Kirchheimer Umland

Intelligent, witzig und manchmal richtig böse

Kabarett Ein Feuerwerk an hintersinnigen Pointen: Thomas Schreckenberger präsentierte in der Bastion sein Programm „Ene, mene, muh – wem traust Du?“. Von Günter Kahlert

Mach mir die Merkel: Die Parodie auf die Bundeskanzlerin gehört zu den Paraderollen von Thomas Schreckenberger.Foto: Günter Kahl
Mach mir die Merkel: Die Parodie auf die Bundeskanzlerin gehört zu den Paraderollen von Thomas Schreckenberger.Foto: Günter Kahlert

Darf der das? Klar, bei Kabarettisten ist diese Frage eher rhetorisch. Aber was Thomas Schreckenberger in der Kirchheimer Bastion an schwarzem Humor und bitterbösen Pointen geboten hat, ist schon ungewöhnlich. Wenn er beispielsweise über niedrige Geburtenraten und den demografischen Wandel spricht. Angespannte Sozialsysteme, aber den Rentnern „kann man auch nicht an den Kragen“. Selbst der Versuch mit kürzeren Grünphasen an Fußgängerampeln funktioniere nicht. Die Rentner sind einfach zu fit. Und wen hat‘s erwischt? Die dicken Kinder! Genau solche Pointen kommen unerwartet, aus der Hüfte. Entsprechend überrascht reagiert das Publikum. Man kann quasi Sekunden zählen, dann endet der Gag in schallendem Gelächter.

Noch so eine Geschichte: Warum hat Donald Trump der Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch nicht die Hand gegeben? Der Grund war wohl ihr Gastgeschenk: eine Fahrt im offenen Cabrio durch Dallas. Auch der Gag braucht ein bisschen, bis er ankommt. Thomas Schreckenberger schiebt noch grinsend nach: „Gut, wenn man sich in Geschichte auskennt. Trump muss das jemand erklärt haben.“

Thomas Schreckenberger auf böse Pointen zu reduzieren, wäre allerdings falsch. Sie sind Teil seines Programms, sorgen immer wieder für Aha-Effekte. Darauf angesprochen lacht er: „Klar mach ich das gerne. Ich möchte einfach auch mal politisch unkorrekt sein.“ Aber der Kabarettist zeigt Politik und Gesellschaft in einer Weise, die jeder nachvollziehen kann. Zu seinen Paradestücken zählen die Politiker-Parodien. Er macht die Rauten-Merkel, den Seehofer, Winfried Kretschmann, den Strauß und den Kohl. Da beweist er auch schauspielerisches Potenzial. Es stimmt alles: Körpersprache, Mimik, Gestik. Vor allem die alternativlose Bundeskanzlerin mit ihrem unemotionalen, fast gleichgültigen Agieren kommt bei ihm richtig gut.

Und dann noch seine Paraderolle: der Geist von Klaus Kinski, der in seiner unflätigen Art in den „Jamaica“-Verhandlungen aus Angela Merkel spricht. Zitat: „Lindner, was glotzt du mich so saublöd an, du Brad Pitt für Apothekersgattinnen.“ Oder im Fall von SPD-Frontfrau Andrea Nahles, „das lebende Gegenstück zur einer Zahnwurzelbehandlung ohne Narkose.“ Herrlich unkorrekt.

Weizen beruhigt jedes Kind

Aber er nimmt sich auch selbst auf die Schippe. Der dreifache Vater ist dafür, dass sich Männer stärker in der Erziehung von Kindern engagieren. Fünf Männer, fünf kleine Kinder und ein Kasten Weizen. Es wird nicht viel geredet, „da kriegt das Thema Stillgruppe eine ganz eigene Bedeutung.“

Der Kabarettist absolviert einen atemberaubenden Parcours zwischen Politik und Alltagsgeschichten. Manchmal fast Comedy, aber immer intelligent und witzig. Er setzt sich auseinander mit vielen gesellschaftlichen Phänomenen. Internet, Banken, Diesel-Skandal und natürlich auch mit dem Thema Kinder und Schule.

Der ehemalige Realschullehrer erzählt amüsant von seiner Frau, die Grundschullehrerin ist. Die Bewertungen der Schüler sind mittlerweile so „weichgespült“ wie etwa: „Das gemeinsame Rechnen im Zahlenraum bis 10 nahm er nur zögerlich an.“ Thomas Schreckenberger sarkastisch: „Früher sagte man einfach nur Depp.“ Pädagogisch eine fragwürdige Aussage, aber genau damit spielt er.

Thomas Schreckenberger, das ist perfektes Kabarett für den Kopf - und fürs Zwerchfell. Es brennt ein mehr als zweistündiges Feuerwerk an hintersinnigen Pointen ab, bei dem man am Schluss nicht sicher ist, ob man wirklich alles mitbekommen hat. Das wäre dann aber nicht das Versäumnis des Kabarettisten. Eines muss man jedenfalls sagen: Er trifft immer ins Schwarze.

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