Kirchheimer Umland

Kein Schüler ohne Laptop

Aktion Diakonische Bezirksstelle, Starkes Kirchheim und Stadt Kirchheim wollen bedürftige Schüler von weiterführenden Schulen mit digitalen Geräten ausstatten. Von Andreas Volz

Nicht alle Schüler haben in Corona-Zeiten ausreichend Platz oder gar einen Laptop für den digitalen Unterricht. Foto: Jean-Luc J
Nicht alle Schüler haben in Corona-Zeiten ausreichend Platz oder gar einen Laptop für den digitalen Unterricht. Foto: Jean-Luc Jacques

In Corona-Zeiten läuft der Unterricht fast nur noch digital. Was aber ist mit den Schülern, denen die Geräte dazu fehlen? Ihnen eilt ein Dreierbund zur Hilfe: die Diakonische Bezirksstelle Kirchheim, der Aktionskreis Starkes Kirchheim und die Stadt Kirchheim. Gemeinsam wollen sie dafür sorgen, dass wirklich jedes Kind, das in Kirchheim und Umland eine weiterführende Schule besucht, einen Laptop erhält, um am digitalen Unterricht teilnehmen und die virtuellen Hausaufgaben bearbeiten zu können.

„In diesen Zeiten wird es besonders deutlich, was es heißt, arm zu sein“, sagt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. Wie sehr der Bildungserfolg vom Geldbeutel der Eltern abhänge, zeige sich gerade bei der Digitalisierung. Oft fehle es an adäquaten Endgeräten, am WLAN sowie an einem geeigneten Rückzugsort in der Wohnung.

Zumindest die fehlenden Laptops sollen künftig nicht mehr das Problem sein: „Wir haben ein Projekt aus Esslingen abgekupfert“, räumt Reinhard Eberst ein, der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim. „Aber wenn es irgendwo etwas Gutes gibt, müssen wir es ja nicht komplett neu erfinden.“ Die Idee ist einfach: Gebrauchte Laptops werden grundüberholt und an Bedürftige verteilt. Die Geräte sind vorhanden. Es gibt Firmen, die sich darauf spezialisiert haben. Das Problem wäre also allenfalls die Finanzierung.

240 Euro kostet einer dieser Laptops. Den Großteil der Kosten übernimmt „Starkes Kirchheim“: für Jugendliche, die in Kirchheim wohnen oder auch nur in Kirchheim eine weiterführende Schule besuchen. Für diejenigen, die in Weilheim oder Lenningen auf die Werkrealschule oder auf die Realschule gehen, übernimmt die Diakonische Bezirksstelle die Kosten. Was die Familien als Eigenanteil beisteuern, sind 30 Euro.

„Wichtig ist, dass wir eine Einkommensprüfung machen“, betont Eberhard Haußmann. „Das ist auch gegenüber den Spendern wichtig.“ Die Empfänger müssen nachweisen, dass sie Leistungen wie ALG II, Grundsicherung, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Jugendhilfe beziehen oder dass sie Inhaber des Stadtpasses sind. Die Spender, die Eberhard Haußmann erwähnt, brauchen Diakonie und Starkes Kirchheim gleichermaßen: Jener Löwenanteil, den die beiden Einrichtungen finanzieren, stammt komplett aus Spendengeldern.

Für Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader ist Bildung „die Basis einer prosperierenden Gesellschaft“. Deswegen sei dieses Projekt so wichtig - „auch weil wir jetzt noch gar nicht wissen, wann der Präsenzunterricht, wie wir ihn kennen, wieder stattfinden kann“.

Ähnlich sieht das auch Willi Kamphausen vom Aktionsbündnis Starkes Kirchheim: „Der digitale Unterricht ist durchaus sinnvoll und wird uns auch erhalten bleiben.“ Schade findet er es allerdings, dass hier wieder einmal andere Einrichtungen in Vorleistung gehen müssen - für etwas, was eigentlich Aufgabe des Staats sei.

 

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