Kirchheimer Umland

Keiner muss an Heiligabend alleine bleiben

Neulinge und „alte Hasen" besuchten die Weihnachtsfeier in der Diakonischen Bezirksstelle in Kirchheim

Heiligabend im Kreise der Familie, mit Geschenken unterm geschmückten Weihnachtsbaum, bei Kerzenlicht und leckerem Essen – für viele Mitmenschen bleibt das aus verschiedenen Gründen leider ein Traum. Im Café Eckpunkt gibt es stimmungsvollen Ersatz beim „Heiligen Nachmittag“.

„Frohe Weihnachten“ hieß es im Café Eckpunkt in der Alleenstraße. Seit vielen Jahren kommen hier Menschen allen Alters zusammen
„Frohe Weihnachten“ hieß es im Café Eckpunkt in der Alleenstraße. Seit vielen Jahren kommen hier Menschen allen Alters zusammen um Weihnachten zu feiern. Eliane Wikert aus Wendlingen hilft gerne mit und freut sich über nette Gespräche mit den Besuchern.Fotos: Günter Kahlert

Kirchheim. Auch in diesem Jahr besuchten viele die Cafeteria der Diakonischen Bezirksstelle in der Alleenstraße. Ein prächtig geschmückter Tannenbaum und liebevoll verpackte kleine Geschenke warteten schon auf die Gäste, Weihnachtsgebäck stand auf den festlich gedeckten Tischen und Kaffeeduft wehte durch den Raum.

Anzeige

Der „Heilige Nachmittag“ begann zur frühen Kaffeestunde und rasch waren die 35 Plätze belegt. Eine liebe Gewohnheit für manche schon seit Jahren, andere trauten sich zum ersten Mal hierher. Das Publikum war bunt gemischt: aus unterschiedlichen Nationalitäten, von Jung bis Alt, vom „grauen Wolf“ bis zur Familie mit Kindern. Alle genossen die Gemeinschaft in schönem Ambiente und nahezu alle sangen bei den traditionellen Weihnachtsliedern nach Kräften mit. In diesem Jahr erstmals ohne musikalische Begleitung: „Der Musikant ist uns leider abhanden gekommen“, schmunzelte Eberhard Haußmann, Leiter des Kreisdiakonieverbands, bei seiner Begrüßung.

Auch aus dem Kirchheimer Umland waren Gäste gekommen. So zum Beispiel der 81-Jährige aus Weilheim, dessen Partnerin im vergangenen Jahr gestorben war. Er wollte am Heiligabend nicht alleine zu Hause sitzen und nahm den Bus. In der Tasche trug er seine Spiegelreflexkamera aus den 70er-Jahren. Seine Dias will er bei einem geselligen Nachmittag des Deutschen Roten Kreuzes präsentieren. Zum ersten Mal dabei war auch eine türkische Mitbürgerin, die in Kirchheim alleine lebt und Gesellschaft suchte. Magda Kahlert, eine 83-jährige Kirchheimerin, kam von der Eichendorffstraße her in die Innenstadt, ein wenig mühsam mit ihrem Rollator, aber: „Da bin ich wenigstens unter Leuten.“

Und so war der 24. Dezember für alle eine gesellige Angelegenheit, zum Quatschen und Diskutieren und womöglich die Alltagssorgen mal für ein paar Stunden zu vergessen. Hochwillkommen waren natürlich „Gutsle“, Stollen und Kuchen, die die Kirchheimer Bäckereien Scholderbeck und Kienzle beigesteuert hatten. Ein schönes warmes Festessen gab es zum Schluss der Weihnachtsfeier ebenfalls wieder, ein schmackhaftes Bratengericht samt Vor- und Nachspeise, gestiftet von der Metzgerei Hepperle. Reichlich bemessen, wie jedes Jahr. Insider hatten vorsorglich „ihr Tupperschüssele“ mitgebracht. Das reichte dann noch für einen weiteren Festtagsschmaus.

Ohne ehrenamtliche Unterstützung könnte die Leiterin der Kirchheimer Diakonie, Ingrid Riedl, die Feier nicht in der Form organisieren. „Da geh ich nach dem Aufräumen heute Abend ziemlich k.o. raus und leg mich früh schlafen“, erzählt eine Helferin, die schon zum fünften Mal dabei ist. Sie selbst kehrt auch in eine leere Wohnung zurück, weil ihre vier Kinder in alle Himmelsrichtungen verstreut leben. „Das Wichtigste ist doch die Gesellschaft, dass man halt nicht ganz alleine ist.“ Ein „weihnachtliches Gefühl“ nimmt Eliane Wikert aus Wendlingen mit nach Hause. Sie will „wenigstens einmal im Jahr was Gutes tun“. Wie alle Besucher hatte auch die junge Studentin viel Spaß an diesem bunten Nachmittag im Café Eckpunkt.

Keiner muss an Heiligabend alleine bleiben
Keiner muss an Heiligabend alleine bleiben