Kirchheimer Umland

In Gottes Namen

Freie Evangelische Schule Kirchheim geht im September mit sieben Kindern an den Start

Geduld gehört zum Glauben wie das Christkind zur Heiligen Nacht. Nun haben die Mitglieder des Vereins Freie Evangelische Schule Kirchheim lang genug gewartet: Ab September drücken sieben Kindern in der Privatschule die Schulbank.

Die 28-jährige Linda Kirschner wird die Kinder in der neuen  Freien Evangelischen Schule Kirchheim unterrichten.Foto: Jean-Luc J
Die 28-jährige Linda Kirschner wird die Kinder in der neuen Freien Evangelischen Schule Kirchheim unterrichten.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Die erste evangelische Privatschule im Kirchheimer Raum fängt klein an: Eine Lehrerin unterrichtet sieben Erst- und Zweitklässler in einer jahrgangsübergreifenden Klasse. Ein eigenes Gebäude gibt es noch nicht. Das Klassenzimmer ist in den Räumen des CJD Im Doschler untergebracht. Große Sprünge kann der Verein nicht machen. „In den ersten drei Schuljahren müssen wir den Schulbetrieb über Spenden und Schulgeld komplett selbst finanzieren“, sagt Vorstandsmitglied Manuel Wimmer. Erst ab dem vierten Jahr kann der Staat Geld zuschießen.

Die Schüler stammen aus Kirchheim, Dettingen und Weilheim. Ihre Eltern besuchen verschiedene evangelische Gemeinden unterschiedlichster Prägung im Raum Kirchheim – Christusbund, Baptisten, Methodisten, landeskirchliche Gemeinen. „Wir sind eine gemeindeübergreifende Schule“, betont Manuel Wimmer. Deshalb strebt der Trägerverein nicht nur eine Mitgliedschaft beim Verband Evangelischer Bekenntnisschulen an, der den Evangelikalen nähersteht, sondern auch beim Evangelischen Schulwerk der Landeskirche.

Spannend blieb bis zuletzt die „Lehrerfrage“. Die ist mittlerweile gelöst. Linda Kirschner, eine 28 Jahre alte Grund-, Haupt- und Werkrealschullehrerin aus Denkendorf wird die Kinder unterrichten. Für den Verein ist Kirschner ein Glücksgriff: Sie ist bekennende Christin, hat Erfahrung mit jahrgangsübergreifendem Unterricht und ist offen dafür, die Mini-Schule quasi im Alleingang zu schmeißen. Unterstützung erhält sie vom Trägerverein. „Wir haben drei Vereinsmitglieder, die Pädagogen sind“, sagt Vorstandsmitglied Kurt Würthele. Außerdem tausche man sich regelmäßig mit der Freien Evangelischen Schule Esslingen aus.

Grundlage für den Unterricht ist der christliche Glaube. „Fragen des Glaubens können sich in allen Fächern wiederfinden“, heißt es in der Pädagogischen Konzeption. Der Morgen beginnt mit einem Gebet und einem Lied. Bei den Unterrichtsfächern unterscheidet sich die Freie Evangelische Schule nicht von anderen Grundschulen, mit einer Ausnahme: Die Teilnahme am evangelischen Religionsunterricht ist verbindlich. Das gilt für alle Schüler – unabhängig von Konfession und Kirchenzugehörigkeit. Die Freie Evangelische Schule nimmt auch Kinder auf, deren Eltern keine Christen sind. „An der Schule in Esslingen gibt es Schüler, die Muslime sind“, sagt Kurt Würthele. Oft würden muslimische Eltern ihre Kinder bewusst auf christliche Bekenntnisschulen schicken, weil in ihren Augen dort mehr Wertevermittlung stattfinde.

Geht es nach den Vereinsvorständen, soll es nicht bei sieben Schülern bleiben. Im Schuljahr 2016/17 will die Schule eine Klasse 3/4 anbieten. „Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad bekommen wir auch mehr Schüler“, ist Wimmer überzeugt. Wenn der Bedarf da ist, kann er sich vorstellen, irgendwann eine weiterführende Schule zu gründen.

Am 19. September ist Einschulung. Am 12. November wird die Privatschule offiziell eingeweiht.

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