Kirchheimer Umland

Mädchen dürfen einen Tag unter sich sein

Aktion Beim Mädchentag im Kirchheimer Bohnauhaus geht es nicht nur ums Schminken und hübsch Aussehen. Auch handwerkliche und technische Angebote finden großen Anklang. Von Sabrina Kreuzer

Das Arbeiten mit der Dekupiersäge macht den Mädchen Spaß, ebenso wie das gemeinsame Arbeiten mit Speckstein im Freien. Foto: Sab
Das Arbeiten mit der Dekupiersäge macht den Mädchen Spaß, ebenso wie das gemeinsame Arbeiten mit Speckstein im Freien. Foto: Sabrina Kreuzer

Leise Stimmen dringen aus dem Bohnauhaus. Beim Eintreten erfolgt dann die große Überraschung: Über 200 Mädchen tummeln sich im Eingangsbereich, im Garten und in den Räumen. Die jungen Besucherinnen sind aus einem guten Grund hier: dem 21. Mädchentag.

Doris Kurka vom Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit (KiZ), das den Tag zusammen mit dem Pädagoginnentreff organisiert, erzählt: „Das erste Treffen war noch ganz klein. Aber beim zweiten Mal ist es gleich explodiert.“ Zwischen 250 und 300 Mädels im Alter von neun bis 13 Jahren sind jedes Jahr dabei, wenn es heißt: Heute sind wir unter uns.

Natürlich sind Angebote beliebt, bei denen das Mädchen-Sein so richtig ausgelebt werden darf: Schminken, Haare stylen und Kosmetik herstellen. Aber die Workshops, die sich mit anderen Themen beschäftigen, sind ebenfalls sehr beliebt.

Beim Bogenschießen lernen die Mädchen mit Pfeil und Bogen umzugehen, wie Katniss Everdeen aus dem Film „Die Tribute von Panem“. Was auf der Leinwand ganz simpel aussieht, ist in Wirklichkeit gar nicht so leicht. Der Pfeil wird in den Bogen eingespannt, muss straff angezogen und ausgerichtet werden. Durch die starke Körperspannung ist es schwer, den Bogen lange genug ruhig zu halten und zielsicher die Scheibe anzupeilen.

In den Räumen des KiZ geht es weniger um physische Stärke: Die 10-Jährigen Amelie und Tiana sitzen konzentriert vor einem Laptop. Auf dem Tisch neben ihnen steht eine kleine Roboterdame aus Lego. „Das ist Roberta“, sagt Rebecca Ollhäuser, die den Mädchen bei dieser Station zur Seite steht. Roberta wurde unter anderem vom Fraunhofer Institut entwickelt und soll Kindern und Jugendlichen Naturwissenschaft und Technik näher bringen. „Roberta wird über den Laptop gesteuert. Die Mädchen müssen sich überlegen, wie schnell sie fahren darf und welchen Winkel sie einstellen müssen, damit Roberta ihr Ziel erreicht“, erklärt Rebecca Ollhäuser. Auf den Tischen sind unterschiedliche Stationen aufgebaut. Einmal muss Roberta einen Puck in ein Tor schieben. Das andere Mal ist an ihr ein Brausespender befestigt. Wenn die Mädchen Roberta richtig steuern, fällt daraus ein Brausebonbon. Über den Ehrgeiz der kleinen Tüftlerinnen freut sich Rebecca Ollhäuser: „Die Mädchen bleiben teilweise sehr lange hier, weil sie es einfach schaffen wollen, Roberta an ihr Ziel zu bringen.“

Ausdauer und Ehrgeiz sind auch an anderen Stationen gefragt. Beim Klettern dürfen die Mädchen, gut gesichert, einen Baum erklimmen. Die 13-jährige Franzi kommt nicht ganz bis an die Spitze, aber trotzdem hat ihr das Klettern Spaß gemacht: „Man hat ja nicht so oft die Möglichkeit zum Klettern, ohne dass man Angst haben muss abzustürzen.“ Beim Zumba-Workshop erzählt ein Mädchen: „Meine Mama macht das. Das ist ein sportlicher Tanz.“ Damit liegt sie richtig. Denn beim Zumba kommt es nicht nur aufs Tanzen an, sondern auch auf die Sportübungen. So ist es ganz normal, dass die Mädchen hoch springen oder eine Kniebeuge machen müssen.

Nicht nur der Spaß steht beim Mädchentag im Mittelpunkt. Ernste Themen finden auch ihren Platz. Die Sexualpädagogin Christel Walker gibt Tipps rund um die Themen Pubertät, Verhütung und Liebe. „Hier ist das ganze Spektrum der Pubertät vertreten“, sagt sie. „Daher ist das ein ganz wichtiges Angebot.“ Die Mädchen wissen oft nicht, warum sich ihre Körper verändern, sie Stimmungsschwankungen haben oder was sie bei der ersten Periode machen müssen. Walker hat Kisten mit unterschiedlichen Utensilien dabei: Binden, Tampons, Modelle der äußeren und inneren Geschlechtsteile, aber auch Verhütungsmittel. Je nach Alter der Mädchen und natürlich nach ihren Interessen geht sie auf sie ein und beantwortet jede Frage. Die Mädchen müssen sich hier in den kleinen Gruppen nicht schämen. Es ist wichtig, dass sie lernen, die passenden Worte für ihre Probleme und Sorgen zu finden.

Bei über 200 Mädchen denkt man vielleicht an einen chaotischen und lauten Tag. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und Doris Kurka weiß, dass sie alles richtig machen: „Die Mädchen brauchen diesen Tag.“

Foto: Sabrina Kreuzer
Foto: Sabrina Kreuzer
Foto: Sabrina Kreuzer
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