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Mehr Häuser: Holzmaden soll am Ortsrand wachsen

Wohnungsbau Die Urweltgemeinde braucht bis 2035 rund 100 zusätzliche Wohnungen. Im Ortsinneren stagniert die Entwicklung trotz Baulücken. Nun soll an den Gemeindegrenzen gebaut werden. Von Thomas Zapp

Der Siedlungsdruck in der Urweltgemeinde nimmt zu: Laut statistischem Landesamt und dem Gemeindeentwicklungsplan für Holzmaden werden bis zum Jahr 2035 rund 100 zusätzliche Wohnungen benötigt. Die gibt es momentan aber nicht. „Mir tut es weh, wenn junge Leute wegziehen, weil sie keine Wohnung finden“, sagt Bürgermeister Florian Schepp.

Mit der Schaffung von Wohnraum in den Gemeinden ist das aber so eine Sache: Selbst wenn Grundstücke vorhanden sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch genutzt werden. So hat Holzmaden als die flächenmäßig kleinste Gemarkung im Landkreis immerhin 59 Baulücken. Das hat eine Untersuchung des Planungsbüros Melber und Metzger ergeben und war Gegenstand einer Klausurtagung und der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Zwar sind es innerhalb der vergangenen fünf Jahre zehn weniger geworden, dennoch stagniert die innerörtliche Entwicklung.
 

Im Bereich Streuobst hat die Gemeinde das Heft nicht mehr in der Hand.
Rainer Metzger
Der Planer erklärt die neuen Vorgaben für die Entwicklung von Wohnraum.

 

Die Verwaltung und die Gemeinderäte haben daher schon Entwicklungsflächen außerhalb des Ortskerns prüfen lassen. Aus einer Vorauswahl von fünf geeigneten Flächen hat sich das Gebiet „Lange Morgen“ als Favorit herausgestellt. Besonders haben die Planer dabei auf Streuobstbestände achten müssen, die aufgrund einer neuen Verordnung nur mit einer Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises verändert werden dürfen, sowie die Lärmsituation gemäß Lärmaktionsplan im potenziellen neuen Wohngebiet.

Sind diese Vorgaben erfüllt, kann es dann relativ schnell gehen. Paragraf 13b des Baugesetzbuches ermöglicht es, Baugebiete zuzulassen, die eine Grundfläche von weniger als einem Hektar Quadratmeter haben und sich an bebaute Ortsteile anschließen. „Die Fläche bezieht sich aber auf die überbaubare Grundfläche“, erläutert Rainer Metzger dem Gremium. Sprich: Die gesamte Entwicklungsfläche kann auch deutlich größer sein. Und noch einen Vorteil gibt es: Der Flächennutzungsplan muss nicht geändert werden.

Das Gebiet Lange Morgen scheint den Planern am besten geeignet: Der etwa 1,2 Hektar große Bereich liegt am südöstlichen Ortsrand südlich der einseitig bebauten Hirtenstraße, auf deren gegenüberliegenden Seite sich eine Bebauung anbieten würde, auch wenn dafür Ackerland geopfert werden müsste. Von einer „sinnvollen Arrondierung“ spricht Rainer Metzger daher auch, weil sich das Gebiet direkt an die Bebauung der Weilheimer Straße anschließen würde. Zwar sei ein kleiner Streuobstbereich betroffen, der jedoch isoliert sei, so der Experte. Rund 20 bis 25 Häuser in ähnlicher Bauweise wie die bestehenden könnten dort Platz finden, schätzt er. 

Bis zum Ende des Jahres Zeit

Allerdings ist hier Eile geboten: Die Schnellverfahren können nur noch bis zum 31. Dezember eingeleitet werden, daher will die Verwaltung mit Bürgermeister Florian Schepp auch eine Entscheidung in der Sitzung, das beschleunigte „Verfahren zur Schaffung von Wohnbauentwicklung“ weiterzuführen und noch im laufenden Jahr einen Aufstellungsbeschluss zu ermöglichen. Manchem Mitglied im Gemeinderat geht das zu schnell, man hätte gerne mehr Bedenkzeit. Am Ende stimmt nur eine knappe Mehrheit dafür, das Verfahren für das Gebiet Lange Morgen einzuleiten: Bei fünf Ja- gibt es zwei Gegenstimmung und vier Enthaltungen.