Sonne.“

Die neigte sich bereits dem Horizont zu, als beim Stadtfest schon die Luft raus war und auf dem Rollschuhplatz die südafrikanische Rockröhre „Dilana“ nochmals so richtig Dampf machte. Das kleine Energiebündel mit ihren Mitmusikerinnen war einer, wenn nicht der Höhepunkt des Festivals und sie fühlte sich sichtlich wohl in Kirchheim. Sie hatte gleich den Draht zum Publikum und freute sich über Kinder und Senioren, die zu ihrer Musik abrockten. Es wäre ganz schön schwer geworden, sich ihrem Groove zu entziehen. Neben ihr hätte sogar Robert Plant einpacken können, als sie „Whole lotta love“ von Led Zeppelin anstimmte. „What a beautiful day!“ – „Welch schöner Tag“ – jubelte sie in den Nachthimmel. Was will man mehr?

Bildergalerie

Eine Bildergalerie vom Rollschuhplatz-Open-Air findet man auf www.teckbote.de im Internet.

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