Kirchheimer Umland

In der Natur gibt’s kein Hitzefrei

Tierreich Die Wald- und Wiesenbewohner haben clevere Tricks gegen die heißen Temperaturen entwickelt. Arten, die kältere Temperaturen bevorzugen, sind allerdings auf dem Rückzug. Von Katharina Daiss

Der erwachsene Feldhase setzt seine langen Ohren ein, um erfolgreich gegen die heißen Temperaturen anzukämpfen.Symbolfoto
Der erwachsene Feldhase setzt seine langen Ohren ein, um erfolgreich gegen die heißen Temperaturen anzukämpfen. Symbolfoto

Nicht nur den Menschen macht die aktuelle Hitzewelle zu schaffen, auch die Tiere leiden unter den hohen Temperaturen. Die Trockenheit bedeutet Stress für das Wild: „Während der extremen Hitzeperioden magern manche Rehe ab, die Wildschweine haben weniger Nachwuchs, und das Wild ist allgemein anfälliger für blutsaugende Parasiten“, berichtet Gabriele Eichler-Schwab. Die erfahrene Jägerin ist sich der Belastung von lang anhaltenden hohen Temperaturen bewusst, doch sie kennt ihr Wild und weiß: Die Tiere haben zahlreiche Strategien gegen die Hitze auf Lager.

„Wildschweine wälzen sich gerne im Schlamm. Auch Hirsche benutzen die Suhlen“, berichtet Gabriele Eichler-Schwab. Die Schlammpackung kühlt nicht nur an Sommertagen, sondern schützt auch vor Flöhen und Zecken. Die Blutsauger werden einfach zusammen mit dem getrockneten Schlamm an Bäumen abgescheuert.

Völlig anders kämpft der Fuchs gegen die Hitze. Wie sein großer grauer Verwandter, der Wolf, hechelt Reinecke die überschüssige Wärme einfach über seine Zunge ab. Der schlaue Fuchs kennt aber noch andere Wege, um der Hitze zu entgehen. Als Höhlenbewohner verschläft er die heißen Stunden einfach in seinem feuchten, kühlen Bau. „Auch andere Wildtiere, wie Dachse und Kaninchen suchen unterirdische Abkühlung“, erklärt die Kirchheimer Jägerin.

Der Feldhase weiß sich selbst zu helfen. Er lebt auf den Wiesen und Feldern, wo er der Sonne schutzlos ausgesetzt ist. Darum hat er eine besonders ausgeklügelte Technik, um mit der Hitze fertig zu werden. Der ehemalige Steppenbewohner pumpt Blut in seine langen Ohren. Dort wird die Wärme einfach über die dünne Haut abgegeben. Junge Hasen sind jedoch noch nicht mit den langen Löffeln ausgestattet. Um Linderung vor der Hitze zu finden, hecheln sie wie Füchse und speicheln sich ein.

Besonders hart trifft das heiße Wetter die Rehe, die die Flüssigkeit eigentlich über saftige Blätter und Blüten zu sich nehmen. Doch auf den ausgedörrten Grasflächen können sie ihren Flüssigkeitsbedarf nicht decken. Man sollte meinen, dass sie sich wie die anderen Waldbewohner schonen, ihre Aktivitäten auf die kühlen Stunden verlegen und sich unter die schattigen Bäume zurückziehen. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Rehe haben im Juli und August Paarungszeit“, erklärt Gabriele Eichler-Schwab. Trotz großer Hitze zieht der Rehbock auf der Suche nach seiner Angebeteten über die trockenen Wiesen. Die Kraftanstrengung in dieser Zeit ist immens, denn auch Rivalen bekämpft er schonungslos.

In der Zukunft könnte der Kampf gegen die Hitze noch härter werden. Durch die klimatische Veränderung scheinen die heißen Wetterextreme langfristig zuzunehmen. Die Jägerin beobachtet im Wald, dass Suhlen und Bäche immer öfter austrocknen. Darum wird das Wild künftig neue Plätze zum Abkühlen und Trinken finden müssen. Doch wenn sich die Wilddichte an den seltener werdenden Wasserstellen zu sehr erhöht, können Seuchen ausbrechen. Kälteliebende Arten, wie der Tannenhäher, befinden sich bereits auf dem Rückzug. Positiv wirkt sich die warme Sommerzeit hingegen auf den Bestand der Feldhasen aus. Einige Krankheiten, unter denen speziell die Langohren zu leiden haben, werden durch die lang anhaltende UV-Strahlung abgetötet. Außerdem haben die Junghasen bei warmem und trockenem Wetter bessere Überlebenschancen.

Die Jägerinnen und Jäger versuchen, dem Wild die heißen Monate zu erleichtern. Sie legen künstliche Tümpel an, wo die Tiere ihren Durst stillen können. Diese Wasseroasen kommen ebenfalls den Insekten und Vögeln zugute. Auch extra angelegte Blühbrachen spenden Schatten und saftige Nahrung.

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