Kirchheimer Umland

Jedem das Seine

Bitte keine Zwangsbeglückung: Natürlich ist es schön, wenn sich alle um einen Tisch versammeln und gemeinsam essen. Aber muss es wirklich immer sein? Jeden Tag und auch noch am ganz frühen Morgen? Wer hat schon wirklich was davon? Da wird doch nur ein romantisch-rührseliges Familien-Idyll gespielt, und sonst nichts.

Ganz klar: Wer gerne früh aufsteht und sich freudig die Zeit nimmt, um ausführlich zu frühstücken, der soll das ruhig machen – am besten jeden Tag und auch sonntags schon um 6 Uhr. Aber er sollte nicht der Meinung sein, dass darin für alle Mitglieder der häuslichen Gemeinschaft das höchste Glück besteht.

Außerdem ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass nur ein gut gefüllter Magen die Grundlage für ordentliche Leistungen in Schule und Beruf darstellt. Im Gegenteil: Schon in der Antike kam der Gedanke auf, dass ein voller Bauch nicht gern studiert.

Auch hier gilt also: Jedem das Seine. Wer sich gerne früh morgens schon richtig satt isst, soll das machen. Aber für andere ist es völlig normal und gar kein Problem, erst um die Mittagszeit den ersten Bissen zu sich zu nehmen. Und auch diese Leute haben ein Anrecht darauf, ihr Leben selbst zu gestalten und nicht schon deshalb als Problemfall zu gelten, nur weil sie nicht frühstücken – weder allein noch gemeinsam.

Also ganz locker: Wer lieber eine Viertelstunde länger schläft, als in dieser Zeit hastig ein Frühstück hinunterzuschlingen, kann trotzdem ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein. Er setzt nur andere Prioritäten. Und er ist weitaus toleranter, der Gegenseite gegenüber. Er würde niemals andere dazu zwingen, auf ihr Frühstück zu verzichten: „Wenn die unbedingt wollen, bitte. Aber ohne mich!“ANDREAS VOLZ

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