Kirchheimer Umland

Mit feinem Gehör Rohrbrüche aufspüren

Leitungsnetz Der Dettinger Bauhofleiter berichtet über die Tücken bei der Lecksuche.

Dettingen. Gar nicht trocken waren die Zahlen, die Dettingens Kämmerer Jörg Neubauer dem Gemeinderat vorlegte. Zu verdanken war das Bauhofleiter Klaus Euchner, dem „technischen Geschäftsführer“, des Eigenbetriebs Wasserversorgung, wie er von Bürgermeister Rainer Haußmann vorgestellt wurde. Auf Wunsch des Gremiums erläuterte er die komplexe Problematik der Wasserrohrbrüche. Es gibt verschiedene Methoden, ein Leck im Leitungssystem zu finden - und das erinnert fatal an die berühmte Nadel im Heuhaufen. Es gibt elektronische Geräte. „Doch da hören wir auch das Radio der Hausfrau“, sagte Klaus Euchner über die Fremdgeräusche, die im Leitungssystem zwar zu hören sind, damit aber nichts zu tun haben. In besonders hartnäckigen Fällen wird darum ein Spezialist geholt, dessen Gehör eindeutig Wassergeräusche identifizieren kann, die mit dem Leck zusammenhängen. „Deshalb kann es schon mal 14 Tage bis drei Wochen dauern, bis wir den Rohrbruch finden“, erklärte er.

In der Stille der Nacht

Zudem schlagen sich die Bauhofmitarbeiter auch manche Nacht um die Ohren. Sie nutzen die Stille und den geringen Wasserverbrauch in der Nacht, um die fragliche Stelle orten zu können. Straße für Straße werden die Schieber auf- und zugemacht. „Das ist immer ein bisschen eine Lotterie. Es ist immer der Istzustand - fünf Minuten später kann es schon wieder anders aussehen“, sagte Euchner. Zu seiner täglichen Runde gehört der Kontrollgang zum Hochbehälter, ein überdurchschnittlicher Wasserverbrauch fällt so auf. „Zwei Mal im Jahr muss jeder Hydrant aus hygienischen Gründen gespült werden. Da laufen bis zu 500 Liter durch und die werden auch als Wasserverlust verbucht“, so der Bauhofleiter.

„Nicht jede Kommune erfasst seine Verluste so detailliert - und ehrlich - wie wir“, sagte Haußmann. Er blickt jedoch dank der Leitungssanierung auf dem Guckenrain positiv in die Zukunft. „Der alte Guckenrain ist eine Katastrophe. Die Leitungen sind brüchig und porös“, so der Schultes. Auch Klaus Euchner hofft, dort künftig nicht mehr so oft zu Rohrbrüchen ausrücken zu müssen. „Aber die Notleitungen während des Baus laufen nicht über die Wasseruhren. Sie werden auch als Verlust verbucht“, erläuterte er.

Der Wasserverlust bleibt auf dem Niveau des Vorjahres: rund 50 200 Kubikmeter, was 15,3 Prozent der Gesamtwassermenge entspricht. 22 Mal musste der Bauhof wegen Rohrbrüchen ausrücken.

„Das ist der einzige Bereich, wo wir Gewinn machen dürfen“, erklärte Jörg Neubauer, als er die Zahlen für den Jahresabschluss 2016 für den Eigenbetrieb Wasserversorgung vorstellte. Der Gewinn betrug rund 73 000 Euro - bei Aufwendungen von knapp 600 000 Euro und Umsatzerlösen von rund 670 000 Euro. An den Haushalt der Gemeinde überweisen konnte er über 33 000 Euro. „Zur Stärkung des Eigenkapitals der Wasserversorgung bleiben bis auf Weiteres 40 000 Euro im Betrieb“, so der Kämmerer.

Keinen Gewinn erlaubt das Gesetz dagegen beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung. Über 808 000 Euro betrugen 2016 die Erträge und Aufwendungen. Investiert wurden beispielsweise rund 130 000 Euro in Schlauchliner auf dem Guckenrain und knapp 27 000 Euro in Kanalhausanschlüsse, ebenfalls auf dem Guckenrain. Die Umlage an den Zweckverband Gruppenklärwerk Wendlingen betrug knapp 355 000 Euro. Damit wird auch die vierte Reinigungsstufe finanziert, die Medikamentenrückstände aus dem Abwasser herausfiltert. Iris Häfner

Anzeige