Kirchheimer Umland

Jesingens neuer „Cheflobbyist“

Ortschaftsrat wählt Matthias Strähle einstimmig zum neuen Ortsvorsteher im Osten Kirchheims

Jesingen bekommt einen neuen Ortsvorsteher: Der Ortschaftsrat hat sich in öffentlicher Sitzung einstimmig für den 36-jährigen Matthias Strähle aus Hülben entschieden. Er war am Wahlabend der einzige verbliebene Kandidat von ursprünglich einmal acht Bewerbern, die sich um die Nachfolge von Christopher Grampes bemüht hatten.

Reinhold Ambacher (rechts) beglückwünscht Matthias Strähle zur Wahl als neuer hauptamtlicher Ortsvorsteher in Jesingen.Foto: Mar
Reinhold Ambacher (rechts) beglückwünscht Matthias Strähle zur Wahl als neuer hauptamtlicher Ortsvorsteher in Jesingen.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Rund zwei Jahre lang war Christopher Grampes hauptamtlicher Ortsvorsteher, bevor er jetzt zum 1. Oktober eine neue Stelle angetreten hat: in der Verwaltung der Universität Hohenheim. Nun war es also wieder einmal die Aufgabe von Ortschaftsrat Reinhold Ambacher, den Ortsvorsteher als dessen erster ehrenamtlicher Stellvertreter zu ersetzen, bis ein hauptamtlicher Nachfolger von Christoph Grampes ins Amt eingeführt werden kann. Zusammen mit der zweiten ehrenamtlichen Stellvertreterin, Marianne Gmelin, den weiteren Mitgliedern des Ortschaftsrats sowie „den Damen von der Ortschaftsverwaltung“ bilde er inzwischen „ein eingespieltes Ersatzteam“, stellte er zu Beginn des Wahlabends fest. Anschließend zeigte er, wie routiniert ein solches Team eine Ortsvorsteherwahl über die Bühne bringt.

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Der einzige Wermutstropfen für ihn war die Bewerberlage, wie sie sich am Wahlabend in der Jesinger Gemeindehalle darstellte: Acht Bewerbungen seien insgesamt eingegangen. Bei drei dieser Bewerbungen habe allerdings die laufbahnrechtliche Voraussetzung gefehlt. Zwei weitere Bewerber würden ihre Ausbildung erst im Februar abschließen. Somit verblieben noch drei Personen in der engeren Wahl, die sich der Öffentlichkeit hätten vorstellen sollen. „Zwei Bewerberinnen haben inzwischen abgesagt“, teilte Reinhold Ambacher mit und hoffte, dass wenigstens der dritte Bewerber zur Vorstellung und zur Wahl antreten möge.

Diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht: Matthias Strähle aus Römerstein-Böhringen trat an. Er wohnt in Hülben und ist bei der Stadtverwaltung in Laichingen im Amt für Bauwesen, Umweltschutz und Stadtentwicklung tätig. In Kehl hat er Public Management studiert. Praxiseinsätze während der Ausbildung führten ihn in die Abteilung Schule und Bildung des Regierungspräsidiums Karlsruhe, ins Hauptamt einer kleineren Gemeinde im Main-Tauber-Kreis sowie in die Kämmerei der Stadt Erbach.

Ehrenamtlich war Matthias Strähle zehn Jahre lang Mitglied des Ortschaftsrats und Begründer eines Jugendtreffs in Böhringen. Außerdem hat er sich im Partnerschaftskomitee für den Austausch zwischen Römerstein und Saint-Pierre-Montlimart engagiert. Im Bezug auf den Ortschaftsrat sagte er: „Kommunalpolitik liegt mir sehr am Herzen.“

Für die Jesinger möchte er „ein vertrauensvoller Ansprechpartner sein und einen niederschwelligen Kontakt herstellen“. Arbeit am Wochenende hält er für selbstverständlich in der Position eines Ortsvorstehers. In dieser Aufgabe sieht er sich als „Cheflobbyist für den Ortsteil“.

Er ist aber auch pragmatisch und diplomatisch genug veranlagt, um keine utopischen Forderungen zu stellen, die das Budget sprengen würden. Auf die Aussage einer Jesinger Bürgerin, sie wünsche sich keinen „Vermittler“ zwischen Jesingen und Kirchheim, „sondern einen, der für uns kämpft“, stellte er sein diplomatisches Feingefühl gleich unter Beweis: „Natürlich will ich auch für Sie kämpfen – ,vermitteln‘ ist ein mittleres Wort für ,kämpfen‘.“

Einen fertigen Zehn-Punkte-Plan für seine Arbeit in Jesingen habe er zwar noch nicht in der Tasche. Auch mit der Eingliederungsvereinbarung hat er sich noch nicht detailliert auseinandergesetzt. Er denkt aber, dass er als „Allrounder“ vor Ort, gemeinsam mit den Fachkräften in der Verwaltung der Kernstadt, das Bestmögliche für Jesingen bewirken kann. Dabei setzt er auf dem Bausektor zunächst einmal auf die Nachverdichtung. Aber auch Neubauten seien wichtig im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Nach der Vorstellung und einer kurzen Beratung schritten die zehn anwesenden Mitglieder des Ortschaftsrats zur Wahl. Ein genaues Ergebnis des Wahlgangs wurde zwar nicht verkündet. Da aber alle Stimmzettel auf einem einzigen Stapel landeten, ist von einer einstimmigen Wahl auszugehen. Wenn am heutigen Mittwoch der Kirchheimer Gemeinderat ebenfalls zustimmt, steht einem baldigen Umzug Matthias Strähles nach Jesingen nichts mehr im Weg.