Kirchheimer Umland

In der Fischtreppe ist der Wurm drin

Triebwerkskanal Die unendliche Geschichte geht weiter. Bei der Renaturierung der Lauter am Gaulsgumpen in Dettingen gibt es eine weitere Kostensteigerung. Von Iris Häfner

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Triebwerkskanal in Dettingen wird die Lauter nach jahrelangen Anlaufschwierigkeiten nun endli
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Triebwerkskanal in Dettingen wird die Lauter nach jahrelangen Anlaufschwierigkeiten nun endlich ökologisch aufgewertet. Foto: Markus Brändli

Das Gesetz der Serie hat wieder zugeschlagen und ein weiters Mal bestätigt: Ist einmal der Wurm drin, dann taucht er gerne immer wieder auf. Das neueste Kapitel beim Umbau des Fischaufstiegs im Dettinger Triebwerkskanal lautet „Weitere Mehrkosten“, in der Sitzungsvorlage des Gemeinderats mit „Kostenfortschreibung“ überschrieben.

Seit Jahren bemühen sich die Gemeinde Dettingen und die zwei gewerblichen Triebwerksbesitzer um eine ökologische Aufwertung der Lauter in einem Teilabschnitt. Weil sich das Landratsamt Esslingen querstellte, verzögerte sich der Umbau des Fischaufstiegs an der Lauter um Jahre, was für eine enorme Kostensteigerung gesorgt hat. Deshalb erklärte sich die Gemeinde bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen, da sie diese in Ökopunkte ummünzen kann - und damit auch in bares Geld (wir berichteten).

Jetzt kamen Schwachstellen und Fehler im Leistungsverzeichnis der Ausschreibung für das Projekt „Naturnahe Gestaltung der Lauter zwischen dem Naturdenkmal Gaulsgumpen und dem Wehr der Firma Berger und Gottlob Hummel - Los 1“ ans Licht. Der für die Planung verantwortliche Projektleiter hat das Büro Stadt-Land-Fluss verlassen. Diese Lücke kann das Büro nicht füllen, weshalb das Büro Geitz und Partner aus Stuttgart übernahm. So tauchten gleich weitere Probleme auf. Der Vertrag mit dem alten Büro muss gekündigt, ein neuer mit dem anderen geschlossen werden. Die Gemeinde verzichtet darauf, einen Vermögensschaden gegenüber Stadt-Land-Fluss geltend zu machen, weil mit Ökopunkten kompensiert werden kann. Dafür wird der Honorarvertrag einvernehmlich beendet. Gleichzeitig erhält Geitz und Partner den Auftrag für die anstehenden Arbeiten. Das Honorar wird um rund 10 000 Euro höher ausfallen, da die Kosten wegen der „Schwachstellen“ höher werden. Am Ende wird das Honorar zwischen 35 000 und 38 000 Euro liegen.

Die Mehrkosten des Projekts betragen voraussichtlich über 80 000 Euro - und sind auch wieder ökopunkte-fähig. „Durch die Vereinbarung mit Stadt-Land-Fluss ist gewährleistet, dass keine Leistung doppelt von der Gemeinde zu bezahlen ist und dadurch auch kein Schaden für die Gemeinde entsteht“, erklärte Bürgermeister Rainer Haußmann und sagte in Bezug zu den höheren Honorarkosten: „Wegen der Ökopunkte können wir uns schadlos halten.“ Die Triebwerksbetreiber kommen dagegen nicht ungeschoren aus der Sache heraus. Sie müssen zusätzliche Baukosten von knapp 6000 Euro berappen.

Das Planungsbüro Geitz und Partner hat Fehler und Schwachstellen im Vorgänger-Leistungsverzeichnis festgestellt. „Das ist sehr ärgerlich und eine bedauerliche Entwicklung“, sagte Kämmerer Jörg Neubauer. Nicht lange um den heißen Brei herum redete Professor Dr. Christian Küpfer, Büroleiter von Stadt-Land-Fluss: „Die neuerliche Kostensteigerung hängt mit der Massenberechnung zusammen. Ich hätte es gerne anders gehabt. Ich kann mich nur entschuldigen - mehr kann ich nicht sagen.“

In diesem fortgeschrittenen Stadium der Planung alles abzublasen kam für Rainer Haußmann nicht infrage. „Jetzt müssen wir das Projekt endlich ins Ziel bringen. Wir müssen keine Disziplin doppelt bezahlen und kommen finanziell neutral heraus“, sagte er. Die Kostensteigerung ließ Jonas Kenner auch im Blick auf die Triebwerksbetreiber nicht kalt. „Die sind jetzt sicher an der Schmerzgrenze angelangt bei dieser Nachjustierung“, erklärte er. Das konnte Jörg Neubauer bestätigten: „Die haben nicht Hurra geschrien. Aber alle wollen endlich das Projekt zum Abschluss bringen - nach bald zehn Jahren Laufzeit.“ Allen sechs Einzelpunkten dieses umfassenden und wenig erfreulichen Tagesordnungspunktes stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

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