Kirchheimer Umland

In Lindorf haben‘s Käuze gut

Natur Der Steinkauz steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. In Lindorf allerdings gibt es einige Exemplare, die sich durch eine Artenschutzgruppe in der Gegend vermehren sollen. Von Daniela Haußmann

Stefan Würtele (rechts), Jens Polzien (Mitte) und Dieter Schneider machen sich für eine nachhaltige Wiederansiedlung des Steinka
Stefan Würtele (rechts), Jens Polzien (Mitte) und Dieter Schneider machen sich für eine nachhaltige Wiederansiedlung des Steinkauzes in Lindorf stark. Brutröhren sollen helfen, die Bestände der kleinen Eulenart zu stabilisieren und ihre Ausbreitung unterstützen.

Nicht schlecht staunte eine Lindorferin, als ihr Stubentiger vor einigen Wochen mit einer vergleichsweise fetten Beute durch die Katzenklappe huschte. Ein dunkelbraunes, mit weißen Flecken durchbrochenes Gefieder, lange Schwingen, ein kurzer, nach innen gebogener Schnabel und ein Ring mit Kontaktadresse am Bein - kein Zweifel, die Katze hatte etwas ganz Besonderes nach Haus gebracht. Beherzt griff die Lindor­ferin zum Hörer, um die Sache zu melden. Kurz darauf brachte Dieter Schneider Licht ins Dunkel. Auf ihrem Streifzug über die Wiesen hatte die Katze einen Steinkauz erbeutet, wie der Leiter der beim Nabu Köngen-Wendlingen angesiedelten Artenschutzgruppe Steinkauz berichtet.

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„In Deutschland steht die Eulenart mit einem Bestand von etwa 7 000 Exemplaren auf der Roten Liste“, sagt Schneider. Mit rund 4 000 Tieren zählt Nordrhein-Westfalen bundesweit die meisten Steinkäuze. In Baden-Württemberg sind es immerhin 700 bis 800 Stück, von denen 33 Brutpaare in Dettingen, Jesingen, Köngen, Nabern, Notzingen, Oberboihingen, Wendlingen und nun nachweislich auch in Lindorf zu Hause sind. „In dem Gebiet beim Friedhof gibt es schon seit 50 bis 100 Jahren Steinkäuze“, erzählt Ortsvorsteher Stefan Würtele. „Mir, aber auch dem Obst- und Gartenbauverein ist es ein Anliegen, einen Beitrag zur Bestandserholung zu leisten, die im besten Fall dazu führt, dass sich der Steinkauz hier in der Gegend weiter ausbreitet.“

Marder plündern die Nester

Die gerade einmal 23 Zentimeter große Eulenart ist laut Dieter Schneider, der 1976 zusammen mit anderen Engagierten die Artenschutzgruppe ins Leben rief, auf Nisthilfen angewiesen. Normalerweise nistet der Beutegreifer in Naturhöhlen, die er beispielsweise in alten Obstbäumen findet. „Doch hier macht ihm vor allem der Marder zu schaffen, der die Brutnester plündert“, erzählt Schneider. Hinzu kommt, dass wertvolle Brutmöglichkeiten fehlen. Einerseits, weil im Zuge der Flurbereinigung Hochstammbestände gefällt wurden. Andererseits gibt es für bestehende Bestände aufgrund mangelnder Bewirtschaftung kaum Nistplätze. Aus diesem Grund ist der Steinkauz auf Brutröhren angewiesen, die in den Streuobstwiesen aufgehängt werden.

Damit Marder dem Kauz nicht das Leben schwer machen, haben Nisthilfen einen verwinkelten Röhrenzugang. Fotos: Daniela Haußmann
Damit Marder dem Kauz nicht das Leben schwer machen, haben Nisthilfen einen verwinkelten Röhrenzugang. Foto: Daniela Haußmann

Dank der Unterstützung einiger Grundstückseigentümer konnte Jens Polzien Nisthilfen in Lindorf verteilen. „Wer mitmachen möchte, kann sich an uns wenden“, betont das Nabu-Mitglied. „Allerdings müssen die Kästen auf die Oberseite des Astes gesetzt werden, damit die Jungtiere bei ihren Flugübungen nicht auf den Boden fallen.“ Dort sind sie eine leichte Beute. „Nur so können die Todesraten beim Nachwuchs gesenkt werden“, erklärt Dieter Schneider. Darüber hinaus ist die Röhre so konstruiert, dass ein spezieller Aufsatz dafür sorgt, dass ungebetene Gäste nicht ins Innere vordringen.

Insektensterben ist ein Problem

Doch Nisthilfen sind zwangsläufig nur ein Baustein unter vielen, die zur Bestandserholung beitragen. Auch beim Steinkauz zählen Insekten zur Hauptnahrung. „Es wird einmal mehr deutlich, dass das Insektensterben ein enormes Problem darstellt“, sagt Stefan Würtele. „Wer für Strukturvielfalt und unterschiedliche Vegetationshöhen auf der Wiese sorgt, schafft gute Voraussetzungen für ein breites Nahrungsspektrum“, informiert Jens Polzien. Auf bewirtschafteten Flächen findet der Steinkauz Mäuse, Insekten, Regenwürmer und Käfer. Kontraproduktiv sind für Dieter Schneider hohe Grasstände. „Fliegt ein junger Steinkauz bei den ersten Beuteflügen dort hinein, finden ihn die Elterntiere zwischen den dichten, hohen Halmen nicht mehr“, bedauert der Fachmann.

Stefan Würtele jedenfalls ist guter Dinge, dass sich die Steinkäuze von Lindorf weiter ausbreiten. Nicht zuletzt auch, weil die „lokale Landwirtschaft eigentlich keine Spritzmittel einsetzt“. Schließlich gibt die Tatsache, dass ein in Wendlingen beringtes Tier in dem Kirchheimer Teilort heimisch geworden ist, Anlass zur Hoffnung.

Stefan Würtele (rechts), Jens Polzien (Mitte) und Dieter Schneider machen sich für eine nachhaltige Wiederansiedlung des Steinka
Foto: Daniela Haußmann

Den Steinkauz vor dem Aussterben retten

Flurbereinigung, aber auch die Fällung alter Streuobstbestände und das Entfernen von Hecken haben in der Vergangenheit für den Steinkauz wichtige Biotope zerstört. Aus Wiesen wurde Ackerland. Monokulturen mit maximaler Flächennutzung und ohne Ackerrand haben sich ausgebreitet. Wildpflanzen und Tierarten haben ihren Lebensraum verloren, wie die „Artenschutzgruppe Steinkauz“ des Nabu Köngen-Wendlingen mitteilt.

Erst in den Neunzigerjahren gab es wieder genutzte landwirtschaftliche Strukturen und für den Steinkauz notwendige Wiesen. Als die Artenschutzgruppe 1976 ihre Arbeit aufnahm, beschränkte sich das Vorkommen der Eulenart nur noch auf Restbestände. Trotz schwieriger Bedingungen gelang es, das Aussterben des Kauzes in der Gegend zu verhindern.

Wer helfen will, den Bestand zu erhalten, kann unter steinkauzpatenschaft@gmx.de mit dem Nabu in Kontakt treten.dh