Kirchheimer Umland

Läden sind ein Stück KulturKommentar

Die digitale Revolution verändert fast alles, was jahrhundertelang gültig zu sein schien. Sie verändert auch das Einkaufsverhalten – in weitaus stärkerem Maß als alle Versandhäuser mit ihren einst tausend Seiten starken Katalogen. Das Prinzip ist immer noch dasselbe wie beim Versandhauskatalog, aber es geht eben viel schneller und einfacher: Produktbeschreibung samt Empfehlungen von Kunden lassen sich überall im Internet finden. Ein paar Klicks weiter, und schon hat man sich Schuhe, Hosen, eine warme Jacke für den kommenden Winter oder was auch immer bestellt.

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Und wenn man das Produkt vor der Bestellung einmal in die Hand nehmen will – ja, dann gibt es ja bestimmt in der Stadt einen Laden, in dem es vorrätig ist. Gekauft wird aber trotzdem im Internet, weil es bequem er ist, und dazu noch ein paar Cent billiger. So oder so ähnlich denken immer mehr Kunden. Und aus ihrer persönlichen Sicht heraus mögen sie sogar recht haben.

Aber: Eine attraktive und belebte Innenstadt besteht tatsächlich aus mehr als Wohn- oder Bürogebäuden. Dazu gehören Wirtschaften, Cafés – und Läden. Und diese Läden müssen überleben können. Das geht nur durch entsprechenden Umsatz. Das vielbeklagte Ladensterben hat immer mehrere Ursachen. Natürlich gehören hohe Mieten dazu, ungeklärte Nachfolgefragen oder auch unattraktive Arbeitszeiten im Vergleich zu anderen Branchen. Aber es gehört auch die ausbleibende Kundschaft dazu – nicht zuletzt die Kundschaft, die ausbleibt, weil sie wegen ein paar Cent oder Euro und wegen der Lieferung frei Haus lieber digital einkauft.

Das Shoppen im Internet wird sich nicht mehr aus der Welt schaffen lassen. Es wird auch eher zu- als abnehmen. Aber jeder Kunde sollte sich bewusst machen, dass er mit einem Einkauf im Laden auch ein Stück Kultur vor Ort erhält.ANDREAS VOLZ