Kirchheimer Umland

In Ebersbach wird für die Antarktis geprobt

Spezialanfertigung Boris Brodbeck aus Zizishausen montiert spezielle Türen an der Forschungseinrichtung Neumayer-Station III in der Antarktis. Von Daniela Strohmaier

Vor der sicheren Landung in der Antarktis hatte der Flieger von Boris Brodbeck  wetterbedingt mit Turbulenzen zu kämpfen.Fotos;
Vor der sicheren Landung in der Antarktis hatte der Flieger von Boris Brodbeck wetterbedingt mit Turbulenzen zu kämpfen. Fotos; pr

Für Boris Brodbeck war es ein ganz besonderer Auftrag: Für die Forschungseinrichtung Neumayer-Station III in der Antarktis koordinierte er die Montage von zwei speziellen Türenkonstruktionen, die von der Firma Buchele aus Ebersbach entwickelt und gebaut wurden. Dafür reiste er als Projektleiter zusammen mit seinem Team an den südlichsten Punkt der Erde.

Es waren ganz besondere Herausforderungen, die das Vorhaben mit sich brachte, wie Boris Brodbeck erklärt: „Wir wussten, dass vor Ort keine Nacharbeiten möglich sein würden, schließlich kann man in der Antarktis nicht einfach mal schnell in einen Baumarkt gehen und die vergessenen Schrauben besorgen, geschweige denn Spezialwerkzeug beschaffen. Die Vorbereitungen waren also besonders akribisch.“

Die Polarforschungsstation Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts.Fotos: pr
Die Polarforschungsstation Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts. Fotos: pr

Die Sonderkonstruktionen, die für den Einsatz auf dem Dach der Polarstation gebaut wurden, müssen selbst widrigsten Bedingungen, wie einem Orkan mit Windgeschwindigkeiten von über 220 Kilometern pro Stunde und Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius standhalten. Über einen Hydraulikantrieb sind sie selbst bei schwerem Sturm mit Windstärken von fast 100 Kilometern pro Stunde noch zu öffnen.

Boris Brodbeck ist mit dem Fortschritt der Arbeiten auf dem Dach der Station zufrieden. Die Spezialtore halten einer Windlast vo
Boris Brodbeck ist mit dem Fortschritt der Arbeiten auf dem Dach der Station zufrieden. Die Spezialtore halten einer Windlast von bis zu 63 Metern pro Sekunde und Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius stand.

Um gewährleisten zu können, dass die Tore diese hohen Anforderungen erfüllen, wurde in Ebersbach extra ein Nachbau zu Testzwecken hergestellt. Auch die eigentlichen Tore wurden einmal komplett montiert, bevor sie für die Lieferung vorbereitet wurden. „Der Prüfaufwand war hoch, aber notwendig. So konnten wir sicherstellen, dass der Aufbau in der Antarktis reibungslos funktioniert und die Tore ihren Zweck anstandslos erfüllen“, sagt Brodbeck.

Auch persönlich wurden Brodbeck und sein Team ideal auf ihren Aufenthalt in der Antarktis vorbereitet. Das Briefing fand im Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven statt, die Vorträge von Personen gehalten, die selbst schon in der Antarktis gearbeitet und gelebt hatten. „Dabei wurde auch erwähnt, dass Turbulenzen bei der An- und Abreise durchaus möglich sein können“, erinnert sich Boris Brodbeck. Tatsächlich sei bei der Anreise das Wetter dann auch so schlecht gewesen, dass das Team eine Woche in Kapstadt gestrandet ist. „Einmal sind wir sogar losgeflogen, konnten aber aufgrund der Wetterverhältnisse nicht landen und mussten wieder nach Kapstadt zurückkehren.“ Aus einem geplanten Aufenthalt von drei Wochen wurden letztendlich 14 Tage. Das Team sei jedoch so gut vorbereitet und erfahren gewesen, dass sämtliche Arbeiten auch in der verkürzten Zeit ausgeführt werden konnten.

Streng getakteter Ablauf

Trotz des großen Arbeitspensums und eines streng getakteten Tagesablaufs hat Boris Brodbeck während seines Aufenthalts in der Antarktis viel erlebt. „Besonders gefallen hat es mir, die Pinguine zu beobachten, die in einer nahe gelegenen Kolonie lebten - die sind einfach putzig. Die Landschaft ist unglaublich und einmal tobte ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von über 110 Stundenkilometern, da hat man sogar gemerkt, wie sich die ganze Station leicht bewegt“, erzählt der 28-Jährige. „Am meisten beeindruckt haben mich aber die Menschen, die dort überwintern. Die Weite, die Isolation - plötzlich merkt man, wie klein man eigentlich ist.“ Man gehe die Sachen anders an, sei viel entspannter und denke auch zweimal über etwas nach. Das sei etwas, was er persönlich für die Zukunft mitgenommen habe.

Die Neumayer-Station III ist bereits die dritte Forschungseinrichtung in der Antarktis, für die Buchele große Tore geliefert hat. „Zuvor waren wir für die indische Station „Bharati“ und die brasilianische Station „Estação Antártica Comandante Ferraz“ tätig, und wir freuen uns natürlich, dass auch das Alfred-Wegener-Institut, das die Neumayer-Station III betreibt, auf unsere Erfahrung setzt“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Buchele. Weitere Projekte realisierte das Unternehmen in herausfordernden Umgebungen wie Dubai oder in der Nordsee.

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