Kirchheimer Umland

Kampf den Algen

Tosstec aus Dettingen vertreibt als weltweit erstes Unternehmen Reinigungsgeräte für Schwimmteiche

Schwimmteiche sind die neuen Pools. Wenn nur die lästige Reinigung nicht wäre. Davon kann Torsten Reuß ein Lied singen. Im heimischen Schwimmteich ging er den Algen jahrelang mit allem an den Kragen, was auf dem Markt war. Ohne Erfolg. Nun ist aus der Not eine Geschäftsidee entstanden.

Torsten Reuß mit Familie am heimischen Schwimmteich. Keine Alge stört das Badevergnügen - dem Reiniger sei Dank.Foto: Jean-Luc J
Torsten Reuß mit Familie am heimischen Schwimmteich. Keine Alge stört das Badevergnügen - dem Reiniger sei Dank.Foto: Jean-Luc Jacques

Dettingen. „Schwimmteiche zu reinigen, ist viel schwieriger als Pools“, sagt Torsten Reuß. Das liegt in der Natur der Sache. Beziehungswiese daran, dass Poolwasser eben nicht natürlich ist, sondern gechlort. Ganz anders als Teichwasser. Dort bilden sich Algen. Sedimente lagern sich ab. Zu viel für einen Poolroboter, der höchstens ein paar Haare oder tote Fliegen aus dem Wasser schlürft. „In Schwimmteichen verstopfen die Filter ganz schnell“, sagt Torsten Reuß und ergänzt: „Außerdem saugen Poolroboter nur. Sie schrubben nicht. So bekommt man die Algen nicht ab.“

Wenn‘s nichts gibt, muss man was erfinden, hat sich Torsten Reuß gedacht. Der Ingenieur bringt nun das weltweit erste Reinigungsgerät für Schwimmteiche auf den Markt. Die Schwachstellen herkömmlicher Reiniger hat er im heimischen Schwimmteich lange erforscht. Eine frustrierende Erfahrung. Irgendwann hat er die Reiniger in die Ecke geschmissen und ist mit der Geschäftsidee im Hinterkopf auf Recherchereise gegangen. „Ich habe Endkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht und sie gefragt, welche Probleme sie bei der Reinigung ihrer Teiche haben.“ Das Ergebnis: 99 Prozent erging es wie ihm.

Damit war für Reuß klar: Es gibt einen Markt. Wie groß er ist, wusste er allerdings nicht. Zahlen gibt es keine. „Schwimmteiche sind ein Nischenmarkt, für den es keinen Verband gibt. 60 Prozent der Teiche werden von Landschaftsgärtnern angelegt, 40 Prozent sind von Privatleuten, die sie selbst gebaut haben.“ Reuß schätzt, dass 80 bis 85 Prozent der Schwimmteiche in Deutschland, Österreich und der Schweiz schwappen. International bekannt sind sie noch nicht. Für Reuß der Grund, warum sich bisher kein großer Hersteller die Mühe gemacht hat, ein Reinigungsgerät zu entwickeln. Er ist sich sicher, dass seine Erfindung den Schwimmteichen Auftrieb verleihen wird. „Der einzige Haken war bisher der fehlende Reiniger“, glaubt der Dettinger.

Am heimischen Schwimmteich führt Torsten Reuß das Gerät vor. Der Reiniger, dessen Boden mit Bürsten ausgestattet ist, saugt sich dank patentierter Technologie an der Teichwand fest und lässt sich mithilfe einer Teleskopstange auf und ab steuern. Im Inneren steckt eine weitere Innovation: Eine Bürste sorgt dafür, dass sich der extrem feine Filter nicht zusetzt. Für die Reinigung der Pflanzzone lässt sich das Gerät mit ein paar Handgriffen zu einem Schlammsauer umrüsten.

Gefertigt wird der Reiniger in Dettingen in der Eisenbahnstraße. Die meisten Bauteile sind „made in Germany“. Momentan hat das junge Unternehmen drei Mitarbeiter. Der Chef packt selber noch mit an. Zumindest solange er noch nicht so sehr von Vertriebsaufgaben in Anspruch genommen wird. Das kann sich bald ändern. „Das Interesse ist extrem groß“, sagt Torsten Reuß, der bisher kaum Werbung gemacht hat. „Der Reiniger ist ein Selbstläufer.“ Im Mai hat Tosstec den Gründerpreis Baden-Württemberg gewonnen. Ein Artikel in der FAZ brachte der Firma einen weiteren Bekanntheitsschub. „Am Erscheinungstag hat das Telefon nicht mehr aufgehört, zu klingeln.“

Ab sofort können Kunden das Gerät bestellen. Zunächst ist nur die handgeführte Variante erhältlich. Der Roboter ist momentan im Prototypstadium und wird im Winter fertig sein. Das handgeführte Gerät lässt sich nicht in Eigenregie aufrüsten: Das übernimmt die Firma Tosstec. Der Kunde bezahlt den Aufpreis. Das Gerät ist über den Webshop www.tosstec.de erhältlich. „Meine Hauptvertriebspartner sind aber die Landschaftsgärtner, die die Teiche bauen“, sagt Reuß. Denn die hätten ein Eigeninteresse, den Reiniger zu verkaufen. „Wirklich glücklich wird der Kunde erst, wenn er einen sauberen Teich hat“, sagt Torsten Reuß.

Anzeige