Kirchheimer Umland

Kreis quartiert Störenfriede aus

Für Flüchtlinge, die auffällig geworden sind, werden separate Unterkünfte eingerichtet

Vor allem in großen Flüchtlingsunterkünften kommt es immer wieder zu Streits, die eskalieren. Asylbewerber, die auffällig geworden sind, möchte der Kreis künftig in separaten, kleineren Quartieren unterbringen.

Kreis Esslingen. Die Enge und das Warten, wenig Privatsphäre, eine Vielzahl an Kulturen und schlimme Erinnerungen: Das Leben in Flüchtlingsunterkünften kann enorm belastend sein – besonders wenn es sich in Sport- oder Gewerbehallen abspielt. „Wir haben in großen Unterkünften immer wieder Menschen, denen es immense Schwierigkeiten bereitet, sich in die oft sehr heterogenen Gemeinschaften einzufügen“, sagt Peter Keck, Pressesprecher des Landkreises Esslingen. Außerdem gebe es manchmal auch einfach zwei Streithähne, die es zu trennen gelte. Für solche Störenfriede möchte der Landkreis Esslingen ab Januar nun gesonderte, kleinere Quartiere einrichten. „Ein Standort steht schon fest, weitere sollen noch dazukommen“, so Keck. Der Kreis widme für den Start eine bestehendes Wohnheim um, weitere Immobilien würden gesucht.

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„Uns geht es nicht darum, Straftäter zu sanktionieren“, betont der Pressesprecher. Dafür sei die Justiz zuständig. Vielmehr wolle der Kreis für ein verträgliches Miteinander in den Unterkünften sorgen. Schon jetzt habe die Verwaltung für große Quartiere Sicherheitsdienste beauftragt und stringente Zugangskontrollen angeordnet.

Dennoch kommt es immer wieder zu Eskalationen, wie etwa in Aichtal oder in Ostfildern. So hatte es in Scharnhausen und im Scharnhauser Park in zwei Hallen, die mit Flüchtlingen belegt sind, Messerstechereien und Prügeleien gegeben. Seitens des örtlichen Freundeskreises Asyl waren daraufhin Stimmen laut geworden, die forderten, aggressive Einzelpersonen und Gruppen auszuquartieren. So solle die Sicherheit der restlichen, friedlichen Bewohner gewährleistet werden.

Anlass für die Bündelung auffällig gewordener Flüchtlinge an gesonderten Standorten sei das aber nicht gewesen, so Peter Keck: „Wir reagieren mit der Maßnahme nicht auf die Vorkommnisse in Ostfildern, sondern planen sie schon länger.“

Andrea Kopp, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen, befürwortet das Vorgehen des Landkreises Esslingen: „Wir wirken grundsätzlich darauf hin, Störenfriede aus Unterkünften herauszunehmen, um für Ruhe zu sorgen“, sagt sie. Alles, was diesen Prozess beschleunige, sei zu begrüßen. Ob das Vorgehen gelinge, hänge allerdings sehr von der Ausgestaltung ab – und die liege eben beim Landkreis Esslingen.