Kirchheimer Umland

Klohäuschen mit Räuchermännchen

Leidenschaft Der Eislinger Roland Schmitt, Künstler und Kunstpädagoge, besitzt mehr als 1000 Miniaturtoiletten. Eine Auswahl seiner umfangreichen Sammlung zeigt er bis Anfang Februar in Ebersbach. Von Manuela Augustesen

Die Ausstellung zeigt eine kleine Abbildung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf dem stillen Örtchen. Der Hersteller
Die Ausstellung zeigt eine kleine Abbildung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf dem stillen Örtchen. Der Hersteller preist die Figur als „perfektes Geschenk“ auf der Verpackung an. Foto: Staufenpress

Der Ausstellungsbeginn „Echt schräg. Toiletten und Badewannen in Miniatur“ im Stadtmuseum „Alte Post“ in Ebersbach wäre fast mit dem Welttoilettentag zusammengefallen. Während dieser kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, obwohl er doch darauf aufmerksam machen soll, dass ein Drittel der Menschen keinen Zugang zu einer ausreichend hygienischen Toilette hat, erheischt Schmitts Ausstellung jede Menge an Interesse.

Roland Schmitt beschäftigt sich seit 40 Jahren mit dem Thema das Selbstverständlichkeit, Luxus oder eben skurrile Sammelleidenschaft sein kann. „Liebe Freunde des Museums, liebe Freunde der Toilette, wie kommt man auf so ein Hobby?“ Schmitt nimmt die Frage in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung gleich vorweg und verspricht gleichzeitig, seine Rede zur Ausstellung im Stadtmuseum von Ebersbach nicht länger zu halten als die tägliche Verweildauer auf der Toilette.

Readymade als Initialzünder

Während seines Kunststudi-ums in den 70er-Jahren entdeckt Schmitt Marcel Duchamp, den Erfinder der sogenannten Readymades. Der französisch-amerikanische Maler und Objekt-Künstler erklärt 1917 die „Fountain“, ein Urinal aus amerikanischer Massenproduktion, zum Kunstwerk. Kunst entstehe aus einem vorgefertigten Produkt durch den Akt der Auswahl, so Duchamp. Die Idee des Readymade ist geboren und löst zur damaligen Zeit einen handfesten Skandal aus. Roland Schmitt ist fasziniert von Duchamps „Fountain“, eine beispiellose Sammelleidenschaft zu einem ungewöhnlichen Thema ist geweckt. Den Anfang macht eine Fotoserie mit 1000 Polaroids zu Toiletten aus aller Welt. Schmitt beginnt intensive Recherchen zur Geschichte der Toilette. In der Landesbibliothek Stuttgart sei er bekannt als Dr. Klo, da er immer auf der Suche nach einschlägiger Publikation sei, verrät Schmitt schmunzelnd.

Mit dem Zeitalter des Internet startet Schmitt dann seine Puppenklosammlung. Auslöser ist ein Jahre zuvor konventionell erworbener Klo-Aschenbecher aus New York. Das Angebot im Netz umfasst aktuell mehrere Hundert Objekte - ein Paradies für Sammler. 2010 präsentiert Schmitt erstmals seine Sammlerstücke der Öffentlichkeit im Badmuseum Hansgrohe in Schiltach. Mittlerweile umfasst die Sammlung mehr als 16 Vitrinen und meterweise Regale voll mit Plumpsklos, Badewannen, Puppenbadestuben und Fachbüchern.

In der Ausstellung in Ebers-bach ist von allem etwas zu sehen: Kurioses in Klo-Form kommt meist aus den USA oder Asien. Mit Funktionen, die vom Telefon, über Aschenbecher, Feuerzeug, Salz- und Pfefferstreuer bis zur Hundetränke reichen. Der „Toilet Donald“ ist noch ganz neu in der Sammlung. Der Lokus kann auch ein Souvenir sein mit Stadtwappen, Schneekugel oder Klohäuschen mit Räuchermännchen aus dem Erzgebirge. Viele Ausstellungsobjekte sind klassisches Spielzeug. Eine seltene und wertvolle Puppenbadestube, das Märklin-Prachtbad, ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Schmitt ist stolz auf die um 1916 aus Blech hergestellte Puppenbadestube der Göppinger Firma Märklin. Auf Blech folgte Holz, später Kunststoff-Playmobil, Lego und selbst Barbies halten Einzug in die Kinderzimmer.

Roland Schmitt ist leidenschaftlicher Sammler. Sein Repertoire an Anekdoten, Fakten und Humorvollem rund um die Toilette ist unerschöpflich. Mit goldener Pissoirbrosche am Revers, Klobrille auf der Nase und selbstgebackenen Lokus-Keksen bringt er seine Passion zum Ausdruck. Und steckt die Besucher an mit seiner Begeisterung, die engagiert mit Hakle-Gedicht und mitgebrachten Sammelobjekten zu einer gelungenen Ausstellungseröffnung beitragen.

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