Kirchheimer Umland

Künftig gibt‘s keine dicke Luft mehr überm Ort

Sanierung Im Notzinger Backhaus tut sich was: Die beiden Öfen werden komplett neu gebaut und es wird ein Gas-Nachbrenner eingebaut. Von Iris Häfner

Siegfried Glöckler baut die Öfen für das Notzinger Backhaus.Fotos: Jean-Luc Jacques
Foto: Jean-Luc Jacques

Notzingen ohne Backhaus - nicht vorstellbar. Ohne das Backhaus gäbe es keine Dätscher und damit auch nicht das gleichnamige Fest, das alljährlich vom Musikverein Notzingen-Wellingen veranstaltet wird und das viele Menschen in die Bodenbachgemeinde lockt. Damit das auch weiterhin so bleibt, wird das zentrale Innenleben des markanten Häuschens in der Ortsmitte von Grund auf saniert.

„Ka i mol gschwend neigucka?“, fragt ein älterer Herr neugierig und lugt in das Backhaus. Der Eintritt wird ihm gutmütig von Siegfried Glöckler und Zoris Mijic gewährt, ebenso dem Opa mit seinem Enkel. Das Backhaus liegt am Kelterplatz zentral im Flecken, und viele Passanten führt der Weg dort vorbei, die es interessiert, was dort gerade geschafft wird.

Kuschlige Wärme herrscht definitiv nicht im Innern des alten Gebäudes - es ist feucht-kalt im historischen Gemäuer. Für Älbler aber kein Problem, die stecken die Temperaturen im Tal locker weg, erst recht mit einer wärmenden Wollmütze auf dem Kopf. Siegfried Glöckler ist Ofenbauer bei der Firma Norbert Arnold in Hayingen, an diesem Tag wird er von seinem Kollegen Zoris Mijic unterstützt.

Auf Halbhöhe des Backhauses ist Siegfried Glöckler bei der Arbeit. Wer zu ihm gelangen will, der muss zuerst die Stiege mit ihren recht schmalen Stufen erklimmen und dann den Kopf einziehen. Beengte Verhältnisse herrschen hier heroben. „Wir haben zuerst das alte Gewölbe der beiden Öfen komplett rausgenommen, samt dem Boden - und dann festgestellt, dass kein Fundament da ist“, erklärt er. Alles war im wahrsten Sinn des Wortes auf Sand gebaut, auf den einstmals Backsteine draufgesetzt wurden. Früher war das durchaus die übliche Vorgehensweise. „Es reißt halt alles“, sagt der Handwerker lapidar zu den zwangsläufigen Folgen. Damit künftig alles stabil zusammenhält, haben die beiden das Fundament mit Stahlträgern betoniert und darauf den Ofen aufgesetzt. Ganz ohne Sand geht‘s jedoch auch weiterhin nicht. „Unter dem Boden, wo gebacken wird, gibt es eine Sandschicht, damit die Steine schaffen können“, erklärt er.

Damit das Gewölbe die richtige Form bekommt, haben die Ofensetzer eine Schablone aus Holz eingebaut. Zunächst mauerten sie aber die Seitenwände. Von Widerlagersteinen und Keilsteinen ist dann die Rede, damit die Gewölbe der beiden Öfen nicht einfallen. Zoris Mijic steht an der Steinsäge und liefert maßgeschneidert die Einzelteile. Das Gerät macht einen Höllenlärm, hat eine wassergefüllte Wanne und hält damit die Staubentwicklung in Grenzen. Ist der Ofen fertig gemauert, kommen auf die Züge zwei bis drei Tonnen Sand zwecks Isolierung drauf. Es ist der, den die beiden vor dem Beginn ihrer Arbeit aus dem Backhaus rausgeschaufelt haben.

Die nächsten 15 bis 20 Jahre soll die Arbeit der beiden bis zur nächsten Renovierung halten. „Es kommt drauf an, wie man die Öfen behandelt. Patschnasse Lappen sind Gift für sie“, sagt Siegfried Glöckler. Zum Auswischen des Bodens sollte das Tuch daher möglichst nur feucht sein, um die Lebensdauer der Schamottsteine nicht unnötig zu verkürzen. 800 bis 900 Grad halten sie locker aus, die braucht es jedoch zum Brotbacken nicht. „Die Temperatur sollte langsam ins Brot rein“, sagen die Profis, die das Bauernbrot aus dem Holzofen sehr schätzen, insbesondere wenn es von Muttern gebacken wurde. Sie haben noch einen Tipp: „Schnelle Hitze, wie es sie mit dünnem Holz gibt, ist nicht gut - beständige Hitze mit Meterholz ist viel besser.“

Und dann kommen die Ofenbauer auf eine Neuerung zu sprechen, die vor allem die direkten Nachbarn sehr erfreut: Es wird ein Gas-Nachbrenner eingebaut. „Der verbrennt komplett alles, was brennbar ist“, versprechen sie. Ist beim Einheizen des Ofens zu wenig Luft im System vorhanden, wird ordentlich Feinstaub in Form von braunen Rauchschwaden freigesetzt. „Holz entgast und Gase brennen“, verdeutlicht Zoris Mijic den Vorgang. Der Gas-Nachbrenner „sitzt“ zwischen Ofen und Kamin und verbrennt quasi den Rauch noch einmal - und so werden künftig keine Rauchwolken mehr den Himmel über Notzingen verdunkeln.

Siegfried Glöckler baut die Öfen für das Notzinger Backhaus.Fotos: Jean-Luc Jacques
Siegfried Glöckler baut die Öfen für das Notzinger Backhaus.Fotos: Jean-Luc Jacques
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