Kirchheimer Umland

„Mischt euch ein mit Frauenpower“

Frauenwirtschaftstag mit dem Musikkabarett-Duo Frauengold strapaziert die Lachmuskeln

„Vereinbarkeit von Familie und Beruf 4.0“: So lautet das Thema der Frauenwirtschaftstage, die am heutigen Samstag landesweit mit unterschiedlichen ­Veranstaltungen enden. Im Kirchheimer Stadtkino näherte sich das Musikkabarett-Duo Frauengold dem Thema auf ­humorvolle Art und Weise.

Das Musikkabarett-Duo sorgte für einen durchweg launigen Abend. Foto: Markus Brändli
Das Musikkabarett-Duo sorgte für einen durchweg launigen Abend. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Cloud-Working, Home-Office oder Co-Working als zukunftsträchtige Arbeitsmodelle in Zeiten fortschreitender Digitalisierung und des Internets – all das trage zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei, heißt es im Flyer des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen Baden-Württemberg. Ebenso wichtig seien neben einer „passgenauen Betreuungsinfrastruktur“ neue Konzepte in den Unternehmen.

Das sei zwar durchaus ein ernstes und dauerhaft präsentes Thema – allein der Blick auf die Titel künftiger Arbeitsmodelle schreie dies aber nach einer kabarettistischen Aufarbeitung, befand Irmela Gaber, Vorstandsvorsitzende des Kirchheimer Unternehmerinnennetzwerks mit einem Augenzwinkern: „4.0 – ich bin mir ja nicht sicher, ob es besser wird, weil noch mehr moderne Medien dazukommen. Es sollte sich eher in den Köpfen etwas ändern, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf künftig einfacher wird.“ Gemeinsam mit der neuen Wirtschaftsförderin der Stadt, Saskia Klinger, begrüßte Gaber die rund 50 Besucherinnen im Saal des Stadtkinos, bevor das Duo Frauengold mit dem Kabarett-Programm „Woher wir kommen, wohin wir gehen – 100 Jahre Frauengeschichte“ der Thematik auf den Zahn fühlte.

Anna-Klara heiße sie, 24 Jahre alt und Studentin, stellt sich Susanne Geiger (Dr. Renate Geigenhals) in ihrer ersten Rolle vor, in die sie mit fetzig pinkfarbener Perücke schlüpft. Auf gar keinen Fall will die junge Dame ihr Leben nach dem Studium fristen wie ihre Mutter – auf dem Land, als Familienmanagerin mit unlukrativem Nebenjob und stets nur um die anderen bemüht, anstatt sich selbst mal was zu gönnen. Der Tochter schwebt da eher das Gegenteil vor: ein Job in der Werbebranche, schicke Altbauwohnung in Citylage inklusive Haushaltshilfe, ein beruflich ebenso erfolgreicher Gatte, zwei Kinder plus Kinderfrau. Schließlich dürfe sie selbst ja nicht zu kurz kommen, nicht nur „Mutti und Arbeitsmaschine im Büro“ sein. „Vereinbarkeit von Familie und Beruf 4.0 – das lässt sich doch alles prima organisieren“, ist Anna-Klara überzeugt.

Selbst ist die Frau: „Mischt euch ein mit Frauenpower“, fordert das Duo musikalisch. „Nehmt euer Schicksal in die Hände.“ Der persönliche Tipp von Margot Finkbeiner: regelmäßig ein Schlückchen Frauengold; „dann hält man jeden Schwachsinn aus.“ Und überhaupt, warum nicht Märchen von heldenhaften Prinzen und schönen Prinzessinnen umschreiben? „Die enden immer mit der Hochzeit, aber was kommt eigentlich danach?“, fragt sich das Duo. Die Prinzessinnen als Hausfrauen und Mütter? Der Prinz, der sich irgendwann lieber anderweitig orientiert? Oh nein: In der Frauengold-Märchenvariante scheffelt Aschenputtel ordentlich Kohle an der Börse und Schneewittchen lässt die Zwerge kurzerhand den Haushalt selbst schmeißen.

Renate Geigenhals hält im Anschluss ein „Impulsreferat zur Politik“ – viele Themen werden dabei sehr knapp angerissen, Schlagworte in den Raum geworfen. Unterm Strich weiß der Zuhörer danach nicht mehr als vorher – ein kleiner Seitenhieb auf die oft verbreiteten politischen Floskeln? Im Saal wird herzlich gelacht.

Mit viel Wortwitz und einer guten Portion Selbstironie blickt das Duo auf ganz unterschiedliche Facetten der Frauenwelt im Wandel der Zeit. Ein durchweg launiger Abend, der deutlich macht: Es gibt noch einiges zu tun in Sachen „Familie und Beruf 4.0“.

Anzeige