Kirchheimer Umland

Kalk und Wasser sorgen für Ärger

Schnellbahntrasse An der Tunnelbaustelle kommt viel Kalk zum Einsatz, um den verwässerten Erdbrei zu binden. Bei Wind verteilt sich der weiße Feinstaub auf Autos, Straßen und Häuser. Von Iris Häfner

Die schweren Gummiplanen, die von dem Gerüst herabhängen, sollen vermeiden, dass Kalk verweht wird.Fotos: Jean-Luc Jacques
Die schweren Gummiplanen, die von dem Gerüst herabhängen, sollen vermeiden, dass Kalk verweht wird.Fotos: Jean-Luc Jacques

Kaum sind die Tunnelbohrmaschinen an der ICE-Großbaustelle zwischen Kirchheim und Dettingen in Schwung gekommen, bekommt die Bevölkerung die Auswirkungen der Arbeiten zu spüren. Die zahlreichen Lkw, die das Erdmaterial in die umliegenden Steinbrüche transportieren, sind dabei nur ein Part.

Kalk war und ist seit einigen Wochen das Reizwort. Regelrechte Staubwolken nebelten bei dem starken Ostwind den Verkehr auf der Autobahn ein. Auch Dettingen und Kirchheim sind betroffen. Kalk hat bekanntlich die unangenehme Eigenschaft, ätzend zu sein und sich überall festzusetzen, wenn er auf Gegenstände trifft: Dachfenster, Wintergärten, Gartenmöbel, Ziegel und vieles mehr. Auch Gesundheitsschäden können nicht ausgeschlossen werden, sollte Kalk in die Atemwege oder Augen geraten.

Einmal auf dem Autolack angekommen, lässt sich die weiße Substanz nur schwerlich von der Karosserie entfernen. Bei dem starken Wind wurde der Kalk bis ins Dettinger Gewerbegebiet geweht und setzte sich auf den zahlreich geparkten Pkw ab, wie im Gemeinderat thematisiert wurde. Manche Waschanlage war im Dauereinsatz, um die Fahrzeuge von der Verunreinigung zu befreien. Wasser allein reicht jedoch nicht aus, um das aggressive Material zu entfernen. Es bedarf einer chemischen Reinigung. Bürgermeister Rainer Haußmann war überrascht von den Vorfällen, gab aber eine klare Linie vor. „Bei jeden Abbrucharbeiten müssen die Firmen mit Wasser dafür sorgen, dass sich die Staubentwicklung in Grenzen hält. Das gilt natürlich auch für die Tunnelbaufirma“, stellte er klar.

Die hat nach Auskunft eines Bahnsprechers mit ersten Maßnahmen reagiert. Weitere sollen folgen. Als Erstes wurde der Radweg verlegt. Doch der Teil, der sich noch auf der alten Trasse befindet, wird weiterhin verschmutzt. Damit auch das irgendwann der Vergangenheit angehört, soll der Kalk nur noch direkt auf das Förderband aufgebracht werden. Im Moment ist das jedoch noch Zukunftsmusik, die Kirchheimer Anwohner haben weiterhin täglich mit dem weißen Feinstaub zu kämpfen. Der Kalk wird benötigt, um den recht matschigen Gesteinsbrei, der aus den Tunnelröhren kommt, zu binden. „Außerdem wird noch ein Gerüst an der Stelle aufgebaut, wo der Kalk auf das Förderband gebracht wird. Man haust diesen Bereich - relativ am Ende des Förderbands - ein. Es ist eine Art Schutzwand, die außenrum gebaut wird“, erklärt der Bahnsprecher. Zudem soll die Kalkzugabe optimiert und um die Silos ein Windschutz angebracht werden. Dabei handelt es sich um eine Art Plane, die auch entlang des Radwegs zum Einsatz kommt. Laut Aussage der Bahn wurden die Staubschutzbeauftragten von S 21 sind eingeschaltet, um die Lage in Kirchheim beziehungsweise Dettingen unter die Lupe zu nehmen.

Tanklaster bringen Wasser

Damit sich die großen Maschinen durch den Schiefer bohren können, setzen die Ingenieure viel Wasser ein. Dafür bezieht die Baufirma sowohl aus Kirchheim als auch aus Dettingen das Wasser. Das reicht jedoch im Moment nicht aus. An der südlichen Einfahrt zum Wohngebiet Nägelestal, in der Straße Im Hag, stehen seit geraumer Zeit auch an Wochenenden große Tanklastwagen, wie ein Leser beobachtete. Deren Transporte stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Arbeiten zur Schnellbahntrasse: „Im Hag“ zapfen die Fahrer die Wasserleitung an. Ist der Tank voll, geht es zur Tunnelbaustelle. „In Kirchheim-West wird Wasser entnommen und mit einem Lkw nach Kirchheim-Ost gefahren - welch ein Irrsinn“, so der Leser.

„Wir haben gerade einen erhöhten Wasserbedarf. Auf der kompletten Strecke brauchen wir unterschiedlich viel Wasser“, sagt der Bahnsprecher. Das kühle Nass wird zur Konditionierung bei den Arbeiten benötigt. Damit der Erdbrei nicht mit dem Schneidrad verklebt, fügen die Maschinenführer Wasser und Tenside zu. „Am Anfang brauchen wir richtig viel Wasser. Da reicht die weitere Leitung aus Dettingen nicht aus, weshalb wir die Tanklaster einsetzen“, erklärt der Bahnsprecher. 1 000 bis 1 300 Kubikmeter Wasser sind es täglich. 250 Kubikmeter werden pro Tag mit den Lkw angefahren. „Die sind nur am Anfang notwendig. Bis zum Frühsommer dürften sich die Transporte erübrigt haben - das ist eine temporäre Geschichte“, sagt der Bahnsprecher.

Die Ursache dafür liegt in der Geologie. Wie viel Wasser für die Bohrungen gebraucht wird, zeigt sich erst beim Vortrieb. Die Probebohrungen liefern diesbezüglich keine genauen Daten.

Der Stein des Anstoßes ist fein gemahlen: Kalk wird großflächig auf den Erdbrei aus dem Tunnel ausgebracht. Der feine Staub setz
Der Stein des Anstoßes ist fein gemahlen: Kalk wird großflächig auf den Erdbrei aus dem Tunnel ausgebracht. Der feine Staub setzt sich in der Umgebung ab.
Anzeige