Kirchheimer Umland

Kirchheim will den „Siebener“

Zahl der Briefwahlanträge in der Teckstadt lässt auf eine hohe Wahlbeteiligung schließen

Die Landtagswahl verspricht Spannung wie noch nie. Mehr Parteien und mehr Kandidaten denn je können auf einen Sitz im Stuttgarter Landesparlament hoffen. Rein rechnerisch sind die kühnsten Koalitionsmöglichkeiten denkbar. Das alles lässt auch eine hohe Wahlbeteiligung erwarten: Für Kirchheim rechnet Wahlamtsleiter Jochen Schilling mit einer Beteiligung von mehr als 70 Prozent.

Noch drei Tage bis zur Landtagswahl. Grüne und CDU stellen allen Umfragen zufolge die beiden stärksten Fraktionen. Für die Regie
Noch drei Tage bis zur Landtagswahl. Grüne und CDU stellen allen Umfragen zufolge die beiden stärksten Fraktionen. Für die Regierungsbildung aber gibt es die unterschiedlichsten Konstellationen. Das macht die Wahl besonders spannend. Entsprechend hoch dürfte die Wahlbeteiligung sein.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Als Wahlleiter für Kirchheim ist Jochen Schilling zu strikter Neutralität verpflichtet. Entsprechend nüchtern und leidenschaftslos interpretiert er die Anzeichen, die eine hohe Wahlbeteiligung erwarten lassen: „Letztes Mal hatten wir 3 200 Briefwähler. Jetzt haben wir aber schon eine Woche vor der Wahl fast 4 000 Briefwahlunterlagen verschickt.“ Das sei einerseits der Tendenz geschuldet, dass immer mehr Wähler von ihrem Recht auf Briefwahl Gebrauch machen. Andererseits lasse es aber darauf schließen, dass sich die Kirchheimer Wähler auch insgesamt stärker für die Landtagswahl interessieren als in den vorangegangenen Legislaturperioden.

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Auch über die Motive, zur Wahl zu gehen, spekuliert Jochen Schilling – aber ebenfalls unter Wahrung der Neutralität: So lasse sich das Wahlergebnis kaum vorhersagen, und deshalb habe manch einer das Gefühl, mit der eigenen Stimme viel beeinflussen zu können. Mehr zumindest als bislang. Nicht zuletzt habe die Landtagswahl 2011 gezeigt, dass selbst ein Regierungswechsel möglich ist. Alles in allem also geht der Wahlleiter davon aus, „dass wir bei der Wahlbeteiligung einen Siebener davor haben“. Sofort aber fügt er hinzu, dass es sich da nicht um eine offizielle Stellungnahme handelt: „Das ist meine ganz persönliche Einschätzung.“

Je nachdem, wie weit die Kirchheimer Wahlbeteiligung über der 70-Prozent-Marke liegt, wäre sogar landesweit mit dem „Siebener davor“ zu rechnen. Bei den vergangenen drei Landtagswahlen seit 2001 lag die Beteiligung in Kirchheim immer um 2,3 bis 3,3 Prozentpunkte über der im Land. Gerade auch der Urnengang 2011 hatte hier eine Trendwende ergeben: Es war die baden-württembergische Landtagswahl mit der bislang höchsten Wahlbeteiligung im 21. Jahrhundert – mit 66,3 Prozent im Land und 68,9 Prozent in Kirchheim.

Die Wahl in Kirchheim dürfte so routiniert wie immer ablaufen. Viele der über 300 ehrenamtlichen Wahlhelfer in 37 Wahlbezirken sind schon seit vielen Jahren mit an Bord. Auch für die Hochrechnungen von ARD und ZDF spielt Kirchheim eine Rolle: Wie schon in den Jahren zuvor gibt es zwei Wahlbezirke, in denen Mitarbeiter der beiden Sender die Wähler nach der Stimmabgabe kurz befragen. Jochen Schilling zufolge haben sich beide Wahlbezirke bislang als durchaus repräsentativ erwiesen.

Bemerkenswerte Veränderungen in Kirchheim gibt es vor allem in Jesingen. Der Wahlamtsleiter hat sich den Neubau des Rathauses rechtzeitig angeschaut und dabei die beiden großen Räume im Erdgeschoss und im Dachgeschoss für wahltauglich befunden. Einen weiteren geeigneten Raum gibt es aber nicht, sodass der dritte Jesinger Wahlbezirk im Reußensteinkindergarten zu finden ist.

Auch dem Trend zur Briefwahl trägt der Kirchheimer Wahlamtsleiter Rechnung. Um das Ergebnis der Auszählung nicht hinauszuzögern, hat er für den 13. März einen fünften Briefwahlbezirk eingerichtet. Jochen Schilling rechnet damit, dass das Ergebnis der Stadt Kirchheim am Wahlabend gegen 20 Uhr vorliegt. Um diese Zielvorgabe erreichen zu können, wird bereits um 15.30 Uhr mit den Vorarbeiten für die Briefwahl begonnen: Die roten Umschläge werden geöffnet, und es wird geprüft, ob die Wahlscheine korrekt ausgefüllt sind. Ist das der Fall, wandern die verschlossenen Umschläge mit den Stimmzetteln zurück in die Urne und werden ab 18 Uhr ausgezählt – genau wie die anderen Stimmzettel in den einzelnen Wahlbezirken auch.