Kirchheimer Umland

Kein oberflächliches Brillieren

11. Kirchheimer Musikpreis: Das Preisträgerkonzert im Bohnauhaus war ein Genuss

Preisträgerkonzert, Kirchheimer Musikpreis, Bohnauhaus,   Lilly linsbauer  harfe
Preisträgerkonzert, Kirchheimer Musikpreis, Bohnauhaus, Lilly linsbauer harfe

Kirchheim. Musik authentisch wiederzugeben, ist eine große Herausforderung. Neben der Beherrschung des eigenen Instruments geht es in

einem ersten Schritt darum, die musikalische Welt des Komponisten zu verstehen und sich auf sie einzulassen. Geschieht dies nicht, bleibt jedes Musizieren an der Oberfläche. Nur wer bereit ist, sich in die Komposition eines anderen Menschen zu vertiefen, kann diese Musik authentisch zum Leben erwecken und den Hörer erreichen.

Beim Preisträgerkonzert des 11.  Kirchheimer Musikpreises, der alle zwei Jahre gemeinsam von der Kirchheimer Musikschule und der Volksbank Kirchheim-Nürtingen ausgerichtet wird und dessen Ziel es ist, Kinder und Jugendliche zum Musizieren anzuregen und musikalische Talente zu erkennen und zu fördern, wurde diesbezüglich Erstaunliches geleistet. Egal, wie alt die Kinder und Jugendlichen waren – jedes Stück war dem Verständnis und Können der jungen Musiker angepasst, nie gab es rein oberflächliches Brillieren. Die hohe eigene Gestaltungskraft der Kinder und Jugendlichen, Experimentierfreude und mentale Offenheit für verschiedene Musikstile auf einer soliden instrumentalen Ausbildung machten dieses Konzert zu einem Genuss. Frisch und sicher eröffnete Joshua Hunter am Klavier das Konzert mit Prokofieffs „Marsch der Heuschrecken“.

Lilly Linsbauer (Harfe) entführte die Zuhörer mit souveränem Spiel in Klänge der Weite, die gleichzeitig durch den Raum schwebten und ihn füllten. Witzig und selbstbewusst folgte „Der Clown“ von Antoni Cofalik, vorgetragen von Eva-Rabea Ihring. Das Werk „Black Earth“ von Fasil Say erfordert vom Pianisten gleich eine mehrfache Auseinandersetzung mit der Entstehungsgeschichte, denn Says Komposition beruht auf einem in der Türkei weit verbreiteten Lied für die türkische Saz-Laute, das von Einsamkeit und Verlust erzählt. Der Pianist imitiert durch Dämpfungseffekte am Klavier zeitweise die Klänge der Saz-Laute; das interessante Werk wurde vom jungen Pianisten Lukas Schilling überzeugend dargeboten. Niklas Kuntz brachte mit dem Stück „Warnung“ von W. A. Mozart das gesamte Publikum zum Schmunzeln und musste doch selbst bei seinem musikalischen Vortrag ernst bleiben – auch dies eine Herausforderung für einen jungen Künstler. „Mädchen haben frisches Blut, und das Naschen schmeckt so gut“ – die sogenannte ernste Musik ist bei Weitem nicht immer nur ernst.

Annika Etzler (Klavier) hatte sich hörbar mit J. S. Bachs Wohltemperiertem Klavier auseinandergesetzt; ihre Präsentation des Präludiums in h‑Moll war einfühlsam und authentisch. Das nächste Stück war „Kalaïs“ von Thorkell Sigurbjörnsson, auf der Flöte geblasen von Tabea Wolff. Der Name Kalaïs kommt aus der griechischen Mythologie, es handelt sich um den Sohn des Boreas, der Personifikation des winterlichen Nordwinds. Tabea Wolff zeigte durch verschiedene Techniken im Stil der japanischen Shakuhatchi-Flöte, dass es sich bei der Querflöte um ein Blasinstrument mit diversen Spielmöglichkeiten handelt. Mit ihrer Freude am experimentellen Musizieren faszinierte die junge Flötistin die Zuhörer.

Es folgte Julian Nürk, der auf der Gitarre „Danza caracteristica“ von Leo Brouwer präsentierte, einen technisch anspruchsvollen, bewegten Tanz, der spanische Klänge ins

Sanft und kernig, energisch und elastisch zugleich

Bohnauhaus brachte. Felix Brauneisen (Violoncello) stellte sich der Herausforderung, Bohuslav Martins „Variations on a theme of Rossini“ aufzuführen. Beindruckend war neben aller technischen Brillanz vor allem sein Ton: sanft und kernig, energisch und elastisch zugleich – ein Genuss. Gemeinsam mit dem Klavierpart gestaltete er Martins Komposition als musikalischen Diskurs auf anspruchsvollem Niveau.

Svenja und Julian Briem hatten im Duo Violine-Violoncello von Antonio Vivaldi das Allegro aus „Il Pastor Fido“ vorbereitet. Schwungvoll und sicher gestalteten sie gemeinsam den musikalischen Dialog. Die Sopranistin Sonnhild Beyer faszinierte mit ihrer wohl ausgebildeten professionellen Stimme. Brillant und souverän gestaltete sie Geminiano Giacomellis „Sposa son disprezzata“.

Zum Abschluss des Konzerts trat Jonathan Weinmann (Saxofon) auf, der die Zuhörer mit einem schwungvoll-charmanten Tango verabschiedete.

Die Kinder und Jugendlichen stellten beim Preisträgerkonzert im Bohnauhaus ihr Können unter Beweis, unter anderen Lilly Linsbaue
Die Kinder und Jugendlichen stellten beim Preisträgerkonzert im Bohnauhaus ihr Können unter Beweis, unter anderen Lilly Linsbauer an der Harfe und Lukas Schilling am Klavier. Foto: Markus Brändli
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