Kirchheimer Umland

Junge Flüchtlinge erwünscht

Im Hepsisauer Rathaus könnte eine neue Außenwohngruppe des Michaelshofs entstehen

Die Stadt Weilheim möchte in Kooperation mit dem Michaelshof eine Wohngruppe für junge Flüchtlinge im Hepsisauer Rathaus einrichten – eine Idee, die auch vor Ort gut ankommt. Dem Projekt im Weg stehen jedoch die Förderauflagen des Landes Baden-Württemberg.

Dass ins Hepsisauer Rathaus Flüchtlinge einziehen sollen, steht bereits fest. Neu ist die Idee, in Kooperation mit dem Michaelsh
Dass ins Hepsisauer Rathaus Flüchtlinge einziehen sollen, steht bereits fest. Neu ist die Idee, in Kooperation mit dem Michaelshof im zweiten Obergeschoss eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einzurichten. Allerdings ist fraglich, ob es dafür Zuschüsse vom Land gibt.Foto: Jean-Luc Jacques

Weilheim. Immer mehr Kinder und Jugendliche fliehen ohne ihre Eltern aus Krisengebieten nach Deutschland. „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ werden sie im Amtsjargon genannt. Betreut werden die jungen Flüchtlinge in Jugendhilfeeinrichtungen der Landkreise. Aber die Plätze werden immer knapper – auch im Kreis Esslingen. „Wir benötigen dringend Unterbringungsmöglichkeiten“, sagt Peter Keck, Pressesprecher des Landratsamts in Esslingen. Seit Beginn des Jahres habe sich die Zahl der minderjährigen Asylbewerber auf mittlerweile 62 verdoppelt.

Dass der Druck groß ist, wissen auch Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle und Jens Binder-Frisch, Leiter der Hepsisauer Erziehungshilfeeinrichtung Michaelshof. Gemeinsam haben sie eine neue Idee ins Spiel gebracht: „Wir möchten gerne im Rathaus in Hepsisau eine Außenwohngruppe des Michaelshofs für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einrichten“, sagt Johannes Züfle. Sechs Jugendliche würden dort gemeinsam in einer Wohnung leben. Rund um die Uhr wäre immer eine Fachkraft vor Ort.

Dass im Zuge des anstehenden Rathaus-Umbaus auf zwei Stockwerken mehrere Wohnungen für Flüchtlinge entstehen sollen, ist bereits beschlossene Sache. Bezugsfertig könnten sie etwa in einem Jahr sein. Auch hat der Michaelshof schon beim Landratsamt Interesse bekundet, in die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge einzusteigen. Er wäre dann der vierte Jugendhilfeträger im Kreis, der sich in diesem Bereich engagiert. Nicht zuletzt kommt der neue Vorschlag, eine Wohnung speziell für jugendliche Flüchtlinge einzurichten, in der kleinen Ortschaft gut an: Hepsisaus Ortsvorsteher Hartmut Hummel und der Ortschaftsrat haben in ihrer jüngsten Sitzung viel Wohlwollen für die neuen Pläne signalisiert.

Probleme brauen sich unterdessen an anderer Stelle zusammen. Denn Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle sieht sich seitens des Landes mit Förderauflagen konfrontiert, die die Stadt nicht erfüllen kann – und die aus seiner Sicht auch nicht nachvollziehbar sind. „Damit wir Zuschüsse vom Land bekommen, muss jedes der Zimmer mindestens zehn Quadratmeter groß sein“, sagt er. Das Paradoxe daran: Für stationäre Angebote der Heimerziehung, also auch für Außenwohngruppen, gelten grundsätzlich acht Quadratmeter pro Raum als Mindestmaß. „Das ist die Zahl, die für all unsere Betriebsgenehmigungen gilt“, bestätigt Jens Bilder-Frisch vom Michaelshof. Bislang unterhält die Einrichtung sieben Außenwohngruppen.

Tatsächlich wären die Zimmer in der Wohngruppe für junge Flüchtlinge im zweiten Obergeschoss des Hepsisauer Rathauses sogar größer als das gesetzliche Minimum. „Unseren Grundrissen zufolge hätte jedes Zimmer etwas mehr als neun Quadratmeter“, sagt Johannes Züfle. Zehn Quadratmeter dagegen ließen sich aufgrund der beengten Verhältnissen nicht erreichen, zumal es in dem denkmalgeschützten Gebäude noch allerhand bauliche Auflagen zu beachten gelte.

Das Land jedoch weiche von seinen Vorgaben nicht ab – trotz des massiven Drucks bei der Flüchtlingsaufnahme und dem hohen Bedarf an guten Unterbringungsmöglichkeiten für Minderjährige. „Was ich da erleben darf, ist fern jeder Realität“, ärgert sich Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle darüber, dass das Land den Kommunen auch noch Steine in den Weg lege. „Wir erhoffen uns als Stadt mehr Unterstützung vom Land und von den Behörden.“

Die Hoffnung aufgegeben hat Johannes Züfle aber noch nicht: „Wir wollen nun darum kämpfen, dass die Wohngruppe als Familie anerkannt wird“, sagt er. Dann nämlich würde die Zehn-Quadratmeter-Grenze fallen. Weit hergeholt ist das aus seiner Sicht nicht – im Gegenteil: „Wir sind der Meinung, dass es der pädagogische Ansatz einer Außenwohngruppe ist, Familienersatz zu bieten.“

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