Kirchheimer Umland

In der Krise wird online gelacht

Lachyoga Susanne Klaus hat vor 15 Jahren die Stuttgarter Lachschule gegründet. Ihre Lachyoga-Kurse, die sie auch in Kirchheim anbietet, sind gefragt. Auf Corona reagiert die Lach-Expertin flexibel. Von Katja Eisenhardt

Susanne Klaus macht derzeit ihre Lachyoga-Kurse am Computer.Fotos: pr
Susanne Klaus macht derzeit ihre Lachyoga-Kurse am Computer. Fotos: pr

Es ist Mittwochabend, 18 Uhr. Nach und nach loggen sich die Kursteilnehmer auf der Homepage der Stuttgarter Lachschule in den virtuellen ­Lachyoga-Kurs von Susanne Klaus ein und erscheinen auf dem Bildschirm. Man kennt sich, die Stimmung ist von Anfang an locker. Da kann es auch schon losgehen mit den Atem- und einfachen pantomimischen Bewegungsübungen. Das Lachen wird dazu eingebaut - mal zurückhaltender, mal gesteigert. Zum Schluss wird entspannt. „Wir Lachyoga-Trainer sind keine Clowns, das ist wichtig. Es geht nicht um das durch Humor ausgelöste Lachen, sondern um das gemeinsame Lachen als Übung“, erklärt Susanne Klaus, die zudem auch Yoga-Lehrerin ist. Am Ende der 45 Minuten ist der Effekt da: Der Kopf ist frei, die Stimmung gelöst.

Die Notzingerin bietet ihre Kurse gerade täglich online an, da die regulären Kurse aufgrund von Corona nicht möglich sind. „Gerade in diesen Zeiten hilft Lachyoga den Menschen, nicht in ein Stimmungsloch zu fallen und das Immunsystem zu stärken“, weiß Susanne Klaus. „Ich sehe oft, wie viele Menschen Ängste haben und betrübt sind. Und wie viel Unsicherheit aktuell herrscht.“ Zehn bis 15 Minuten Lachyoga seien fürs Herz-Kreislauf-System ebenso effektiv wie eine halbe Stunde joggen.

Dazu tue es einfach gut, bestätigen die Kursteilnehmer Kathrin Schlecht und Thomas Berger - man könne Alltagsstress und -sorgen einfach mal ausblenden und sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Gerade auch in Zeiten von Corona, die für viele etwas Beängstigendes hätten, sei das umso wichtiger. „Man wird entspann­ter, gelassener“, erzählt Kathrin Schlecht, die normalerweise die Kurse in Stuttgart besucht. Thomas Berger kommt aus Waiblingen und ist seit 2018 mit von der Partie. „Ich bin beruflich sehr eingespannt, da freut man sich richtig auf den Ausgleich. Das ist eine schöne Entspannung.“ Theoretisch könne jeder die Übungen auch allein zu Hause oder im Freien machen, „in der Gruppe ist es aber einfacher und macht mehr Spaß“, so sein Tipp.

Susanne Klaus selbst ist 2004 aus „purer Neugier“ zum Lach­yoga gekommen, wie sie erzählt. Ursprünglich wollte sie Yoga als Ausgleich zum anspruchsvollen und oft stressigen Job anfangen - „um einfach den Kopf zwischendurch wieder freizubekommen“. Die gebürtige Kölnerin arbeitete als Personal- und Finanz-Managerin in einem Unternehmen. „Durch Zufall habe ich in einem Vhs-Heft ­Lachyoga entdeckt und dachte mir: Lachen würde dir auch mal wieder gut tun.“ Anfangs sei sie mit gemischten Gefühlen zum Kurs gegangen, war dann aber schnell mit dem Lachvirus infiziert.

Weil es in der Umgebung kein regelmäßiges Angebot gab, wurde Susanne Klaus selbst aktiv, besuchte einen weiteren Kurs, machte die zweitägige Lachyoga-Ausbildung und gründete schließlich 2005 die Stuttgarter Lachschule. Seit 2011 ist sie hauptberuflich mit dem Thema Lachen und positive Emotionen im Großraum Stuttgart und darüber hinaus unterwegs und bildet auch selbst Lach­yoga-Trainer aus. Mittlerweile sei Lachyoga ein richtiger Trend geworden: „Das ist für jede Altersgruppe geeignet, und der positive Effekt zeigt sich bereits nach kurzer Zeit.“ Kinder täten sich aufgrund ihrer Unbeschwertheit anfangs sicher leichter, „als Erwachsener muss man das wieder lernen“. Ihre Kirchheimer Gruppe trifft sich seit 2017 im Garten der Familien-Bildungsstätte. „Dadurch, dass wir bei jedem Wetter draußen sind, wird gleichzeitig das Immunsystem gestärkt“, sagt Susanne Klaus. Eine halbe Stunde wird jeweils montagvormittags gemeinsam gelacht. „Das ist ein entspannter Start in die Woche.“ In den letzten 15 Jahren hat sie bereits mit über 15 000 Menschen gelacht und dieses gute Gefühl weitergegeben.

 

Weitere Infos gibt es unter www.stuttgarter-lachschule.de

Drei Fragen an Susanne Klaus

Susanne Klaus. Foto: pr
Susanne Klaus. Foto: pr

1. Muss man Lachen wirklich lernen?

Nein, zum Glück nicht. Jeder Mensch kann lachen und liebt es, insbesondere in Zeiten, wenn es uns gut geht. Doch gerade in Zeiten, wenn es uns nicht so gut geht, ist Lachen für Körper, Geist und Seele besonders hilfreich und gesund - gerade jetzt ein sehr aktuelles Thema.

2. Warum ist Lachen so gesund?

Lachen setzt in unserem Gehirn die sogenannten Glückshormone, die Endorphine frei. Und dies geschieht allein schon dadurch, dass wir unsere Mundwinkel und Muskeln im Gesicht bewegen. Zudem stärkt Lachen nachgewiesen das körpereigene Immunsystem und reduziert Stresshormone. Die Atmung wird aktiviert und es kommt zu einer vermehrten Aufnahme von Sauerstoff. Das ganze Herz-Kreislauf-System wird in nur zehn bis 15 Minuten so intensiv trainiert, als würden wir eine halbe Stunde joggen gehen. Das Schmerzempfinden wird gedämpft, denn der Körper schüttet beim Lachen schmerzstillende Stoffe aus. Auch der Blutdruck wird gesenkt und die Selbstheilungskräfte im Körper werden aktiviert. Wir fühlen uns wohl. Zudem ist die starke soziale Komponente des Lachens nicht zu unterschätzen. Lachen und Lächeln verbindet Menschen untereinander. Und das ist für unsere Seele und unser Wohlbefinden ein entscheidender, durchaus überlebenswichtiger Aspekt.

3. Wie oft sollte man am Tag lachen?

Wenn wir täglich zehn bis 15 Minuten am Stück lachen, sind wir für die Herausforderungen bestens gerüs­tet. Um von den gesundheitlichen Vorteilen des Lachyoga zu profitieren, sollte man es einmal in der Woche ausüben. Es gibt inzwischen in vielen Städten Angebote, die man einfach besuchen kann. Man muss sich dabei nicht zu einem Kurs anmelden, sondern nimmt an den Stunden einfach teil.eis

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