Kirchheimer Umland

Mit Keramik erfüllt er sich seinen Traum

Markt Seit sage und schreibe 30 Jahren kommt Bernd Meier mit seiner zerbrechlichen Ware nach Kirchheim. Sein Stand mit der Bunzlauer Keramik ist auf dem Monatsmarkt für viele einfach nicht mehr wegzudenken. Von Thomas Krytzner

Auf jedes Töpfchen das passende Deckelchen. Brunzlauer Keramik lässt Variationen zu. Foto: Thomas Krytzner
Auf jedes Töpfchen das passende Deckelchen. Brunzlauer Keramik lässt Variationen zu. Foto: Thomas Krytzner

Für den Görlitzer Bernd Meier war die Teckstadt erste Station in seinem Leben als Marktfahrer. Sein Stand gehört praktisch zum Inventar, wenn Monatsmarkt ist. Der Standort ist seit Jahren der gleiche: direkt vor dem Rathaus. Meier ist gebürtiger Schlesier. Seine Mutter flüchtete schwanger aus Breslau und fand in Görlitz, direkt an der Grenze, Zuflucht.

Vor 71 Jahren erblickte der heutige Keramikhändler das Licht der Welt. Die Liebe zu schönen Dingen wurde ihm in die Wiege gelegt, wie Meier sich erinnert. „Als Kind hatte ich zum ersten Mal eine Keramik mit Pfauenaugen-Dekor in den Händen, und das ließ mich nicht mehr los.“ Der Hang zum Handeln bestimmte seinen Lebensweg. Schon in jungen Jahren arbeitete Bernd Meier beim ehemaligen Kaufhaus Horten. Seinen Karrierehöhepunkt fand er als Leiter einer Drogeriemarktkette. „Das war mir aber zu stressig, und ich stieg aus.“

Damit öffnete er sich den Weg in die Selbstständigkeit. „Mein Lebenstraum“, schwärmt Meier, „eigenständig handeln und Erfolge feiern.“ Zur Bunzlauer Keramik kam der 71-Jährige wie die Jungfrau zum Kinde. „Die Porzellan- und Keramikkunst hat mich gefangen genommen, und ich begann, damit zu handeln.“ Das Geheimnis seines Erfolges lag darin, dass Keramik früher nur in Luxusläden für teures Geld zu erstehen war und er nun mit seinem Stand und günstigeren Preisen den Markt erobern konnte. „Bunzlau ist kein Billiggeschirr, mehr noch, es ist die Vorstufe zum Porzellan.“

Im Laufe der Jahre reiste Meier mit seinem Stand immer weiter und ist heute in Bayern und Baden-Württemberg auf den Märkten unterwegs. „Über 100 Mal im Jahr stehe ich irgendwo auf einem Markt.“ Die Menschen kennen ihn, und sein Kreis an Stammkunden ist riesig. „Früher kamen vor allem die türkischen Gastarbeiter, die auf der Suche nach billiger Ware waren. Heute habe ich viel junge Kunden, die das Schöne suchen und entdecken.“

Den Bezug zu Kirchheim erklärt Bernd Meier mit der Arbeit und seinem Wohnort. „Fast 30 Jahre habe ich in Heidenheim an der Brenz gelebt, und nun bin ich seit 20 Jahren in Görlitz zu Hause.“ Dort ist Meier auch am liebsten. Die Glücksgefühle allerdings findet er auf guten Märkten, die erfolgreich laufen. Seine jetzige Frau, Eva, hat er in einer Manufaktur für Keramik kennengelernt. „Sie schrieb damals immer meine Rechnungen“, erinnert sich der Keramikexperte und wirft Eva einen vielsagenden Blick zu.

Seine Arbeit als Marktfahrer liebt er. Vor allem der Umgang mit der Kundschaft erfüllt sein Leben. „Ich mag die altmodische Beratung. So sieht der Käufer alles, kann auch alles anfassen.“ Er weiß, dass auch seine Kunden zufrieden sind: „Die Leute schätzen die Ruhe und Gelassenheit an meinem Stand.“ Viele Einheimische, aber auch Menschen mit Bezug zu Schlesien kaufen bei ihm ein, vor allem Butterdosen, Tassen und Becher. Meier verrät: „Sogar die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gehört zu meinen Kunden.“ Der Händler schwört auf seine Produkte. Die Qualität der Bunzlauer Keramik ist sehr hoch. Dies kommt vom hohen Brennen bei 1280 Grad. Die Artikel werden zweimal gebrannt. „Erst kommt der Sprühbrand, dann wird dekoriert, und der darauffolgende Unterglasurbrand bringt den Glanz.“ Durch seine Selbstständigkeit ist Meier gezwungen, noch zur arbeiten. „Rund zwölf Märkte pro Monat muss ich besuchen. Damit komme ich gut über die Runden, und ich mach es gerne.“ Zu Hause hat Bernd Meier eine eigene kleine Sammlung an Bunzlauer Keramik angelegt. Er klagt: „Im Osten ist der Wertverfall sehr stark, deshalb habe ich in Görlitz nur mein Lager und den Versand.“ Sein weiteres Interesse gilt der schreibenden Kunst. „Als der kürzlich verstorbene Manfred Krug in Görlitz ein Konzert gab, schrieb ich die Jazzkritik für die Zeitung.“ Dann ist Meiers Rat bei der Kundschaft gefragt, und mit Ruhe und Gelassenheit erklärt er den Interessierten die Vorzüge der Bunzlauer Keramik.

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Die Auswahl von Bernd Meier ist riesig. Foto: Thomas Krytzner
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Die Auswahl von Bernd Meier ist riesig. Foto: Thomas Krytzner
"Der Klang dieser Schale gleicht einer Glocke." Eva und Bernd Meier verkaufen seit 30 Jahren Bunzlauer Keramik. Foto: Thomas Kry
"Der Klang dieser Schale gleicht einer Glocke." Eva und Bernd Meier verkaufen seit 30 Jahren Bunzlauer Keramik. Foto: Thomas Krytzner
Ob Tee oder Kaffee, die Auswahl ist vielfältig. Foto: Thomas Krytzner
Ob Tee oder Kaffee, die Auswahl ist vielfältig. Foto: Thomas Krytzner
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