Kirchheimer Umland

Massiver Bau weist Weg ins Dorf

Städtebau Ein großes Loch, in dem kräftig gearbeitet wird, zieht am Dettinger Ortseingang an der Querstange die Blicke auf sich. Hier entsteht ein Drogeriemarkt und ein Gesundheitszentrum. Von Iris Häfner

Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Das wird jedem schnell klar, der sich die Dimensionen des Bauprojekts vor Augen führt. „An wichtiger Stelle entsteht ein Zukunftsprojekt mit großer Bedeutung für die Gemeinde“, charakterisiert Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann das Vorhaben. Im Erdgeschoss wird der Drogeriemarkt Rossmann auf einer Ladenfläche von 650 Quadratmetern seine Waren anbieten, dazu kommen noch 200 Quadratmeter Nutzfläche für den Filialisten. Das Obergeschoss dominiert eine große Zahnarztpraxis. Dort sind später auch eine Physiotherapiepraxis mit Gymnastikraum und eine Allgemeinarztpraxis sowie ein Büro untergebracht. Im zurückgesetzten Dachgeschoss entstehen vier Mietwohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 80 und 125 Quadratmetern.

„Wir wollen Grundversorger sein - und zwar der beste im Landkreis“, nennt Rainer Haußmann sein ambitioniertes Ziel. Mit diesem Projekt ist er diesem Bestreben ein großes Stück nähergekommen. Direkt gegenüber steht der Supermarkt Rewe, der seine Verkaufsfläche derzeit um 300 Quadratmeter erweitert. Der Parkplatz mit 97 Stellplätzen dazwischen trennt nicht, sondern verbindet beide Gebäude miteinander. „Der Kunde ist hybrid. Er will sowohl als auch - Billig- und Premiumprodukt - und er will sein ganz bestimmtes Shampoo“, sagt der Schultes. Von langer Hand ist das Projekt auf diesem Standort schon geplant, um aus dieser Nachbarschaft Gewinn ziehen zu können. Eine Bedarfsanalyse unter Bürgern hat ergeben, dass den Dettingern ein Drogeriemarkt fehlt - und das zu Zeiten, als es die Schlecker-Filiale noch gab.

„Ich bin froh, dass es baurechtlich geklappt hat. Hier muss man dicke Bretter bohren und einen langen Atem haben“, so Rainer Haußmann. Ein Gutachten war nötig, um die Kaufkraft der Dettinger nachweisen zu können. „Jahrzehntelang ging die Kaufkraft beim Samstags-Großeinkauf nach Kirchheim und Lenningen. Die holen wir uns nun zurück“, erklärt er. Bereits vor etwa fünf Jahren hat die Gemeinde das Grundstück gekauft und dann zwei Investoren aufgefordert, ihre Ideen zu präsentieren. Am Ende hatte die ortsansässige Firma Birkenmaier die Nase vorn. Bis zur Genehmigung musste viel Überzeugungsarbeit bei der Region Stuttgart und den Behörden geleistet werden. „Der Bürger sieht nicht, wenn uns das Baurecht Riesenprobleme macht. Der fragt sich nur, warum das so lange dauert“, so Rainer Haußmann.

„Die Form folgt der Funktion. Das wird ein markantes Gebäude“, freut sich der Schultes - bekennender Fan moderner Architektur - schon auf die Fertigstellung. Monika Kern vom Büro KLE in Kirchheim ist die Architektin des Gebäudes, das aus zwei Teilen besteht: einem großen und einem kleinen. Es hat eine abgesetzte Fassade, die Wohnungen im Dachgeschoss nehmen etwa 75 Prozent der Grundfläche ein. Die streng gegliederte Fassade ist aus Holz, die kräftigen Latten werden senkrecht angebracht. Mit diesem Material entstehe eine gewisse Wärme der rund 60 Meter langen Fassade entlang der Zubringerstraße zur B 465. Dieser große Riegel ist auch von dort gut zu sehen. „Wir hatten die Assoziation zu einer Feldscheune und wollten diese ländliche Idee modern übersetzen“, sagt Monika Kern. Wegen Fledermäusen müssen auf der gesamten Länge Bäume gepflanzt werden. An dieser Baumstruktur orientieren sich die Tiere auf ihren Beutezügen, ließen die Fachleute verlauten. Die 29 Tiefgaragen-Parkplätze sind hauptsächlich für die Angestellten gedacht.

Begeistert von dem rund sieben Millionen Euro teuren Entwurf ist Bauherr Hans-Peter Birkenmaier. „An allen vier Seiten ist der Kontakt mit der Umgebung möglich, denn es gibt überall Fenster - das ist ungewöhnlich“, sagt er. Die Wohnungen haben Licht von allen Seiten, dank Lichtkuppeln sogar von oben. Geheizt und gekühlt wird das Gebäude mit einer Geothermie-Wärmepumpe. Zehn Tiefenbohrungen gab es schon. „Dettingen ist heiß. In 140 Metern Tiefe gibt es 19,5 Grad. Das ist eine Topzahl“, erklärt er. Das Gebäude bleibt im Eigentum der Wohnbaufirma - sehr zur Freude von Bürgermeister Haußmann allein im Hinblick auf die Müllproblematik. Im Herbst soll Richtfest gefeiert werden, ein Jahr später sollen die Drogerie-Artikel übers Band laufen.

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Die Tiefbauarbeiten für das große Gebäude sind in vollem Gange. Foto: Carsten Riedl
Die Tiefbauarbeiten für das große Gebäude sind in vollem Gange. Foto: Carsten Riedl
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