Kirchheimer Umland

Mehr Flutlicht für die Rübholz-Kicker

Trainingsgelände Für 130 000 Euro werden die Sportanlagen der Ötlinger Fußballer technisch aufgerüstet, um den großen Platz auch abends nutzen zu können. LED gilt aber noch als unrentabel. Von Andreas Volz

Zwar gibt es schon Flutlicht in Ötlingen. Aber es strahlt in die falsche Richtung: Der große Platz liegt nach Sonnenuntergang bi
Zwar gibt es schon Flutlicht in Ötlingen. Aber es strahlt in die falsche Richtung: Der große Platz liegt nach Sonnenuntergang bislang noch im Dunkeln.Foto: Carsten Riedl

Schon Theodor Fontane hat es genau gewusst: „Alles kommt auf die Beleuchtung an“, stellte der markige Brandenburger einmal fest. Volle Unterstützung erhält er für diesen Satz derzeit von den Fußballern des TSV Ötlingen: Auf dem Hauptplatz im Rübholz fehlt denen nach wie vor eine Flutlichtanlage. Nach Einbruch der Dämmerung können sie bislang nur auf dem Kunstrasenplatz trainieren.

Das soll sich möglichst schnell ändern - und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Zum einen steigen die Mitgliederzahlen der Fußballabteilung in Ötlingen, und damit auch der Bedarf an Trainingsmöglichkeiten. Zum anderen fällt die alte Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle als Übungsstätte im Winter aus, weil sie dem lange ersehnten Neubau weicht.

Also hat der TSV Ötlingen bei der Stadt Kirchheim eine neue Flutlichtanlage beantragt. Von den knapp 130 000 Euro Gesamtkosten will der Verein als Eigenanteil 30 000 Euro übernehmen. Die Stadtverwaltung steht dem Antrag positiv gegenüber und erkennt auch den raschen Handlungsbedarf: „Wir sollten spätestens im September mit dem Bau starten, damit die Anlage ab November zur Verfügung steht“, sagte Christoph Kerner von der Abteilung Gebäude und Grundstücke in einer Sitzung des Technik- und Umweltausschusses.

Die Ausschussmitglieder sahen das ähnlich. Somit hätte nichts dagegen gesprochen, dem Flutlicht gleich das grüne Licht zu geben - eigentlich. Aber es gab da noch ein kleines Detail: den Einsatz von LED-Leuchtmitteln, den die Verwaltung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sowie „nach dem aktuellen Stand der Technik“ überprüft und für nicht empfehlenswert befunden hatte. „Die Betriebszeiten in den Abendstunden der Herbst- und Wintermonate reichen nicht aus, um die hohen Investitionen zu amortisieren.“

Für Sabine Bur am Orde-Käß (Grüne) reichte genau diese kurze Erklärung nicht aus: „Wenn wir sagen, es ist nicht wirtschaftlich, etwas zu machen, was für das Klima förderlich wäre, dann kommen wir beim Klimaschutz nicht voran.“ Sie beantragte folglich, das neue Flutlicht mit LED auszurüsten.

Bürgermeister Günter Riemer sprach sich dann doch lieber für eine Vertagung aus: „Wir sollten ohne Vorlage nicht über LED abstimmen.“ Vor einem solchen Beschluss müssten alle Zahlen und Fakten auf dem Tisch liegen. „Wir sollten wirklich nicht spontan darüber befinden.“

Dr. Thilo Rose (CDU) hätte auch gerne genaue Zahlen vorliegen gehabt, aber er vertraute der Verwaltung in diesem Fall: „Ich gehe davon aus, dass die Aussage stimmt, dass LED nicht wirtschaftlich ist.“ Eine Vertagung wollte er nicht befürworten - auch im Blick auf das 125-jährige Bestehen, das der TSV Ötlingen 2020 feiern will: „Bis dahin sollte die Flutlichtanlage auf jeden Fall fertig sein.“

Auf den Stand der Technik ging dagegen Reinhold Ambacher (Freie Wähler) ein: „LED ist derzeit als Flutlicht für Sportanlagen noch nicht genug entwickelt.“ Statt der geplanten vier Masten mit Halogen brauche es bei LED sechs Masten im Rübholz. Deshalb hätte Reinhold Ambacher ganz andere Umweltbedenken beim Einsatz von LED: „Zwei zusätzliche Masten bringen uns da ökologisch auch nicht sehr viel weiter.“

Der Antrag der Grünen, sich angesichts der gebotenen Eile sofort für LED zu entscheiden, fand schließlich nur vier Befürworter im Ausschuss, traf aber auf zehn Gegenstimmen. Danach entschied sich das Gremium bei nur zwei Enthaltungen einmütig für die vorgeschlagenen Halogenmetalldampflampen.

Wenn alles nach Plan läuft, beleuchten letztere den Fußballplatz im Rübholz - noch bevor am 30. Dezember der 200. Geburtstag des preußischen Beleuchtungsspezialisten Theodor Fontane ansteht.

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