Kirchheimer Umland

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Der Dienstleiter der Kreiskliniken in Kirchheim und Nürtingen erklärt, wieso die Rentner heute so fit sind wie nie zuvor

Norbert Nadler selbst hat noch ein ganzes Weilchen, bis er in Rente geht. In seinem Beruf ist er dennoch ständig mit dem Alter konfrontiert und weiß: Vieles hat man selbst in der Hand – und die Rentner heute schlagen sich gut.

Norbert Nadler. Foto: B. Moulin
Norbert Nadler. Foto: B. Moulin

Die heutige Rentner-Generation ist so fit wie keine vorher. Stimmt das überhaupt?

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NORBERT NADLER: Ja, das würde ich unterschreiben. Sie sind mobiler, die lernen gerne noch Neues dazu. Das beobachte ich jedes Jahr bei unserer Rentner-Feier: Viele könnten gut noch arbeiten.

Woran liegt das?

NADLER: Meine Vermutung: Der körperliche Fleiß bei der Arbeit ist inzwischen viel geringer. In den letzten Jahrzehnten wurden viele belastende Jobs durch Maschinen ersetzt. Wir haben jetzt 30 Tage Urlaub, arbeiten insgesamt weniger als früher. Allgemein rückt das Thema Gesundheit in der Arbeitswelt mehr in den Fokus. Diese Entwicklung hat auch die heutige Rentnergeneration noch mitgekriegt und ist körperlich längst nicht mehr so ausgelaugt wie ihre Eltern.

Das heißt, das ist ein allgemeiner Trend?

NADLER: Ja, das Gesundheitsbewusstsein ist enorm gestiegen. Die Menschen achten heute auch viel mehr darauf, gesund zu essen und sich zu bewegen – das sieht man vor allem an 50- und 60-Jährigen. Die Prävention greift da sehr.

Werden die Rentner der Zukunft also noch fitter sein?

NADLER: Sicherlich werden die Menschen in 20 oder 30 Jahren älter werden.

Heutzutage unternehmen Rentner eine Menge: Sie engagieren sich in Vereinen, bereisen die Welt und lernen nebenbei noch eine neue Sprache. Sind sie aktiv, weil sie fit sind, oder bleiben sie fit, weil sie so viel machen?

NADLER: Sie machen viel mehr, weil sie fitter sind. Aber auch, weil das Geld dafür bei den meisten da ist. Viele haben sich über die Jahre ein gewisses Vermögen angespart. Das liegt sicherlich auch an der Sparmentalität der Nachkriegsgeneration. Die Jüngeren ticken ganz anders. Bei denen spielt Vorsorge kaum noch eine Rolle. Trotzdem lässt sich auch die andere Seite bestimmt nicht bestreiten: Wer im Alter gesund und aktiv lebt, hält sich länger.

Was speziell kann man tun, um möglichst lange auf den Beinen zu bleiben – Haben Sie einen Tipp?

NADLER: Neues ausprobieren. Eine neue Sprache lernen, sich engagieren, ein vollkommen neues Interesse entwickeln. Oder, ganz simpel: Mal mit der anderen Hand die Zähne putzen. So werden Gehirnpartien angeknipst, die sich sonst zurückentwickeln würden. Und der Kopf bleibt fit. Es ist auch wichtig, Bekanntschaften zu pflegen und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Und täglich Sport machen schadet auch nicht.