Kirchheimer Umland

Malen wie die alten Meister

Die Dettinger Künstlerin Kerstin Starkert hat ein Gastgeschenk für Angela Merkel geschaffen

40 Stunden Arbeit stecken in dem Porträt, das Kerstin Starkert von Bundeskanzlerin Angela Merkel gemalt hat.Foto: Peter Dietrich

40 Stunden Arbeit stecken in dem Porträt, das Kerstin Starkert von Bundeskanzlerin Angela Merkel gemalt hat. Foto: Peter Dietrich

Dettingen. „Ruf doch an, ob du sie malen darfst“, sagte Jens Starkert zu seiner Frau. „Er hat mir Mut gemacht“, sagt die Dettinger Künstlerin Kerstin Starkert. 40 Stunden hat sie in ein Porträt von Bundeskanzlerin Angela Merkel investiert. Gestern hat es die Kanzlerin in Nürtingen als Gastgeschenk bekommen.

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Eine gewisse Nähe zur Kanzlerin liegt nicht nur deshalb in der Familie, weil Kerstin Starkert die Tochter von Wilfried Veeser, dem Vorsitzenden des CDU-Stadtverbands Kirchheim-Dettingen, ist. Sie zeigt sich auch daran, dass Sohn Jonas – heute Teenager – im Alter von vier Jahren im Kindergarten Merkel ganz selbstverständlich auf einem Zeitungsfoto erkannte: „Guten Morgen, Frau Merkel.“

Nun wurde ein Foto von Merkel zum Ausgangspunkt für Starkerts Porträt. Drei Fotos hatte diese im Internet ausgesucht und Merkels Büro vorgeschlagen; dieses hatte davon eines ausgewählt. Der direkte Vergleich in Originalgröße zeigt eine verblüffende Ähnlichkeit. Nur die Müdigkeit in Merkels Augen, die auf dem Foto deutlich zu sehen ist, hat Starkert bewusst weggelassen – im gemalten Porträt wirkt sie aufgeweckter.

Zweieinhalb Wochen vor der Übergabe bekam Starkert die Rückmeldung, der Auftrag war erteilt. Ein Porträt braucht bei ihr viel Zeit – auch deshalb, weil die Mussini-Ölfarben immer wieder in Ruhe trocknen müssen und Starkert auf Zusätze, welche die Trocknung beschleunigen, verzichtet. Die Trockenzeit ist bei ihr eine Zeit der Reflexion, was sie bisher gemalt hat. „Es war sehr flüssig“, blickt sie auf ihren Schaffensprozess zurück. „Ich werde vom Aufbau immer genauer, so wie man ein Foto scharfstellt. Am Ende macht es am meisten Spaß, wenn man ganz fein arbeiten kann, man braucht fast eine Lupe.“ Starkert malt realistisch und das gerne: „Jede Falte erzählt eine Geschichte.“

Am Anfang stand die Holzplatte: „Der Schreiner sägt sie und ich schaue zu.“ Es folgen das Schleifen und die mehrfache Grundierung mit Acrylfarben. „So haben die alten Meister gemalt“, sagt Starkert zu ihrer bodenständigen, mit großem Aufwand verbundenen Vorgehensweise. Ihre Farben sind gebrochen, also sehr zurückhaltend gehalten, der silberne Rahmen des 40 mal 50 Zentimeter großen Kanzlerinnenporträts bildet den Kontrast. Die Signatur der Künstlerin und die Jahreszahl muss man im Bild ein wenig suchen, so dezent sind sie ausgefallen.

Beruflich hat Starkert zuerst bei der Kreissparkasse Göppingen gelernt. In das Handwerk der Porträtmalerei wurde sie von Susi Edelmann in Esslingen eingeführt. „Von der Zeichnung über die Farbenlehre bis hin zum Acryl und Öl“, sagt sie. Die Malerei machte ihr so viel Spaß, dass sie nach einem passenden Studiengang suchte und diesen bei der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen fand. Im August wird sie ihr Studium nach acht Semestern abschließen. So um die 20 Porträts hat sie bisher gemalt, die Strichzeichnungen hat sie nicht gezählt, es dürften weit über einhundert sein. Manchmal hat Starkert nur mit den Angehörigen Kontakt, soll doch das Porträt eine Überraschung sein – so wie bei der Kanzlerin auch. „Ich hoffe, dass es ihr gefällt.“ Eine Abnahme gab es für das Porträt vorher nicht: „Keiner hat es gesehen.“

Vor zwei Jahren hat Starkert in der Kirchheimer Straße in einem früheren Lebensmittel- und Antiquitätengeschäft ein Atelier eröffnet. Im Fenster hat sie Porträts von demenzkranken Menschen ausgestellt, derzeit plant sie ein Projekt mit Flüchtlingen. Zweimal pro Woche gibt sie Kurse, die derzeit 15 Besucher erhalten eine individuelle Betreuung – egal, ob sie nun gegenständlich malen oder abstrakt unterwegs sind.

Würde Starkert gerne auch andere Prominente malen? „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich behandle jeden, der zu mir kommt, wie einen Promi. Der Aufwand für die Nachbarin wäre der gleiche.“ Allerdings würde die Nachbarin wohl keinen Begleitbrief bekommen wie die Kanzlerin: „Ich habe ihr geschrieben, dass es für mich eine Ehre war, sie zu malen.“