Kirchheimer Umland

Kreative Köpfe sind gefragt

Schüler informieren sich bei Schneider Form in Dettingen über Ausbildungsberufe

Im Rahmen der Aktion „BetriebsFerien“ informierten sich Jugendliche über den Beruf des Werkzeugmechanikers im Formenbau.

Erhardt Hiller führt die baldigen Schulabgänger in die Montagehallen. Foto: Thomas Krytzner
Erhardt Hiller führt die baldigen Schulabgänger in die Montagehallen. Foto: Thomas Krytzner

Dettingen. Eine überschaubare Anzahl Jugendlicher nahm die Gelegenheit des Landkreises Esslingen wahr und nahm den Lehrberuf Werkzeugmechaniker Formenbau genauer unter die Lupe. Erhardt Hiller, Leiter der Produktionsplanung bei der Schneider Form GmbH in Dettingen, begrüßte acht Jungs und stellte Firma und Ausbildung vor. Er erklärte den Schulabgängern in spe, was es bedeutet, im Formenbau tätig zu sein: „Es gibt die Spritzgussform, die für Kunststoff verwendet wird, und bei härteren Materialien benötigt es die Druckgussform.“ Er verglich die Werkzeuge, die Schneider Form herstellt, mit einer Gugelhupf-Form. „Da kommt der Teig in die Form, nach einer gewissen Backzeit hat man den fertigen Kuchen; so ist es auch beim Spritzgießen.“ Hiller berichtete, dass die Firma hauptsächlich im Automobilbereich tätig ist und in Europa als einer der größten Formenlieferanten gilt.

In seinem Vortrag über den Werdegang des Werkzeugmachers konnten die Jugendlichen erkennen, dass die Ausbildung knapp vier Jahre dauert und mit den Grundelementen Feilen, Bohren, Drehen und Fräsen beginnt. „Das Feilen sorgt zwar in den ersten Wochen für Blasen – aber da müsst ihr durch“, sagte Hiller. In der ersten Phase der Lehre bleibt der Auszubildende in der Lehrwerkstatt, erst ab dem dritten Lehrjahr geht es dann raus in die verschiedenen Abteilungen.

Erhardt Hiller machte auf die Zwischenprüfung im zweiten Lehrjahr aufmerksam und verdeutlichte: „Diese erste wichtige Hürde zählt zu 40 Prozent in die Lehrabschlussprüfung am Ende der Ausbildung. Es gilt also, diese nicht zu versemmeln.“

Als wichtige Eigenschaften, um die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren, gelten die Kenntnisse der englischen Sprache, Mathematik und ein kreativer Kopf. „Schneider Form ist mit insgesamt 300 Mitarbeitern weltweit kein riesiger Konzern, wir haben dafür ein großes Knowhow, ohne pompös zu sein.“ Voraussetzung für den Lehrbeginn ist die persönliche Vorstellung, am besten mit einem Elternteil. Da es keinen Eignungstest während der Bewerbungsphase gibt, empfiehlt das Unternehmen ein zweiwöchiges Praktikum im Betrieb. „Da sehen wir, ob es passt. Bis jetzt hat noch kein Azubi seine Ausbildung abgebrochen.“ Dann verriet er den Schülern, dass jedes Jahr fünf bis sechs Lehrlinge ausgebildet werden und diese nach Möglichkeit nach erfolgreichem Abschluss auch übernommen werden. „Üblicherweise brauchen wir immer alle, und bis jetzt sind unsere Auszubildenden immer ganz vorne bei den Abschlussarbeiten und freuen sich über die Auszeichnungen.“

Dann führte Hille die Jugendlichen durch den Betrieb. Während des Rundgangs wurde bekannt, dass sowohl administrative Abteilungen, wie Einkauf und Personalabteilung, als auch die verschiedenen Produktionsabteilungen für das Produkt wichtig sind. Besonders beeindruckt zeigten sich die Jungs vom überdimensionalen Spritzgussautomaten, der einen kompletten Stoßfänger für einen Automobilhersteller in einem Vorgang spritzt.

„Der Standort ist ein Vorteil“Nachgefragt

Dr. Louis SchneiderFoto: Krytzner
Dr. Louis SchneiderFoto: Krytzner

Dettingen. Wie hat sich die Ausbildung zum Werkzeugmechaniker im Lauf der Zeit verändert?

DR. LOUIS SCHNEIDER: Die Grundfertigkeiten, die man braucht, sind die gleichen geblieben. Jeder Lehrling lernt am Anfang feilen, bohren, drehen und fräsen. Die größte Veränderung brachte der Einzug der Computertechnik. In der Konstruktion war die Einführung der Software für CAD – Computer Aided Design – eine Revolution. Die maschinelle Bearbeitung der Rohware brachte mehrmals einen 100 Prozent-Sprung in der Produktivität. Dies brachte uns in den letzten 30 Jahren zweistellige Umsatzerhöhungen alle zehn Jahre mit der gleichen Anzahl Mitarbeiter.

Hat sich das Berufsbild des Werkzeugmechanikers verändert?

SCHNEIDER: Ja, früher stand der Mechaniker hauptsächlich am Schraubstock. Geblieben sind quasi nur noch

die komplexen Vorgänge, die noch in Handarbeit verrichtet werden. Zudem ging in der alten, mechanischen Welt alles bedächtiger zu. Heute muss der gelernte Werkzeugmechaniker auch organisieren können. Die Werkzeuge und Programme stehen zur Verfügung. Diese zusammen zu führen obliegt der Kunst des Werkzeugmechanikers.

Wollen die Jugendlichen diesen Beruf noch erlernen?

SCHNEIDER: Ja, die jungen Leute haben ein spezielles Gefühl und die Affinität für die Programmierung der Automaten. Da unsere Azubis immer wieder Preise und Auszeichnungen erhalten, konnten wir bisher die Lehrstellen relativ schnell besetzen. Einziger Wermutstropfen: Wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, wollen sich viele weiterbilden, und wenn da alle nachziehen, fehlen uns auf einmal die Fachkräfte.

Wie wichtig ist Ihnen der Standort an der Teck?

SCHNEIDER: Sehr wichtig. Wir investieren jedes Jahr rund acht Prozent in unsere Produktion in Dettingen. Der Vorteil ist, dass wir im Herzen der süddeutschen Automobilindustrie beheimatet sind. Heute hilft uns die Globalisierung, da Autos mittlerweile an etlichen Standorten weltweit produziert werden. Wir sind aber auch in der Medizinaltechnik, der Infrastruktur und in der Landwirtschaft tätig, damit wir unabhängig bleiben.

Würden Sie Ihren Ausbildungsweg heute nochmal gehen?

SCHNEIDER: Auf jeden Fall. Mit 29 Jahren habe ich die Firma von meinem Vater übernommen. Es war eine freie Entscheidung, jedoch stand ich unter Zeitdruck. So plante ich, fünf Jahre lang zu schauen, ob es passt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam der Erfolg und immer mehr Jahre dazu. Heute habe ich den Vorteil, als Geschäftsführer das zu machen, was mir Freude bereitet, und den Rest kann ich delegieren. Meine damalige Entscheidung habe ich nie bereut.

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