Kirchheimer Umland

Kunst ist Vielfalt und kennt keine Grenzen

Ausstellung Künstlerclub aus Kirchheims ungarischer Partnerstadt Kalocsa stellt im Kornhaus aus. Die Vernissage ist geprägt durch politische Botschaften und ein klares Bekenntnis zu Europa. Von Brigitte Gerstenberger

Die vielfältigen Werke der Kunstschaffenden aus Kalocsa sind derzeit im Kirchheimer Kornhaus zu sehen. Fotos: Markus Brändli
Die vielfältigen Werke der Kunstschaffenden aus Kalocsa sind derzeit im Kirchheimer Kornhaus zu sehen. Fotos: Markus Brändli

Auf die Einigkeit im europäischen Haus verweisen Politiker dieser Tage gerne und unablässig, wohl wissend, dass es um den Gleichklang der Staatengemeinschaft nicht zum Besten steht. Umso wichtiger sind in diesen unruhigen europäischen Zeiten gelebte Städtepartnerschaften. So war es auch für Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker anlässlich der Ausstellungseröffnung eine Herzensangelegenheit, auf die 60-jährige Wertegemeinschaft der Europäischen Union und den intensiven kulturellen Austausch hinzuweisen: „Kunst ist Vielfalt und tut gut, so wie Europa Vielfalt gut tut. Denn Kunst ist international und kennt keine Grenzen. Europa kennt keine Grenzen. Eine Tatsache, an die wir uns in aller Selbstverständlichkeit gewöhnt haben, unsere Jugend hat nichts anderes erlebt.“

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Kirchheim und Kalocsa, eine seit 27 Jahren in freundschaftlicher Verbundenheit gepflegte Partnerschaft, die durch die ausgestellten Kunstobjekte einen weiteren Höhepunkt erfährt, insbesondere auch durch die persönliche Begleitung von Bürgermeister Jòzsef Bàlint. Eine solchermaßen innige Beziehung zweier Gemeinwesen ermöglicht es auch, dass unter Freunden kritische Töne durchaus möglich sein können. Denn einen „Seitenhieb“ auf die Flüchtlingspolitik in Ungarn konnte und wollte sich Matt-Heidecker nicht verkneifen. „Meinungsfreiheit, Demokratie, Friedens- und Menschenrechte sowie die Rechtsstaatlichkeit gegenüber jedem Mann und jeder Frau begründen die Werte der Europäischen Union“. Die aktuell beschlossene Kasernierung der Flüchtlinge in Ungarn sei mit diesen Werten nicht zu vereinbaren.

Ein Ministerpräsident wie Viktor Orbán, der für Abschottung und Ausgrenzen steht und jüngst gegen die „unheilige Allianz“ aus Brüsseler Bürokraten, liberalen Medien, die in seinen Augen die Souveränität der Nationalstaaten gefährdet, wetterte, ist auch für Bürgermeister Jòzsef Bàlint ein Problem. „Es ist für mich schwer zu ertragen, was in Ungarn geschieht, ich stehe immer an der Seite von Europa. Die Menschen in Kalocsa und viele Menschen in Ungarn stehen zu Europa, sie sehen es anders wie die Regierung.“ Vor diesem Hintergrund sind für Jòzsef Bàlint die Städte die eigentlichen Erbauer eines integrierten Europas. Denn durch ihre grenzenlose Kooperation tragen sie besonders zur Stärkung des europäischen Bewusstseins bei. Die Ausstellung spiegelt aus seiner Sicht die Freundschaft beider Städte wider.

„Das Material unserer Ausstellung ist bunt, so bunt, wie die Kalocsaer Blumen. Künstler, Kunstlehrer, Amateure und naive Künstler möchten Ihnen vorstellen, womit sie sich beschäftigen,“ sagt Kunstlehrer, Maler und Grafiker Istvàn Kiss, der zusammen mit anderen Künstlern vor zwei Jahren den zeitgenössischen Künstlerclub in Kalocsa gründete.

51 Gemälde, zehn Statuen, 21 Fotografien und drei Töpferwerke. Wir stellen diese Arbeiten von ganzem Herzen vor. Kunst ist Vielfalt und kennt keine Grenzen, die ausgestellten Kunstwerke reflektieren dies in mannigfaltiger Weise. Moderne Malerei in Öl oder der Volkskunst nahe stehende naive Bilder von Land und Leuten aus vergangener Zeit. Li­noldrucke und Tuschezeichnungen die faszinieren und bewegen. Eine Vielzahl an Themen und Techniken die begeistern. Joachim Brüser vom Kirchheimer Kulturamt fasste es treffend zusammen: „Kalocsa ist viel mehr als nur Paprika“.

Federführend wurde die Ausstellung von Ursula Raven und Johannes Nagel organisiert, beide sind seit vielen Jahren auch für die Städtepartnerschaft mit Kalocsa aktiv.

Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 23. April, im Kirchheimer Kornhaus zu sehen.

Vernissage der Ausstellung "Kunst aus Kalocsa" im Kornhaus am 2. April 2017, es kommen die OBin, auch der OB von Kolacsa und ach
Vernissage der Ausstellung "Kunst aus Kalocsa" im Kornhaus am 2. April 2017, es kommen die OBin, auch der OB von Kolacsa und acht Künstler