Kirchheimer Umland

Landrat will mehr Geld für die Klinik

Gesundheit Das Land Baden Württemberg schießt dem Landkreis 28,5 Millionen Euro zu. Angesichts steigender Kosten mahnte Landrat Eininger an, für eine auskömmliche Finanzierungshilfe zu sorgen. Von Harald Flößer

Sechs Patienten aus zwei Drei-Bett-Zimmern teilen sich eine Nasszelle. Statt einer zentralen Einheit gibt es im Haus zwei OP-Bereiche. Die Nuklearmedizin ist gleich auf drei Etagen verstreut. Die baulichen Strukturen in der Medius-Klinik in Ruit, die im Kern noch die Substanz von 1969 hat, genügen längst nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Krankenhaus. Deswegen hat sich der Landkreis Esslingen als Betreiber schon vor Jahren zu einer Groß-Operation entschieden. Bis zum Jahr 2025 sollen nicht nur zwei neue Bettenhäuser mit modernen Stationen entstehen. Um die Abläufe in der 300-Betten-Klinik zu verbessern und verstärkt Synergien zu nutzen, will man auch das Funktionsgebäude rundum sanieren. Insgesamt sind in zwei Bauabschnitten Investitionen von 112 Millionen Euro geplant.

Um das Vorhaben bei laufendem Betrieb realisieren zu können, wird zunächst ein Interimsbau errichtet, für den der Kreistag am gestrigen Donnerstag die offizielle Baufreigabe erteilt hat. Finanzielle Grundlage für diesen Beschluss ist ein Förderbescheid, den Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha am Mittwoch in Form eines übergroßen Schecks persönlich in der Ruiter Klinik überbrachte. Mit 28,5 Millionen Euro unterstützt das Land den ersten Bauabschnitt, der auf zunächst 56,8 Millionen Euro veranschlagt war, jetzt aber rund 70 Millionen Euro kosten wird. Landrat Heinz Eininger schob seinem Dank an den Gast aus der Landeshauptstadt gleich noch eine „dringende Bitte“ und kritische Äußerungen zur Krankenhausfinanzierung nach: Mit der bisherigen Förderung sei man alles andere als zufrieden. Das Land müsse seiner Pflicht nachkommen und für eine auskömmliche Finanzierungshilfe sorgen, zumal angesichts der wegen der anhaltend guten Baukonjunktur zu erwartenden Kostensteigerung. Fachleute rechneten derzeit im Hochbau mit Mehrkosten von 0,5 Prozent pro Monat, so Eininger.

Landkreis ist gut aufgestellt

Ziel der Landesregierung sei, „dass alle Menschen in Baden-Württemberg auch in Zukunft die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten“, sagte Minister Lucha. Dafür brauche es moderne und zeitgemäße Strukturen. Mit der Konzentration auf die drei Standorte Kirchheim, Nürtingen und Ostfildern habe der Landkreis bereits vor Jahren die „notwendige Anpassung“ geschaffen und sei heute „gut aufgestellt“. Das Vorhaben in Ruit sei notwendig, damit sich Patienten schneller zurechtfinden, die hausinternen Prozesse effektiver laufen und das Fachpersonal noch besser zusammenarbeiten könne.

Lucha betonte, dass die Krankenhäuser im Land dieses Jahr Investitionsmittel von 450 Millionen Euro erhielten, so viel wie noch nie zuvor. In keinem anderen Bundesland sei die Förderung so gut. Dazu trage auch der Strukturfonds des Bundes bei, der zur Hälfte mit Landesmitteln finanziert werde. Im Nachtragshaushalt des Landes plane man zusätzlich zehn Millionen Euro für die Digitalisierung der Krankenhäuser ein. Außerdem schaffe man 150 weitere Medizin-Studienplätze.

Landrat Heinz Eininger zeigte sich dankbar für das Fördergeld des Landes. Für den Landkreis als Kostenträger sei es „ein entscheidendes Signal“, denn der Zuschuss ebene den Weg für das dringend notwendige Großprojekt. Landkreis und Land sicherten damit den festen Platz des Ruiter Krankenhauses in der Kliniklandschaft. Eininger gab dem Minister aber auch eine „verschärfte Bitte“ mit auf den Weg. Die im Gesetz verankerte 1:1-Finanzierung - das Land kommt für die Investitionen auf, der Landkreis als Kostenträger für den Betrieb - sei „weitestgehend passé“, kritisierte er. Gemessen an den eingereichten Baukosten für den ersten Abschnitt von 56,8 Millionen Euro trage das Land etwas mehr als die Hälfte. Nach heutigem Stand belaufen sich die Kosten allerdings auf knapp 70 Millionen Euro, was für den Landkreis einen Eigenanteil von 41,5 Millionen Euro bedeute.

Zwischenlösung hat 128 Betten

Nach Ansicht Einingers müssten wie in anderen Ländern bei der Förderung die Baukostensteigerungen mitberücksichtigt werden. Deshalb müsse es einen Nachschlag geben. Dank der guten Wirtschaftslage der Medius-Kliniken könne der Landkreis die hohe Belastung tragen. Seit 2013 schreibe man dank eines harten und klaren Kurses schwarze Zahlen. So eine Situation treffe man nicht einmal bei fünf Krankenhaus-Trägern im Land an, so Eininger. Darauf könne man stolz sein. Mit der Reduzierung von fünf auf drei Krankenhaus-Standorte habe der Landkreis seine Hausaufgaben gemacht.

Die Vorarbeiten für den Interimsbau neben der Zufahrt zur Tiefgarage haben bereits begonnen. In Modulbauweise wird in den nächsten Monaten ein Übergangsgebäude errichtet, das zunächst vier Stationen mit 128 Betten beherbergen wird. Klinikleiter Sebastian Krupp rechnet damit, dass der Interimsbau Anfang November bezogen werden kann. Die alten Bettenflügel werden nach und nach abgerissen. Nach der Modernisierung könne man Prozesse deutlich verbessern und effektiver arbeiten.

In der Medius-Klinik in Ruit werden pro Jahr etwa 18 000 Patienten stationär versorgt. Hinzu kommen laut Krupp zwischen 60 000 und 70 000 Patienten, die ambulant behandelt werden.

Mit einer Förderzusage von 28,5 Millionen Euro für die Sanierung der Medius-Klinik kam Sozialminister Lucha (rechts) gestern nac
Mit einer Förderzusage von 28,5 Millionen Euro für die Sanierung der Medius-Klinik kam Sozialminister Lucha (rechts) gestern nach Ruit.Foto: Roberto Bulgrin
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