Kirchheimer Umland

Intelligenter Birnentausch

Verbraucher Seit September dieses Monats ist die Herstellung von Halogenlampen verboten. Wer noch Exemplare zu Hause hat, darf sie aber trotzdem weiterverwenden. Von Daniela Haußmann

Genau wie die Glühbirne wird auch die Halogenlampe aus den Verkaufsregalen verschwinden. Ihre Herstellung ist nämlich seit dem 1. September verboten. Doch was bedeutet das für Verbraucher in Kirchheim und Umgebung? Max Bossler, der in Weilheim ein Elektrogeschäft betreibt, betont, dass nicht die Halogenleuchte an sich und ihre Nutzung verboten wird, sondern nur, die Lampen neu in den Handel zu bringen. „Das heißt: Jeder, der noch Halogenleuchten daheim hat, darf sie auch verwenden“, so der Experte. „Und der Handel darf natürlich seine Restbestände verkaufen.“

Rings um die Teck wird die Halogenlampe also nicht abrupt aus Supermärkten und Fachgeschäften verschwinden. Es wird nur zunehmend schwieriger, ein Exemplar zu finden, wenn daheim eines den Geist aufgibt. Auch wenn Hochvolt-Halogenlampen für normale Netzspannung von 230 Volt laut Max Bossler vom Markt verschwinden, so gibt es doch Ausnahmen vom Verbot.

Es gibt Ausnahmen

„Die Hersteller dürfen weiter Niedervolt-Halogenleuchten für eine Spannung von zwölf Volt produzieren, wenn sie mindestens die Effizienzklasse B aufweisen“, so der Weilheimer Fachmann. „Klare Halogenlampen, die einen R7s- oder G9-Sockel aufweisen, werden in der Effizienzklasse C auch künftig vom Handel vertrieben.“ Denn für diese Leuchtmittel gibt es bisher keine Alternativen.

Als Reaktion auf das Verbot konnte Max Bossler in Weilheim bislang keinen Run auf LEDs und Energiesparlampen feststellen. Das ist dem Elektromeister zufolge auch nicht nötig. Er rät zum intelligenten Austausch. Sprich: Je länger eine Lampe in Betrieb ist, desto eher lohnt sich der Umstieg von Halogen auf LED. „Denn trotz höherer Anschaffungskosten amortisiert sich die LED aufgrund ihres geringeren Stromverbrauchs recht schnell“, gibt der Fachmann zu bedenken. Im Keller oder der Garage, also überall dort, wo das Licht nur kurz brennt, empfiehlt er, die Halogenlampen so lange zu nutzen, bis sie kaputtgehen. „Es dauert hier einfach zu lange, bis sich der Tausch finanziell lohnt“, klärt Max Bossler auf.

Wer die Lichtquelle in seinen heimischen vier Wänden dimmen will, muss ihm zufolge beim Kauf darauf achten, dass die LED diese Funktion tatsächlich aufweist.

„Dimmbare LEDs sind mit rund 13 Euro etwa 30 Prozent teurer als solche, die diese Eigenschaft nicht aufweisen“, verrät Bossler. Doch über Jahrzehnte hinweg war die Glühbirne das Maß aller Dinge. Deswegen wissen die meisten Verbraucher genau, wie hell Glühbirnen mit 40, 60 oder 100 Watt sind. Die Einheit für LED und Energiesparlampen ist aber Lumen. „Ein Watt entspricht ungefähr zehn Lumen“, so der Weilheimer Elektrofachhändler. „60 Watt entsprechen etwa 730 bis 798 Lumen. Das variiert mit dem Hersteller.“

Wichtig ist darüber hinaus die Farbtemperatur. Die wird in Kelvin angegeben. Wer auf eine LED oder Energiesparlampe Wert legt, die das warmweiße Licht einer herkömmlichen Glühbirne erzeugt, sollte zu Exemplaren mit 2 700 bis 3 000 Kelvin greifen. Zudem ist es sinnvoll, sich im Fachhandel zu informieren, ob es für jede Leuchte auch einen LED-Ersatz gibt. In der Regel ist der Umstieg aber laut Bossler kein Problem. Allerdings gibt es bei der Außenbeleuchtung mit Blick auf nachtaktive Insekten das eine oder andere zu beachten. Auch wenn die modernen Leuchtmittel beim Betrieb lange nicht so heiß werden wie Glühlampen, an denen früher Falter und Co. verbrannten, so werden die Tiere dennoch von kaltweißem Licht angezogen. „Brennen die LED-Lampen die ganze Nacht, schaffen es die Insekten erst im Morgengrauen, wegzufliegen“, so Almut Sattelberger vom BUND-Landesverband Baden-Württemberg. „Anstatt auf Nahrungs- und Partnersuche zu gehen, schwirren sie stundenlang us Licht, verbrauchen Energie und werden zur leichten Beute.“

Draußen sparsam nutzen

LEDs mit warmweißer Lichtfarbe reduzieren die Anlockwirkung, wie die BUND-Expertin betont. Zudem sind für den Artenschutz Leuchten, die nach unten strahlen, besser als Kugellampen, die weithin sichtbar sind. „Letztere locken nicht nur Insekten an, sondern können beispielsweise auch den Biorhythmus tagaktiver Vogelarten beeinflussen“, so Sattelberger. „Studien zeigen, dass in Städten die Lichtökologie von der Beleuchtung derart beeinflusst wird, dass Vögel teilweise zu früh brüten.“ Die Folge: Die Jungen gehen ein, weil das Futterangebot zu knapp ist. Die Vogel- und Insektenbestände sind in den letzten Jahren ohnehin stark eingebrochen. „Wer den Tieren etwas Gutes tun will, sollte daher auf solche Punkte achten oder den Abend bei Kerzenschein genießen“, so Almut Sattelberger. „Auch wenn der Betrieb von LED-Leuchten Strom spart, sollten sie draußen sparsam genutzt werden. Gut sind Lampengehäuse, die komplett dicht sind, sodass Insekten nicht ins Innere gelangen können, wo sie dann gefangen sind.“

Foto: Carsten Riedl

„LED ist nicht per se gefährlich“

Kürzlich ist eine französische Studie erschienen, die zum Ergebnis hatte, dass blaues LED-Licht die Netzhaut schädigt. Müssen sich Verbraucher Sorgen machen?

Focke Ziemssen: Dass der hohe Anteil von blauem Licht, das von LED-Lampen ausgeht, die altersbedingte Makuladegeneration fördert, konnte beim Menschen bislang nicht nachgewiesen werden. Blaues Licht ist nicht per se gefährlich, obwohl es aus kurzen und damit hochenergetischen Wellenlänge besteht. Auch Sonnenlicht setzt sich aus unterschiedlichen Frequenzen und einem breiten Farbspektrum zusammen. Das heißt, es enthält nicht nur rote, gelbe und grüne, sondern eben auch blaue Anteile. Die heutigen LEDs enthalten dank modernster Technik ein ähnlich breites Farbspektrum. Bei Lichtquellen mit normalem Beleuchtungsabstand und -dauer muss sich niemand Sorgen um die Gesundheit seiner Augen machen.

Sie sagen, dass blaues Licht nicht pauschal schlecht ist. Welche positiven Effekte hat es denn?

Ziemssen: Untersuchungen in Altersheimen beispielsweise haben gezeigt, dass blau-türkises Licht mit einer Wellenlänge von 460 bis 500 Nanometern die Aufmerksamkeit und Denkfähigkeit steigert. Oft wird etwas einseitig betont, dass die blauen Farbanteile unsere innere Uhr durcheinanderbringen und zu Schlafstörungen führen, weil durch das helle Licht unter anderem die Melatoninproduktion unterbrochen wird. Schlafprobleme können aber durch intensive Beleuchtung in den Abendstunden ausgelöst werden, also auch durch natürliches Licht. Daran wird deutlich, dass man das Thema differenziert betrachten muss. Zudem sehen TÜV-Anforderungen vor, dass der Blauanteil - mit Blick auf den Augenschutz - im Frequenzbereich von 400 bis 500 Nanometern bei den LEDs unter 50 Prozent liegen muss.

Wie sieht das bei Kindern und Jugendlichen aus?

Ziemssen: Kinder und Jugendliche sind tatsächlich speziell sensibel gegenüber blauweißem Licht, das auf die Netzhaut trifft. Der Grund: Ihre Linse ist noch klarer und filtert daher das Licht in diesen Wellenlängen kaum. Eine Rolle spielt hier natürlich die Nutzungsdauer und der Abstand zur Lichtquelle. Der sollte im Übrigen zu Lampen, Smartphone- oder PC-Displays mindestens 40 Zentimeter betragen. Kinder und Jugendliche, die ihr Mobiltelefon oder den PC exzessiv nutzen, haben ein theoretisch höheres Risiko für fotobiologische Auswirkungen. Wichtig ist, dass die Leuchtmittel aus dem Fachhandel stammen. Denn bei Lampen, die Online angeboten werden, besteht die Gefahr, sie aus Übersee kommen und den für den Augenschutz erforderlichen Standards nicht entsprechen.

Info Professor Focke Ziemssen ist Augenmediziner am Uniklinikum Tübingen. Teckboten-Mitarbeiterin Daniela Haußmann hat mit ihm gesprochen.

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