Kirchheimer Umland

Kommen, handeln, profitieren

Business Talk der Agentur für Arbeit liefert Unternehmen Ideen

Business Talk ist eine bundesweite Veranstaltungsreihe. Die Bundesagentur für Arbeit will dadurch auf ungewöhnlichem Wege mit Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Für innovative Ideen, aber auch jede Menge Spaß sorgte die Veranstaltung jetzt bei Recaro Automotive in Kirchheim.

Diskutieren beim Kirchheimer Business Talk vor interessiertem Publikum auf dem Podium: Ministerialdirektor Guido Rebstock, Wilfr
Diskutieren beim Kirchheimer Business Talk vor interessiertem Publikum auf dem Podium: Ministerialdirektor Guido Rebstock, Wilfried Hüntelmann, Chef der Göppinger Agentur für Arbeit, Moderator Karlheinz Beck, Johannes Bauernfeind, Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Neckar-Fils, und Jürgen Knecht, Personalleiter bei Recaro Automotive (von links).Fotos: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist schwer. Wie mache ich also mein Unternehmen fit für die Zukunft? Ganz unter diesem Motto stand der Business Talk. Doch bei so einem ernsten Thema darf ein Fünkchen Spaß nicht fehlen. „Auf los geht‘s los,“ rufen Stefan Graën und Michael Zalejski von der Comedy Company ins Publikum. Ein Unternehmenstheater – wer davon noch nicht gehört hat, verpasst etwas.

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Mit Witz und Charme bringen die beiden ernste Themen auf die Bühne. Erwartungen an den Business Talk sollten zuvor auf Zettel geschrieben werden. In einem Sketch zwischen Pastor und Bräutigam benutzen Graën und Zalejski nun diese Zettel. „Was wollen Sie denn hier, mein Sohn?“, fragt der Pastor. Der Ehemann in spe greift in die Schüssel und zieht ein Stück Papier heraus: „Ich hoffe, mein Besuch lohnt sich.“ Der Verfasser dieses Zettels und der Bräutigam sind sicherlich nicht die Einzigen mit dieser Hoffnung. Ziel der Veranstaltung: Zahlreiche Tipps für ein effizientes Unternehmen für die Zukunft.

„Ich finde diese Veranstaltung sehr spannend“, sagt Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Auch Kirchheim hat sich auf den Weg gemacht, fit für die Zukunft zu werden: „Wir wollen eine Mittelstandsakademie zum Leben erwecken. Unternehmen sollen die Möglichkeit haben, ihre Mitarbeiter weiterzubilden.“ Doch auch die Veränderungen in der Zusammensetzung der Gesellschaft, insbesondere der Altersstruktur, sollten beachtet werden. Laut der Stadtchefin ist dies nur durch nachhaltiges Personalmanagement möglich.

Mit einem Impulsvortrag von Dr. Martin Dietz vom Institut für Arbeits- und Berufsausbildung wird klar: Arbeitskräfte müssen erfolgreich rekrutiert, qualifiziert und an das Unternehmen gebunden werden. Potenzial ist da, doch daran zu gelangen, ist aufwendig.

Wieder heißt es Bühne frei für das Unternehmenstheater. Der Unterhosen-Einzelhändler König ist stolz auf seinen Mitarbeiter Mayer. Leider will Mayer nun den Betrieb verlassen. „Wir beginnen einen Satz, das Publikum muss den Satz dann beenden“, erklärt Michael Zalejski. „Wir wollen Sie in unserem Unternehmen nicht missen, Herr Mayer, deswegen erhalten Sie von uns . . .“ Einige schreien dem Comedian zu: „eine Weiterbildung, mehr Geld und eine bessere Position.“ Das Publikum scheint gut informiert zu sein. Weiterbildungsmöglichkeiten – ein erster Schritt, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.

Fachkundige Diskussionsbeiträge zum Business Talk liefern Guido Rebstock, Ministerialdirektor im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Wilfried Hüntelmann, Chef der Göppinger Agentur für Arbeit, Johannes Bauernfeind, Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Neckar-Fils, und Jürgen Knecht, Personalleiter bei Recaro Automotive. „Herr Rebstock, gibt es finanzielle Unterstützung vom Ministerium für die Unternehmen?“, fragt Moderator Karlheinz Beck. Die gibt es in der Tat, antwortet Guido Rebstock. Indirekte Finanzierung durch die Kammern und die direkte Förderung durch verschiedene Darlehensprogramme und Innovationsgutscheine sollen den Unternehmen unter die Arme greifen.

Auch die Agentur für Arbeit versucht durch Beratung, Vermittlung und Investition die Arbeiter für ein Unternehmen fit zu machen. Denn wie beim Business Talk deutlich wird, ist es für viele Betriebe fast ein Ding der Unmöglichkeit, neue passende Auszubildende zu finden. „Wir wollen, dass die Stelle und der Arbeitssuchende zusammenpassen und somit eine Beschäftigung für einen längeren Zeitraum besteht“, sagt Hüntelmann. Jürgen Knecht ist auch vertraut mit dem Problem, Nachwuchs und Personal zu finden und an das Unternehmen zu binden. Er sieht für die Zukunft eine größere Präsenz auf sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook vor. „So erreichen wir auch die jüngere Generation.“

Gesundheit wird am Arbeitsplatz oft vernachlässigt, doch wer fit für die Zukunft sein will, muss auch fit in Sachen Gesundheit sein. „Wir bei der AOK bieten Gesundheitsaktionen und -kurse an. Wir müssen Menschen fit für das Erwerbsleben machen“, betont Bauernfeind. Knecht vertritt die gleiche Meinung. Die Gesundheit stehe bei Recaro an erster Stellen. Nun sollen Mitarbeiter eine spezielle Ausbildung erhalten, um während des stressigen Arbeitsalltags auf die Haltung, das Essverhalten und das Seelenbefinden der Kollegen zu achten. Betriebliches Gesundheitsmanagement müsse also in einem Unternehmen an erster Stelle stehen.

Anregungen über Anregungen – nun stellt sich für die Unternehmen die Frage: Ist mein Unternehmen fit für die Zukunft? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist nach dem Business Talk genug Zeit. Bei Häppchen und einer Tasse Kaffee haben der Arbeitgeberservice und die Teilnehmer des Business Talks nun ein offenes Ohr für alle Anliegen.

Spannend, amüsant und informativ war diese Veranstaltung der Agentur für Arbeit allemal. Die Befürchtung des anonymen Zettelautors war somit unberechtigt: Der Besuch hat sich gelohnt.

Zahlen, Fakten, Hintergründe

Die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern ist laut Dr. Martin Dietz noch stark an vorherrschende Stereotypen gebunden. Während Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, sind Männer meistens in einem Vollzeitberuf tätig. Diese Stereotypen müssen abgebaut werden, sodass sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen und der Berufseinstieg leichter wird. Circa 15 Prozent, also jeder Siebte im Alter von 64 Jahren, gehen im Jahr 2013 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. In der Zukunft soll das Renteneintrittsalter auf 67 Jahren erhöht werden und Mitarbeiter sollen bis zu ihrer Rente im Betrieb tätig sein. Große Betriebe erweisen sich als besonders aktiv in der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter dank einer strukturierten Personalabteilung. Kontinuierlich weiterbildende Betriebe beteiligen sich jedes Jahr an einer Weiterbildung. Wohingegen sporadisch weiterbildende Betriebe sich zwischen 2007 und 2013 mindestens einmal, aber nicht jedes Jahr, daran beteiligten.ms