Kirchheimer Umland

In der Bastion knistert‘s wie am Lagerfeuer

Konzert Claas P. Jambor und Paul Coleman in Kombination bedeutet: Akustische Gitarren und jede Menge Spaß.

Claas P. Jambor (links) und Paul Coleman überzeugten mit Musik und Entertainment.Foto: Günter Kahlert
Claas P. Jambor (links) und Paul Coleman überzeugten mit Musik und Entertainment.Foto: Günter Kahlert

Kirchheim. Schubladen sind oft so eine Sache – vor allem musikalische. Das Konzert von Claas P. Jambor und Paul Coleman in der Bastion schien in eine Schublade zu passen: „Christliche Popmusik“, veranstaltet vom evangelischen Jugendwerk im Bezirk Kirchheim. Kommt jetzt Verkündigung, Erweckung oder was? Um es vorweg zu nehmen: Es war ein Abend voller Witz, guter Laune und exzellenter Musik. Aber der Reihe nach.

Kurz zu den Musikern: Claas P. Jambor stammt aus Schleswig, wuchs in Houston auf und arbeitet als Songschreiber und Produzent mittlerweile in Kansas City. Paul Coleman ist gebürtiger Australier und hat eine lange musikalische Vergangenheit hinter sich inklusive eigener Band. Getroffen haben sich die beiden vor gut zwölf Jahren, seitdem spielen sie immer wieder mal zusammen. Das Projekt „Weihnachts-Tour“ ist mittlerweile in der dritten Saison mit dem augenzwinkernden Titel „ St. Paul & Santa Claas“.

Was die beiden auf der Bühne machen, ist im wahrsten Sinne des Wortes Unterhaltung. Die beiden sind ein perfekt eingespieltes Team. Es ist locker, es ist witzig. Vor allem Paul Coleman ist in ständigem Kontakt mit dem Publikum, Refrain mitsingen, mitklatschen – das bitte im richtigen Takt – und Lacher. Schon der Einstieg ins Programm bringt die Bastions-Besucher auf die Seite der beiden Musiker, bevor auch nur der erste Ton gespielt ist. Coleman sagt: „Wir kommen jetzt noch mal rein, ihr klatscht wie wild und ich nehme das Ganze mit meinem Smartphone für Facebook auf. Dann denken alle, wir sind Stars!“

Auf diese Art zieht sich der ganze Abend durch, es ist fast Musik-Comedy. Was die beiden an musikalischer Klasse und tollen Kompositionen zu bieten haben, steht außer Frage. Man muss die Stücke nicht kennen, um sie zu genießen. Paul Coleman sagt dazu: „Musik soll den Menschen Freude bringen. Wir beide sind Freunde, wir verstehen uns, keiner muss dem anderen etwas beweisen und das wollen wir an die Zuhörer weitergeben.“ Claas P. Jambor ergänzt seinen Freund: „Die Menschen kommen für einen Abend zusammen und nehmen sich eine Auszeit vom alltäglichen Stress. Genau das ist unsere Absicht.“ Mission geglückt. Die Stimmung in der Bastion: umwerfend.

Und wie war das noch mal mit den „Christlichen Songschreibern“? Paul Coleman denkt nach und sagt dann: „Jesus hat auch Geschichten erzählt über das ganz normale Leben, sie waren nicht unbedingt immer religiös, hatten aber Tiefe.“ Genau so wollen die beiden ihre christliche Einstellung musikalisch umsetzen. Predigen – nein, das wollen sie nicht. Und so geht es eben um Alltäglichkeiten, aber auch um Jesus und Orientierung.

Am Schluss der Veranstaltung ging ein Hut rum. Wie? Richtig gelesen, mit einem Hut ging der Initiator der Veranstaltung Dietmar „Didi“ Wagner durch die Reihen und sammelte die Gage ein. Der Eintritt ist frei, jeder kann so viel geben, wie er will. „Gegen den Hut spielen“ heißt das Prinzip, das viele Musiker kennen. Logisch ist das kein dauerhaftes Geschäftsmodell und für zwei eher unüblich, „aber wenn die Musiker in der Gegend sind und freie Termine haben, machen die das schon mal“. Passiert natürlich nicht einfach so, Wagner und die Musiker kennen sich schon seit elf Jahren. Aber das ist eine andere Geschichte. „Ilses Stehlampenrock“ heißt jedenfalls das Projekt von Dietmar Wagner, mit dem er ansonsten vorwiegend lokale und regionale Bands fördern möchte.

Zwei akustische Gitarren, zwei geniale Musiker, eine unglaublich positive Stimmung in der Bastion, alles direkt, null Distanz. Da drängt sich ein Bild im Kopf auf. Das ist wie, als würde man um ein Lagerfeuer herumsitzen, nur dass kein Holz knistert.Günter Kahlert

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