Kirchheimer Umland

Liebe und Leidenschaft unterm Lindenbaum

Konzert Leona und Stefan Kellerbauer begeistern bei der „Klassischen Nacht“ in Dettingen mit Melodien aus Opern, Operetten und Musicals. Von Hans-Günther Driess

Leona und Stefan Kellerbauer singen auf der Freiluftbühne in Dettingen, begleitet vom Pianisten Florian Markel.Foto: Hans-Günthe
Leona und Stefan Kellerbauer singen auf der Freiluftbühne in Dettingen, begleitet vom Pianisten Florian Markel.Foto: Hans-Günther Driess

Der sanft säuselnde Lindenbaum, Fachwerkhäuser und die gotische Georgs-Kirche bildeten den stimmungsvollen Rahmen für die „Klassische Nacht“ in Dettingen, die unter Federführung des Vereins „Kultur Ecce“ bereits zum 16. Mal stattfand und zu einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis wurde. Die Zuhörer saßen dichtgedrängt auf dem Rathausplatz und lauschten in der Dämmerung den Melodien berühmter Operetten, Opern und Musicals.

Leona und Stefan Kellerbauer ließen den Funken sofort überspringen. Mit ihrer großartigen Bühnenpräsenz und der szenischen Umsetzung der Lieder sangen sich die beiden in die Herzen des Publikums. In zwei Duetten von Gaetano Donizetti und Enrico Toselli verdeutlicht das Ehepaar Gefühle von Leidenschaft und Zärtlichkeit. Der vom „Liebestrank“ berauschte Tenor und seine Auserwählte gefallen mit theatralischer Gestik und schönen Stimmen, wobei die Sopranistin in angenehmer Weise dominiert.

In der weltbekannten Arie „O mio babbino caro“ aus Giacomo Puccinis Oper „Gianni Schicchi“ zeigt Leona Kellerbauer hohe sängerische Qualitäten. Weich und mühelos, auch in hoher Tonlage sauber intoniert und ausdrucksstark setzt sie ihre Töne.

Als exzellenter Pianist erweist sich Florian Markel. Nicht nur im glanzvollen Vortrag der Arie „Proibita“ von Stanislao Gastaldon beeindruckt er mit seiner Musikalität, dem guten Blickkontakt zu den Sängern bei Einsätzen und den sehr passend eingestreuten Tempoveränderungen. Dies gilt auch für „Parla mi d‘amore, Mariù“ von Cesare Andrea Bixio, wo er Stefan Kellerbauers schönes Solo als einfühlsamer Begleiter unterstützt.

Das konzertante Arrangement des Schlagers „Besame Mucho“ wirkt interessant. Die Begleitung erinnert stellenweise an ein klassisches Klavierkonzert. Der Tenors singt die Melodie quasi als „Cantus firmus“, der von der Sopranistin mit Tongirlanden umgarnt wird. Mit ihrer spielerischen Leichtigkeit lässt Leona Kellerbauer die Lust am Singen hörbar und sichtbar werden.

Stefan Kellerbauer trotzt den bedrohlich heranschleichenden Gewitterwolken mit seiner ausdrucksvollen Interpretation des Ohrwurms „Granada“. Etwas mehr Volumen hätte hier nicht geschadet, aber das Lied trifft den Geschmack des Publikums, das dabei sicher Sehnsucht nach Urlaub in spanischen Gefilden verspürt.

Nach der Pause erklingen Lieder aus Musicals und Evergreens, die allesamt Begeisterungsstürme auslösen. Im Titelsong aus „Phantom of the Opera“ von Andrew Lloyd Webber zeigt Leona Kellerbauer bei der als Zitat enthaltenen Arie aus einer Barockoper, dass sie auch in dieser Musikgattung stilsicher ist.

Ein Höhepunkt des Konzertabends ist „Don’t Cry for me Argentina“ aus Webbers Musical „Evita“. Welch eine gelungene Interpretation dieses vielfach gecoverten Lieds! Das leidenschaftliche Plädoyer Eva Perons für ihr Vaterland Argentinien wird mit einer breiten Palette des Ausdrucks und deutlicher Artikulation trefflich interpretiert. Pianist Florian Markel zeigt mit majestätischen Akkorden hymnische Größe und nimmt sich dann wieder vornehm als Begleiter und „Diener der Sängerin“ zurück.

Im Song „Wenn ich einmal reich wär“ aus dem Musical „Anatevka“ vereint Stefan Kellerbauer humoristische und schauspielerische Fähigkeiten. Auch die Evergreens „In einer kleinen Konditorei“ und „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“ kommen gut an. Bei letzterem fallen erste Regentropfen. Blitze zucken, und damit kündigt sich der Abbruch der „Klassischen Nacht“ schon an. Zuvor jedoch kann die achtjährige Tochter des Gesangs-Duos, Isabella, auf ihrer Violine mit dem Stück „Meditation“ von Jules Massenet noch einen emotionalen Schlusspunkt setzen.

Die witterungsbedingte Streichung von drei Liedern tat dem „Open-Air-Konzertabend“ keinen Abbruch. Zum Sturm der Leidenschaft unterm Lindenbaum passte das Gewitter als außermusikalische Zugabe optimal.

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