Kirchheimer Umland

Kinder besuchen ihr Amtsgericht

Beim Sommerferienprogramm schlüpfen die Kleinen in die Rolle von Richtern und Angeklagten

Kinder zwischen sieben und 13 Jahren haben jüngst dem Kirchheimer Amtsgericht einen Besuch abgestattet. Dort durften sie im Rahmen des Sommerferienprogramms einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Kinder besuchen ihr Amtsgericht
Kinder besuchen ihr Amtsgericht

Kirchheim. „Wo steht eigentlich der Hammer vom Richter?“, fragt ein zwölfjähriges Mädchen und lässt den Blick suchend durch den Gerichtssaal schweifen. An deutschen Gerichten haben die Richter keinen Hammer, das ist in der Realität anders als in den Gerichtsshows im Fernsehen, bekommt das Mädchen zur Antwort und ist sichtlich überrascht. Genau darum geht es der Zeugen- und Prozessbegleitung von „PräventSozial“ (Bewährungshilfeverein Stuttgart), die unter dem Titel „Kinder besuchen ihr Amtsgericht“ ein Sommerferienprogramm veranstaltet.

Die Zeugen- und Prozessbegleitung unterstützt und begleitet Zeugen im Strafverfahren, insbesondere Zeugen mit besonderem Unterstützungsbedarf, wie Betroffene von schweren Gewalt- und Sexualdelikten oder kindliche Zeugen und deren Bezugspersonen. Beim Sommerferienprogramm ist das Ziel ein anderes – Kindern zwischen sieben und 13 Jahren soll ein realistischer Eindruck von der Arbeit eines Gerichts vermittelt werden. Um die Abläufe bei Gericht kindgerecht zu erklären, dürfen die Kinder selbst erleben und entdecken, wer bei Gericht wie arbeitet. Dazu verfolgen sie einen Brief durch das gesamte Gerichtsgebäude: angefangen beim Tag-Nacht-Briefkasten hin zum Wachtmeisterbüro, über die Geschäftsstelle bis zum Richter, an den das Schreiben adressiert ist.

Der fiktive Angeklagte Jochen Müller entschuldigt sich in dem Brief für seine Tat und hofft nach einem begangenen Ladendiebstahl auf ein mildes Urteil. Welche Strafe ihn erwartet, entscheiden die Kinder selbst. Sie spielen in einem Strafgerichtssaal das erfundene Verfahren nach und schlüpfen dabei in die Rolle eines Richters, Schöffen, Staatsanwalts, Verteidigers und Angeklagten. Wie sich ein Angeklagter in der kleinen Zelle im Keller des Amtsgerichts Kirchheim fühlt, erfahren die Kinder ebenfalls. Die Tür fällt ins Schloss, und Wachtmeister Ludl öffnet die schwere Türklappe. „Ich will eine Zigarette“, ruft ein Junge frech aus der Zelle. Alle fangen an zu lachen. „Ihr lacht“, sagt Ludl, „aber Rauchen ist in der Zelle tatsächlich erlaubt. Allerdings nur hier in der Zelle. Es soll helfen, die Nerven der Angeklagten zu beruhigen, die auf ihre Verhandlung warten.“ Neben Wachtmeister Ludl stellt sich auch Dr. Prill, Zivil- und Familienrichter am Amtsgericht Kirchheim, den Fragen der neugierigen jungen Teilnehmer. Prill unterstützt die Kinder auch beim Nachspielen der Gerichtsverhandlung und zeigt den Nachwuchsrichtern, welche Rolle ein Richter in einer Verhandlung hat. „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil . . . “, sagt das Mädchen, das für kurze Zeit in die Rolle der Vorsitzenden Richterin geschlüpft ist. „Der Angeklagte wird für schuldig empfunden und zu 25 Arbeitsstunden verurteilt.“

Die Verhandlung ist beendet, natürlich ohne Hammer – den gibt es ja nur im Fernsehen.pm

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