Kirchheimer Umland

Knapp vier Jahre Haft für einen Messerstich

Stuttgarter Schwurgericht verurteilt 60-jährigen Mann aus Kirchheim

Für drei Jahre und zehn Monate muss ein 60-jähriger Drehmaschinen-Programmierer aus Kirchheim wegen gefährlicher Körperverletzung ins Gefängnis. Der Mann hatte am 10. Mai dieses Jahres einen Nachbarn lebensgefährlich verletzt.

Kirchheim/Stuttgart. Warum es an jenem Abend des 10. Mai dieses Jahres zwischen dem 60-jährigen Angeklagten und seinem 47-jährigen Opfer vor einem Haus in Kirchheim zum Streit kam, konnten die Richter der Ersten Großen Schwurgerichtskammer in drei Verhandlungstagen schließlich klären, nachdem der Angeklagte am ersten Prozesstag dazu nämlich eisern geschwiegen hatte. Danach dann machte er Notwehr geltend, die aber das Gericht jetzt im Urteil nicht anerkannte.

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Der Nachbar hatte, wie die Richter feststellten, an jenem Mai-Abend sein Auto etwas schief in einer Parkbucht vor dem Haus abgestellt, in dem beide Parteien jeweils Eigentumswohnungen besitzen. Dem Angeklagten selbst gehörten zwei Abstellplätze, dem Opfer einer. Als der Angeklagte dann mit seinem Fahrzeug sehr umständlich um das Fahrzeug des Opfers habe rangieren müssen, ärgerte er sich und stellte danach den 47-Jährigen zur Rede.

Dabei kam es zu einer Rangelei, in dessen Verlauf der 60-Jährige sein Schweizer Armeemesser mit sechs Zentimeter langer und spitzer Klinge zog und damit in den Oberbauch des Gegenübers einstach. Das Messer drang fast sechs Zentimeter weit ein und verursachte schwere innere Blutungen. Der Zustand wurde als lebensbedrohlich beschrieben. Nach dem Stich hatte der Angeklagte keine weiteren Anstalten gemacht, auf sein Opfer einzustechen. Daher wich die Schwurgerichtskammer auch vom Vorwurf eines versuchten Totschlags ab und verurteilte den 60-Jährigen nur wegen gefährlicher Körperverletzung. Hierbei hatte der Angeklagte beteuert, dass ihn der 47-Jährige angegriffen hätte. Mit dem Messerstich hatte der Angeklagte seinem Nachbarn wegen dessen angeblichen fehlerhaften Parkens eine Lektion erteilen wollen.

Der Staatsanwalt hatte in dem Verfahren eine vierjährige Haftstrafe beantragt, während der Verteidiger die Notwehrversion seines Mandanten sich zu Eigen machte und auf Freispruch pochte. Doch nun schließen sich laut dem Urteil die Gefängnistore für den 60-jährigen Türken drei Jahre und zehn Monate.